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Beelitz „Für Spargelbauern war 2018 desaströs“
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz „Für Spargelbauern war 2018 desaströs“
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06:04 26.03.2019
Im Feld: Spargelbauer Jürgen Jakobs ist auch Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Quelle: Jens Steglich
Beelitz

Offiziell wird die Beelitzer Spargelsaison erst am 8. April eröffnet. Doch auf einigen Feldern in der Region werden die Stangen schon gestochen.

Herr Jakobs, wird auf Ihren Feldern schon Spargel geerntet?

Jürgen Jakobs: Einzelne Stangen haben wir bereits gefunden. Es lohnt sich aber noch nicht, dafür auf die Felder zu gehen. Wir rechnen damit, dass die richtige Stechzeit diese Woche beginnt – zunächst mit kleineren Mengen. Zum offiziellen Saisonstart am 8. April wird in der Region ausreichend Spargel verfügbar sein.

Wird es ein gutes Spargeljahr?

Die Aussichten für 2019 sind besser als das, was wir 2018 hatten. Wir beginnen 14 Tage früher mit der Ernte und haben bis zum 24. Juni ein längeres Vermarktungsfenster.

2018 war kein gutes Jahr, obwohl ab April die Wärme ausbrach und Rekordernten eingefahren wurden?

Für Spargelbauern war 2018 ein desaströses Jahr. Nicht wegen der Ernte. Man könnte fast sagen, sie war zu gut. Wir hatten Spargel im Überangebot. Es gab eine Woche Preisstabilität, danach sind die Preise eingebrochen. 90 Prozent der Spargelbauern bundesweit haben im vergangenen Jahr Verluste gemacht.

Was ist 2019 anders?

Als Reaktion haben die Spargelbauern ihre Flächen reduziert oder auf eine Ausdehnung verzichtet. Wir gehen davon aus, dass es dieses Jahr zehn Prozent weniger inländischen Spargel geben wird.

Sind die Wachtsumszeiten vorbei?

Ja, die sind vorbei. Das ist dem Mindestlohn geschuldet. Wir haben seit seiner Einführung jährliche Kostensteigerungen, die wir nicht auf den Spargelpreis umlegen konnten.

Der Kunde akzeptiert keine höheren Preise für guten Spargel?

Der Preisdruck kommt von den Handelsketten, die zwischen inländischen und ausländischen Spargel wählen. Der Spargel ist auch beliebte Aktionsware – zulasten der Spargelbauern. Da kommt man schwer heraus. Es gibt fünf große Ketten und 3000 Spargelbauern. Wenn einer niedrigere Preise nicht akzeptiert, nehmen sie den anderen. Spargelbauern müssen deshalb ihre Vermarktungsstrategien jenseits des Großhandels überdenken.

Spargelbauern in Beelitz sind ja schon gute Selbstvermarkter.

Die Frage ist, wie man Direktvermarktung noch steigern kann in Zeiten der Personalnot. Wir müssen dafür Verkaufs- und Servicepersonal finden. Im Moment scheint der Trend zu sein, zu konsolidieren und gegebenenfalls zurückzufahren. In der Beelitzer Region wurde die Anbaufläche um fünf Prozent reduziert. Wir erwarten 2019 dennoch eine Ernte von zwölf Millionen Kilo.

Warum ist Ostern so wichtig für Spargelbauern?

Gibt es zu Ostern schon Spargel, ist die Nachfrage hoch und aus Sicht der Bauern sind da noch gute Preise zu erzielen. Wenn Pfingsten vorbei ist, schwenken die Leute um. Da geht die Nachfrage spürbar zurück. Der Spargel ist ein traditionelles Wochenend- und Festtagsessen geblieben. Die meisten halten daran fest.

Spargel im März war früher undenkbar. Wie war das vor 30 Jahren?

Da stand Spargel ab Mai zur Verfügung. Damals gab es mehr Importware aus Frankreich und Griechenland. Die Importware ist durch den früheren Erntebeginn bei uns verdrängt worden. In Beelitz haben wir schon so etwas wie ein Spargelwirtschaftswunder in den vergangenen 25 Jahren erlebt – von nahezu null ist die Anbaufläche auf 1700 Hektar gestiegen.

Ohne Folienwirtschaft würde es im März keinen Spargel geben. Warum müssen wir Menschen immer alles noch früher und schneller haben?

Das liegt in der Natur des Menschen. Wir werden oft schon früh gefragt, warum wir noch keinen Spargel haben, während andere bereits ernten. Wir sehen jetzt aber einen gegenteiligen Effekt: Für frühen Spargel gibt es nur einen eingeschränkten Markt. Generell muss man sagen, dass Folien eine wirtschaftliche Ernte ermöglichen und qualitativ hochwertigen Spargel versprechen. Erntehelfern wird die Arbeit erleichtert, weil Spargelspitzen unter Folie nicht so schnell violett werden. Dadurch ist nur einmal am Tag Ernte. Früher wurde zwei Mal täglich geerntet.

Ist der ökonomische Druck wirklich so groß, dass Ihr Überleben am Folieneinsatz hängt?

Ja. Ohne Folieneinsatz kein Spargelanbau mehr, der sich rechnet. In Beelitz könnte man nicht mit den südeuropäischen Spargelbauern mithalten, die klimatisch bessere Bedingungen haben. Trotzdem setzen auch sie Folien ein. Die Folien beschleunigen Wachstum und Produktivität. Ohne sie wären die Preise höher. Die Leute sind nur bereit, einen bestimmten Preis zu zahlen.

Wo liegt die Schmerzgrenze?

Die Kunden tun sich schwer, fürs Kilo zwölf Euro zu zahlen. Guter Spargel kann so viel wert sein.

Folien in der Landschaft sehen weder gesund aus noch haben sie ein gutes Image.

Spargelfolien werden mehrjährig bis zu acht Jahren genutzt und sind lebensmittelecht. Das heißt, dass sich keine Stoffe herauslösen. Das könnte man sich als Spargelbauer auch nicht leisten. Die Handelsketten verlangen Rückstandsanalysen und unser Lebensmittelüberwachungssystem ist äußerst effektiv.

Wäre es nicht klug, zumindest auf Teilflächen Spargel ohne Folien anzubauen? Man könnte damit werben und eine Marktnische besetzen.

Der Spargel wäre violett und grün, das wird von den Kunden derzeit nicht toleriert. Spargel mit Färbung betrachten sie als minderwertig, er lässt sich deshalb schwer verkaufen. Man kann von einem Unternehmer auch nicht erwarten, er soll fleißig arbeiten, aber unproduktiv sein.

Beelitzer Spargelverein gehören 14 Höfe an

Die Familie Jakobs baut auf 250 Hektar Spargel an.

Jürgen Jakobs (53) ist Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Dem 1991 gegründeten Verein gehören 14 Spargelhöfe und die Stadt Beelitz an.

Der Spargel in der Region erhält durch den Beelitzer Sander seinen besonderen Geschmack, so Jakobs. „Die Mineralien im Boden geben den Geschmacksakzent, den ich als leicht süßlich mit nussigem Ton empfinde“, sagt er.

Von Jens Steglich

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