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Beelitz Amt genehmigt Insektizid-Einsatz gegen Wald-Schädlinge
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Amt genehmigt Insektizid-Einsatz gegen Wald-Schädlinge
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19:35 02.05.2019
Kleine Nonnenraupen in einem Wald bei Brück. Das Bild stammt von Ende April, aufgenommen von einem Förster.
Kleine Nonnenraupen in einem Wald bei Brück. Das Bild stammt von Ende April, aufgenommen von einem Förster. Quelle: Holk Michaelis
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Für den Insektizid-Einsatz in Wäldern in der Region liegen jetzt die Genehmigungen vom Landesamt für ländliche Entwicklung in Frankfurt/Oder vor. Die Untere Forstbehörde hat daraufhin eine Allgemeinverfügung erlassen, die eine Bekämpfung von Kiefernschädlingen mit dem Insektizid „Karate Forst“ vom 6. bis 31. Mai vorsieht. Laut Jörg Ecker vom Landesforstbetrieb sind noch etwa 7300 Hektar Wald in den Kreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming betroffen.

„In diesen Waldgebieten liegen die Gefährdungsziffern im Schnitt bei vier. Die festgestellten Raupenmengen der Nonne reichen also aus, um die Bäume dort vier Mal kahl zu fressen. Es gibt Bereiche, wo die Gefährdungsziffer bei über 25 liegt. Das ist rekordverdächtig“, so Ecker. „Wir haben hochvitale Raupen und Sekundärschädlinge, die vom Dürrejahr 2018 geschwächte Bäume den Garaus machen können“, sagte er und fügte hinzu: „Es ist die absolute Notbremse, es geht hier ums pure Überleben der Bäume.“ Die Prüfung des Befalls laufe weiter: „Wir hoffen bis zur letzten Minute, noch Flächen herausnehmen zu können“, so Ecker. In Wäldern, die besprüht werden, gilt für 48 Stunden ein Betretungsverbot. 21 Tage ist das Sammeln von Waldfrüchten verboten. Gegen den Einsatz, der auch andere Insekten tötet, gibt es massiven Widerstand. Inzwischen haben 68 800 Leute eine Petition unterschrieben, die einen Stopp fordert. „Wir beraten am Sonntag, wie wir weiter vorgehen“, sagte Tilo Köhn von der Fichtenwalder Initiative „Naturwald“.

Umweltschutzverbände kritisieren den Insektizid-Einsatz in Zeiten des Insektensterbens scharf. Der Landschaftsförderverein „Nuthe-Nieplitz-Niederung“ forderte am Donnerstag in einem Brief den zuständigen Minister Jörg Vogelsänger (SPD) auf, „dem nach unserer Einschätzung sowohl ökonomisch unsinnigen als auch ökologisch zerstörerischen und gefährlichen Gifteinsatz entgegenzutreten“.

Von Jens Steglich