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Beelitz Was Tierhalter über Wölfe wissen sollten
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Was Tierhalter über Wölfe wissen sollten
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12:08 21.09.2019
Ein Wolf liegt in seinem Gehege des Wildparks Schorfheide. Doch auch in freie Wildbahn breiten sie sich immer weiter aus. Quelle: dpa
Beelitz

Der Wolf ist zurück – auch in Brandenburg. In der zweiten Hälfte der Zweitausender Jahre hat sich der erste Wolf im Süden Brandenburgs wieder angesiedelt. Inzwischen leben 39 Wolfsrudel in Brandenburg und auch in Potsdam-Mittelmark konnten vier bis fünf Wolfsrudel nachgewiesen werden. Brandenburg wird wieder Heimat für Tierarten, die einst ausgestorben oder vom Aussterben bedroht waren. Das ist zum einen ein Erfolg der Bemühungen um Natur- und Artenschutz, bringt aber zum anderen ungewohnte Herausforderungen für die Menschen mit.

Grund genug für den BUND Brandenburg nach Beelitz zu einem Informations- und Dialogabend unter der Überschrift „Wölfe in Brandenburg – Die wilden Rückkehrer“ einzuladen. Die Veranstaltung, die am Freitagabend im Tiedemannsaal stattfand, ist Teil des aktuellen Bildungsprojektes „Wolf, Biber, Elch und Co“.

Die Experten (v.l.): Dr. Holger Liste, Dr. Anja Kayser, Heiko Anders und Mario Sitte. Quelle: Elvira Minack

Man wolle, so Mario Sitte vom BUND, mit diesem Projekt mit den Bürgern in Kontakt kommen, erfahren welche Informationen sie zu den Tieren bereits haben, mit ihnen besprechen, welche Herausforderungen sie stellen, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen und wie man letztlich mit den Rückkehrern ein gutes Zusammenleben erreichen kann.

Dafür hatte Sitte sich Fachleute wie den Fotografen und Wolfsmonitorer Heiko Anders, die ehrenamtliche Wolfsbeauftragte Dr. Anja Kayser und den Ökologen Dr. Holger Liste vom Wolfsschutz Deutschland e.V. eingeladen.

Auch Wölfe leben gefährlich

Anders zeigte eine Auswahl beeindruckender Bilder, die er seit Jahren vom Leben einzelner Wolfsrudel in Brandenburg und Sachsen gemacht hat. Er erläuterte dabei, wie die Wölfe leben, dass nur die Altwölfe jagen und die Nachkommen versorgen – und dass sie dafür in Brandenburg am häufigsten Wildschweine reißen.

Einzelne Fotos zeigen auch, dass die Wölfe sich anpassen an ihre Umgebung und sich zum Beispiel nicht stören lassen von Großgeräten, die heutzutage im Wald ständig im Einsatz sind. Anders machte ebenso deutlich, dass auch Wölfe gefährlich leben: sie überqueren Autobahnen, laufen auf Gleisen.

Mehr zum Thema „Wölfe in Brandenburg“ finden Sie hier

Dass es funktionieren kann, wenn Wölfe mit Nutztieren zusammenleben, zeigte er am Beispiel eines Schäfers, der seine Schafe mitten im Wolfsgebiet weiden lässt. Die Wölfe hätten dort die Möglichkeit, von klein auf die Schafe kennenzulernen. Voraussetzung: ein gut funktionierender Elektrozaun und fünf gut ausgebildete Herdenschutzhunde.

Viel Wissen verloren gegangen

Auf dieses Miteinander von Wolf und Nutztieren ging auch Dr. Anja Kayser in ihrem Vortrag ein. Die ehrenamtliche Wolfschutzbeauftragte erläuterte, dass im Verlaufe der Jahre, in denen es keine Wölfe in Deutschland gab, sehr viel Wissen darüber, wie die Menschen ihre Tiere schützen können, verloren gegangen sei. Nur Elektrozäune mit guter Erdung, die regelmäßig auf Schäden überprüft werden müssen, böten Schutz. Sie sollten nicht an Böschungen stehen, die dem Wolf ein Überspringen ermöglichen.

Zusätzlich zum Elektrozaun seien Flatterbänder hilfreich. Auch das Wissen über Herdenschutzhunde müssten sich die Tierhalter erst wieder aneignen. Optimal sei es, wenn alle ihre Tiere gut schützen und der Wolf gar nicht erst lerne, dass Schafe oder Kälber gut schmecken. Stattdessen müssten Haustiere eben keine einfache Beute für ihn sein.

Das Thema Schutz vor dem Wolf nahm auch in der anschließenden Diskussion großen Raum ein. So meldete sich ein Pferdehofbesitzer zu Wort, der für die Arbeit mit Kindern einen kleinen Streichelzoo unterhält und bereits Tiere durch den Wolf verloren hat. Er unterstrich, dass er kein Wolfshasser sei, dass er auch Fördergelder bekommen habe, sich aber sorge, wie die Entwicklung weiter gehe.

Sorgen macht sich auch eine Schäferin aus der Region, die noch keine Verluste hatte, dafür aber einen enormen Aufwand betreiben muss. „Es bleibt immer ein unangenehmes Gefühl, die Angst, wie sicher kann ich mir sein“, beschreibt sie ihren Alltag als Tierhalterin.

Bürger äußerten ihre Sorgen

In der Diskussion meldeten sich andererseits auch Bürger, die wissen wollten, wie man gegen Jäger vorgehe, die zielgerichtet Wölfe schießen. Leider, so Kayser, würde das von der Polizei nicht mit sehr viel Energie verfolgt bzw. würden Urteile nicht wirklich abschrecken.

Insgesamt war der Abend für die Besucher ausgesprochen informativ, die Diskussion sachlich. Das Fazit: Die Wölfe sind da. Sie werden nicht einfach wieder verschwinden. Ein Zusammenleben mit ihnen kann funktionieren, wenn die Haustiere ausreichend geschützt werden.

Land bestellt Wolfsbeauftragte

Brandenburghat sich frühzeitig auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet. Bereits in den 1990er Jahren wurde ein landesweites Netz ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter etabliert. Im Juni 2017 berief der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger, zwei Landes-Wolfsbeauftragte. Das Netz der Ehrenamtliche umfasst 34 Mitglieder.

Ausführliche Informationen über die Anzahl der hier lebenden Wolfsrudel, über ihre Reviere bis hin zu einer Rissstatistik biete die Internetseite des Landesumweltamtes (LfU) lfu.brandenburg.de. Dort kann man sich auch über Fördermittel und die sogenannte Wolfsverordnung informieren, die die Entnahme von Tieren als äußersten Fall regelt.

Giulia Kriegel und Valeska de Pellegrini wurden als Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg ernannt. Die zwei Fachfrauen wurden im Rahmen eines bundesweiten Auswahlverfahrens ausgewählt und sollen zunächst für die Dauer von zwei Jahren die Öffentlichkeitsarbeit zum Wolf in Brandenburg und die Beratung der Weidetierhalter intensivieren.

Die Berufung der Beauftragten ist Teil des Wolfsmanagements in Brandenburg, das in diesem Jahr erweitert bzw. überarbeitet wird. Die Öffentlichkeit soll künftig noch schneller und umfassender über Wölfe in Brandenburg informiert und beraten werden. Die beiden Wolfsbeauftragten werden die Information und die vorbeugende Beratung von Tierhaltern zu Präventionsmaßnahmen, die Beratung zu Förderanträgen wahrnehmen und die vorhandenen Standards zum Schutz von Weidetieren weiterentwickeln

Von Elvira Minack

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