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Beelitz Geplanter Insektizid-Einsatz sorgt für Wirbel
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Geplanter Insektizid-Einsatz sorgt für Wirbel
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20:29 10.04.2019
Axel Mueller fordert den Landesfortsbetrieb auf, das Insektizid „Karate Forst“ nicht einzusetzen. „Es gibt sanftere Alternativen“, sagt der Biologe, der zu dem Thema geforscht hat. Quelle: Jens Steglich
Potsdam-Mittelmark

Der geplante Insektizid-Einsatz in Wäldern zwischen Beelitz, Borkwalde, Fichtenwalde und Reesdorf sorgt für Wirbel in der Region. Inzwischen mehren sich Stimmen, die vor der großflächigen Sprühaktion per Hubschrauber warnen. Der Biologe Axel Mueller, der als Wissenschaftler zum Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln geforscht hat, fordert den Landesforstbetrieb auf, das Insektizid „Karate Forst flüssig“ nicht anzuwenden. Er nennt den Einsatz dieses Mittels die Holzhammer-Methode, die große Kollateralschäden anrichten kann.

Mit „Karate Forst“ töte man nicht nur die Nonne, die als Kiefernschädling bekämpft werden soll, sondern auch andere Insekten. „Die chemische Keule herauszuholen, passt nicht in eine Zeit, in der das Insektensterben ein ernstes Thema ist und darüber nachgedacht wird, wie man es aufhalten kann“, sagte Mueller, der sich in einem offenen Brief auch an den Landesforstdirektor gewandt hat.

Wie berichtet, will der Landesforstbetrieb zur Bekämpfung von Baumschädlingen wie die Nonne 8000 bis 9000 Hektar Wald in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming mit „Karate Forst“ besprühen. Die Landesförster begründen das mit der Gefahr massiver Waldschäden, die wegen einer Massenvermehrung der Nonne in der Region drohe.

Insektizid-Einsatz in der Brutzeit der Vögel „ist nicht verantwortbar“

Das Insektizid in der Brutzeit der Vögel anzuwenden und damit deren Nahrungsgrundlage zu beschädigen, hält Mueller für nicht verantwortbar. „Singvögel haben in der Zeit einen hohen Nahrungsbedarf und sie können auch nicht ausweichen, wenn der Einsatz des Insektizides auf 8000 Hektar erfolgt.“ Der Biologe, der für die Grünen im Kreistag sitzt, hat als Wissenschaftler in der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Kleinmachnow gearbeitet, dem heutigen Julius-Kühn-Institut. Teil der Forschungsarbeit war die Suche nach Insektiziden, „die artspezifisch eingesetzt werden, ohne dass sie für andere Insekten eine Gefahr darstellen.“

Zu „Karate Forst“ gibt es sanftere Alternativen, sagt Mueller. Er nennt den Einsatz eines „Bazillusthuringiensis-Präparates“. Dieses Bakterium würde nur auf Schmetterlingslarven wie die Nonne toxisch wirken und deren Massenvermehrung verhindern, ohne Schäden unter anderen Insekten anzurichten. Es befällt den Darm und führt zum Verhungern der Nonne.

Das Bakterium sei möglicherweise nicht so effektiv wie „Karate Forst“. Es reiche aber aus, um die Fraßleistung der Nonnen so zu reduzieren, dass ein Totalverlust im Baumbestand verhindert werde. „Die Bäume leben weiter und die anderen Insekten auch“, so Mueller. Danach würden die natürlichen Mechanismen ausreichen, den Nonnenbestand im Zaum zu halten. „Dafür sorgen natürliche Gegenspieler wie Schlupfwespe, Vögel und Fledermäuse.“ „Die Bäume wehren sich mit Harz gegen Schädlinge.“ Die langfristige Alternative sieht er darin, aus Kiefern-Monokulturen Mischwälder zu machen. Mono-Kulturen seien Hauptursache für Massenvermehrungen von Arten wie die Nonne.

„Den Wald nicht nur als Holzfabrik sehen, sondern als Lebensraum“

Waldbesitzer Karl Tempel baut seit Jahren seinen Forst in einen Mischwald um und will allein auf natürliche Schädlingsbekämpfung setzen. Er wehrt sich gegen die Besprühung seines 80 Hektar großen Waldes in der Busendorfer Heide (MAZ berichtete) und hat damit eine kleine Lawine losgetreten. Unterstützung bekommt er jetzt sogar von Peter Wohlleben, dem Förster, der das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ geschrieben hat und damit auf ein weltweites Interesse stieß. Wohlleben kritisiert in einem Video auf Facebook den großflächigen Einsatz des Insektizids. Auch Landesförster haben auf den Protest des Waldbesitzers inzwischen reagiert. Sie wollen sich am Montag den Tempel-Wald anschauen. Tempel appelliert, den Wald nicht nur als Holzfabrik zu sehen, sondern als Lebensraum.

Einwohnerversammlung in Fichtenwalde

Der geplante Insektizid-Einsatz aus der Luft sorgt auch unter Einwohnern der angrenzenden Waldgemeinden Fichtenwalde, Borkheide und Borkwalde für Unruhe.

In Fichtenwalde findet am Donnerstag, dem 11. April, 18.30 Uhr, im Hans-Grade-Haus, eine Info-Veranstaltung statt, die Bürger organisiert haben. Eingeladen sind auch Referenten aus der Forstwirtschaft.

„Wir sorgen uns um unsere Gesundheit und um die biologische Vielfalt in unserer nahen Umgebung“, heißt es in einer Mitteilung der Fichtenwalder Organisatoren.

Von Jens Steglich

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