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Beelitz Fichtenwaldes Chancen auf Lärmschutz schwinden – der Ort will dennoch kämpfen
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Fichtenwaldes Chancen auf Lärmschutz schwinden – der Ort will dennoch kämpfen
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18:54 24.01.2020
Wald verloren und trotzdem kein Lärmschutz: Der Puffer zwischen A 9 und Fichtenwalde verschwand 2018. Nach dem Waldbrand wurden etwa 30 Hektar mit verbrannten Bäumen gerodet. Quelle: Julian Stähle
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Fichtenwalde

Der Befund ist ernüchternd: Die Chancen auf Schutz vor dem Verkehrslärm von der A 9 stehen für Fichtenwalde schlecht. Das jedenfalls ist der Grundtenor eines Schallschutzgutachtens der Firma Wölfel Engineering, die im Auftrag der Stadt Beelitz die Geräuschbelastung durch den Autobahnverkehr an der Waldbrandfläche neben der A 9 untersucht und berechnet hat. Der Beelitzer Ortsteil hatte 2018 nach einem Waldbrand ein Teil des Waldes verloren, der als natürlicher Puffer zwischen Fichtenwalde und der Autobahn lag. Viele Fichtenwalder hatten nach der Rodung der verbrannten Bäume darüber geklagt, dass der Autobahnlärm nun noch deutlicher zu hören sei. Wenigstens eine Temporeduzierung auf 80 Kilometer pro Stunde im Bereich Fichtenwaldes sollte den A-9-Lärm etwas mindern.

Gutachter: Geschwindigkeitsreduzierung auf 80 bringt fast nichts

Bevor die Stadt noch einmal den Antrag auf Temporeduzierung stellte, gab sie das Lärmgutachten in Auftrag. Das allerdings liefert keine Argumente für das Anliegen. Gutachter Sebastian Ibbeken kommt in der Lärmberechnung für Fichtenwalde zu dem Schluss, dass die Verkehrsgeräusche ohne Walddämpfung und Geschwindigkeitsbegrenzung mit maximal 58 Dezibel am Tag im gesamten Ortsteil unter dem Wohngebiets-Immissionsrichtwert von 59 Dezibel liegen. In der Nacht wird nur in zwei Bereichen mit maximal 52 Dezibel der Immissionsrichtwert von 49 Dezibel überschritten. „Die zwei Bereiche liegen am Ortseingang in der August-Bebel-Straße und am Ende der Schmerberger Straße“, sagte Winfried Ludwig, Vorsitzender des Beelitzer Umweltausschusses, in dem am Donnerstag die Ergebnisse des Gutachtens vorgestellt wurden.

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Laut Gutachter würde eine Reduzierung auf Tempo 80 auf dem A-9-Abschnitt, auf dem schon jetzt Tempo 100 gilt, für Fichtenwalde „eine nicht wahrnehmbare Absenkung“ des Lärmpegels von maximal 0,5 Dezibel bewirken. Die Chancen auf den Bau von Lärmschutzwänden an der A 9 schätzte Ibbeken nach den derzeit gültigen Bewertungskriterien auch als gering ein. „Wenn tagsüber 70 Dezibel und nachts 60 Dezibel überschritten würden, dann müsste etwas getan werden. Erst ab diesen Werten geht die Weltgesundheitsorganisation von einer Gesundheitsgefährdung aus, wohlwissend, dass sie schon früher beginnt“, sagte er. Der fehlende Wald im Brandgebiet hat nach den Lärmberechnungen nur in vereinzelten Bereichen Fichtenwaldes „zu einer nicht wahrnehmbaren Anhebung des Beurteilungspegels um bis zu 0,5 Dezibel“ geführt.

Die Fichtenwalder wollen kämpfen

„Die Fichtenwalder nehmen das anders war“, sagte Ausschussvorsitzender Winfried Ludwig, der im Ort wohnt. Nach dem Befund des Gutachtens herrschte im Ausschuss eine gewisse Ratlosigkeit, wie weiter verfahren werden kann. Weil es keine Argumente für den Antrag auf Tempo 80 liefert, konstatierte Bauamtsleiter Torsten Zado: „Eine richtige Idee habe ich nicht.“ Ausschussmitglieder und Stadtverwaltung sollen sich nun zusammensetzen und das weitere Vorgehen beraten. Die Fichtenwalder wollen weiter kämpfen. „Hier wird unsere Gesundheit dem Verkehr geopfert“, sagte Meike Johannink, die appellierte, die Stadt solle dennoch an der Forderung nach Tempo 80 festhalten. Ludwig schlägt vor, eine politische Initiative zu starten, um auf das Problem hinzuweisen, dass Industrie- und Verkehrslärm mit zweierlei Maß beurteilt werden. „Eine Industrieanlage mit diesen Lärmwerten hätte an der Stelle der Autobahn nie gebaut werden dürfen“, sagte er der MAZ. „Bei Industrielärm würden nachts 35 Dezibel gelten. In dem Fall würden im ganzen Ort die Grenzwerte überschritten.“

Von Jens Steglich