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Beelitz Förster warnt: Ohne Gift gegen den Nonnenschädling drohen Waldbrände in Beelitz
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Förster warnt: Ohne Gift gegen den Nonnenschädling drohen Waldbrände in Beelitz
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21:10 27.06.2019
Förster Martin Schmitt im Gespräch mit Katrin Möller, der Leiterin des Waldschutzes beim Landeskompetenzzentrum. Quelle: Fotos: Jan Russezki
Beelitz

Die märkischen Wälder haben es schwer: An mehreren Orten toben auch in diesem Jahr wieder Waldbrände und dort, wo es nicht brennt, bereiten Nonnen die perfekten Bedingungen für den nächsten Brand vor. Davor zumindest warnt am Donnerstag Revierförster Michael Schmitt im Stadtwald Beelitz. Er will zeigen, welche Folgen der heftige Streit um das Insektizid „Karate Forst“ hat. Weil damit die Nonnen-Schädlinge in diesem Jahr nicht bekämpft wurden, herrschten seiner Meinung nach im Beelitzer Stadtwald nun die perfekten Bedingungen für Waldbrand und das große Kiefern- und Birkensterben.

Bei dem Rundgang durch den Wald an der Autobahnausfahrt Beelitz liegen grüne Blätter und Nadeln auf den Wegen. Die Kiefern tragen kaum noch Nadeln. „Die Nonne beißt viele Blätter und Nadeln in den Kronen nur an. Sie fallen dann auf den Boden“, erklärt Schmitt den verschwenderischen Fraß des Nonnen-Schädlings. Die Folge: Ohne Blätter bricht laut Schmitt der Wasserkreislauf der Kiefern zusammen, sie trocknen aus und können sich weder vom Nonnen-Befall erholen, noch gegen weitere Schädlinge wehren. Schließlich würden die Bäume absterben. Das betreffe auch Laubbäume, weil „die Nonne alles frisst“, sagt Schmitt.

Der Befall geht erst jetzt los

„Und das große Fressen geht jetzt erst los“, so Katrin Möller, Leiterin des Waldschutzes beim Landeskompetenzzentrum in Eberswalde. Sie begleitet den Rundgang durch den Beelitzer Stadtwald. Die Schädlings-Expertin erklärt, dass die Nonnen in die letzten beiden Wachstumsstadien kommen, in denen sie 80 Prozent der Nahrung fressen. Schon jetzt sind die Baumkronen kahl. Sie lassen Sonne auf den Waldboden. Auf 3000 Hektar liegen Blätter und grüne Nadeln mit ätherischen Ölen. „Der gesamte Boden wird vorgetrocknet und ist prädestiniert für einen Waldbrand“, meint Schmitt.

Hier ist die Nonne in unterschiedlichen Wachstumsstadien zu sehen. Das große Fressen beginnt in den letzten beiden Stufen. Quelle: Jan Russezki

Kiefern seien laut Schmitt die einzigen Bäume, die einen Bodenbrand standhielten. Der Nonnenbefall führt jedoch zum Austrocknen, was das „Feuer wie auf einer Leiter bis zur Krone hochklettern lässt“.

Enorme Schäden

Auch private Waldbesitzer fürchten enorme Verluste. Einer von ihnen ist Bernd Schaeff. Er besitzt 200 Hektar Wald und beziffert seinen aufgrund des Nonnen-Befalls verlorenen Holzwert auf 10.000 Euro pro Hektar. Für die Beelitzer Försterei würden weitere 5000 Euro Wiederaufforstung hinzukommen.

„Der wesentliche Schaden ist schon passiert und kann nicht mehr aufgehoben werden“, sagt Schaeff. Würde man jetzt noch das Insektizid „Karate Forst“ sprühen, seien maximal 30 Prozent des Bestandes zu retten, meint er. Wie berichtet, hat ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg im Eilverfahren, das der Naturschutzbund eingebracht hat, ein Spritz-Verbot ausgesprochen.

Fall „Karate Forst“ abgeschlossen

„Es wird sich am Urteil nichts mehr ändern“, meint Schaeff. Zumindest beim Oberverwaltungsgericht und dem Verwaltungsgericht Potsdam, das dem Verbot in erster Instanz widersprach, seien die Fälle abgeschlossen. Das bestätigt ein Sprecher des Verwaltungsgerichtes in Potsdam.

Die Nonne und das Insektizid „Karate Forst flüssig“

Die Nonne verdankt ihren Namen der schwarz-weißen Flügelzeichnung. Die größeren Weibchen erreichen ausgewachsen eine Länge von bis zu 65 Millimetern. Ganz wie der Eichenprozessionsspinner ist auch die Nonne ein Nachtfalter. Ihre Eier legt sie versteckt in der Rinde von Kiefern ab. Um Ostern des Folgejahres herum schlüpfen dann die Larven, die Laub- und Nadelbäume befallen.

Die Großschädlinge fressen in den letzten beiden der sechs Wachstumstadien 80 Prozent ihrer Nahrung. Dieser Zeitraum fällt 2019 auf Ende Juni. Sie haben dabei ein verschwenderisches Fressverhalten. Das bedeutet, dass sie die Blätter und Nadeln nicht von außen nach innen zum Ast abnagen, sondern quer.

In den Wäldern frisst die Nonne auf diese Weise Baumkronen leer. Ohne Blätter bricht der Wasserdruck in den Bäumen zusammen, was dazu führt dass sie austrocknen. Kiefern haben eine sogenannte Brandhärte. Das heißt, sie können Bodenbrände überstehen. Durch das Austrocknen können sich Kiefern aber nicht mehr gegen den Befall anderer Schädlinge wehren und verlieren ihre Rinde. Feuer kann so schnell an ihnen heraufklettern.

Das Insektizid „Karate Forst flüssig“ kann mit einem Hubschrauber gegen Nonnen eingesetzt werden. Es tötet dabei aber auch kleinere Rüsselkäfer, Läuse, Fliegen und Mücken. Während Befürworter mit dem Waldbestand und einer erhöhten Waldbrandgefahr argumentieren, wollen Gegner die Tiere schützen.

Zuvor ist eine Debatte um das Insektizid entstanden, weil ein Waldbesitzer sich gegen das verpflichtende Spritzen des Mittels wehrte und auf ökologische Alternativen setzt. Während einige Waldbesitzer ihr Holz retten wollen, fordern Tierschützer ein Verbot, um die Artenvielfalt in den Wäldern zu bewahren. Das Gift „Karate Forst“ tötet nämlich auch andere kleinere Arten wie Läuse, kleinere Rüsselkäfer, Fliegen und andere Larven.

Kann sich der Wald erholen?

Katrin Möller vom Landeskompetenzzentrum sieht darin kein Problem: „Etwa zwei Monate nach der Ausbringung des Insektizids kann man die behandelten Flächen von den unbehandelten nicht mehr unterscheiden.“ Sie sieht ein größeres Problem in den kahlen Baumkronen. „Im Bereich des Stadtwaldes ist die Veränderung in der Tierwelt schon jetzt viel größer. Die Waldarten fühlen sich hier nicht mehr so wohl, weil es mehr Offenlandarten gibt“, sagt sie.

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Sie prognostiziert, dass sich der Wald in Zukunft ohne Insektizid nicht erholen wird. „Der Kahlfraß ist schon schwer zu kompensieren. Die Trockenheit vom letzten und diesem Jahr und der gleichzeitige Befall von nachfolgenden Käfern, die unter der Rinde fressen, schaffen zusätzlich eine schwierige Situation für den Wald“, erklärt sie. Ihre Abwägung: Das Insektensterben kurzfristig in Kauf nehmen und mit Einsatz von „Karate Forst“ das ökologische Waldsystem auf Dauer retten. Einen Kompromiss zu einem milderen Mittel sieht Möller nicht, weil diese zu schwach für die Eindämmung des Befalls seien.

Von Jan Russezki

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