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Beelitz Fünf Taufen und ein Mord
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Fünf Taufen und ein Mord
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21:23 28.10.2019
Viele alte Fotos im Buch stammen von Glasplatten-Negativen, die sich gut gesichert in einem Brotkasten im Hühnerstall der Familie Wieland befanden Quelle: Privat
Schäpe

Im 19. Jahrhundert wurden Schweine noch auf die Weide getrieben und in Dörfern wie Schäpe gab es Schweinehirten, denen Bauern tagsüber ihre Tiere anvertrauten. Wenn beim Hüten auf der Weide der Eber Sauen deckte, war der Geschlechtsakt auch für den Schweinhirten mit Glücksgefühlen verbunden. „Der Schweinehirte berichtete dann dem betreffenden Bauern, dass seine Sau gedeckt wurde“, erzählt Hartwig Remy. Als Lohn für die gute Nachricht, die Schweinenachwuchs erwarten ließ, bekam der Hirte „eine mit kleinen Speckstücken versehene Butterstulle – damals eine Delikatesse“, weiß Remy. Und die Eltern des Schweinehirten konnten stolz erzählen: „Unser Kind verdient sich sein Brot schon selbst!“ Wenn der junge Schweinhirt im Auftrag des Bauern dann auch noch ein männliches Ferkel kastrierte, bekam er zur Belohnung zwei Eier, die freilich von Hühnern stammten.

Die Schäper Geschichten stammen aus einem Nachlass

Solche Geschichten aus dem Heimatort hat der Schäper Hartwig Remy gesammelt und jetzt in einem schönen, reich bebilderten Büchlein für die Nachwelt festgehalten. Remy, der Vorsitzender des Fördervereins ist, der seit 2010 Geld für die Sanierung der Schinkelkirche sammelt, hat die Schäper Geschichten im Nachlass von Otto Grohmann (1901-1995) gefunden. „Er war ein Original, wie man es kaum mehr findet. Er war nicht nur im Dorf, sondern auch in der Umgebung bis nach Berlin bekannt“, sagt Remy über Grohmann, der zudem „ein unglaubliches Wissen über die gesamte Pflanzenwelt hatte“. Und hintergründigen Humor. Kein Wunder, dass Remy im Buch viele der wahren Begebenheiten, die Grohmann aufgeschrieben hat, gern und genüsslich im „Original-Ton“ zitiert.

Hartwig Remy mit dem frisch gedruckten Buch über Schäper Geschichten. Quelle: Jens Steglich

Im Buch findet sich auch die Geschichte eines mittellosen Scherenschleifers, der mit seiner Familie übers Land zog und die Scheren und Messer der Leute schärfte. Als in einem Dorf sein drittes Kind geboren wurde, taufte es der Pfarrer – wie den ortsansässigen Nachwuchs auch. „Der Pfarrer suchte dafür Paten meist unter Geschäftsleuten, die aus Mitleid und wegen ihrer Zugehörigkeit zur Kirche die halbe Stunde opferten, die eine Taufe dauerte“, erzählt Remy. Weil so eine Taufe auch mit Patengeschenken und Taufessen verbunden war, kam der Scherenschleifer auf den Geschmack. Erbsbrei, Kartoffeln, Rotkohl mit einem Stück Pökelfleisch waren zur damaligen Zeit schließlich ein Festessen. „Diesem Scherenschleifer gefiel das so gut, dass er sein Kind in anderen Orten nochmal zur Taufe anmeldete“, sagt Remy. So wurde das Kind „vier oder fünf Mal getauft“. Den Pastoren sei daraus kein Vorwurf zu machen. „Sie kamen damals selten zusammen. Es gab ja kein Telefon, kein Fahrrad, kein Auto oder so etwas“, sagt Remy.

In Schäpe gab es bis 1934 auch einen Radverein. Quelle: Privat

Das erste Auto tauchte in Schäpe erst 1929 auf. Das zweite Auto kaufte sich 1932 Lehrer Kumerow, der damit in die Annalen einging. Ihm ist jedenfalls ein Kapitel gewidmet, das den Titel trägt: „Der Lehrer Kumerow und der Fluch des Automobils.“ Kumerow war starker Raucher und ein Freund von Bier und Korn. Kurzum: Seine Gesundheit litt und das Auto brachte ihm in der Hinsicht wenig Nutzen. Man könnte auch sagen: Es verkürzte seine Lebenserwartung weiter. Der Arzt hatte Lehrer Kumerow in erster Linie viel Bewegung verordnet. „Mit dem Auto hatte er gar keine mehr.“ Er erlag 1937 einem Schlaganfall und wurde nur 53 Jahre alt.

Ermordetes Dienstmädchen: Täter ist ein Bursche aus Schäpe

Noch jünger starb das Dienstmädchen Charlotte Lüttge, die aus Schlesien stammte. Die tragische Geschichte beginnt damit, dass Lehrer Friedrich Stärke, der von 1845 bis 1872 unterrichtete und nebenher Landwirtschaft betrieb, Hilfe brauchte. Ein Stellenvermittler schickte ihm Charlotte Lüttge, die mit einem zweiten Dienstmädchen anreiste, das im benachbarten Salzbrunn ihren Dienst tat. An einem Sonntag machte sich Charlotte auf den Weg zu ihr nach Salzbrunn. Ein Bursche aus Schäpe, der sich in Charlotte verguckt hatte, folgte ihr und wollte sie begleiten. Sie aber wollte das nicht. Es kommt zum Streit, der Bursche wird wütend und sticht mit seinem Taschenmesser zu.

Das Mädchen verblutete. Es fand auf dem Friedhof in Schäpe fern der Heimat seine letzte Ruhe. Mädchen aus dem Dorf pflegten ihr Grab, Jungs aus Schäpe setzten ihr einen großen Feldstein darauf. Der Feldstein wurde 1956 vor die Kirchhofsmauer gebracht. Später verliert sich die Spur des Steines. „Wo er geblieben ist, weiß heute keiner mehr.“

„Schäpe – Geschichte und kleine Geschichten“

Das Buch heißt „Schäpe. Geschichte und kleine Geschichten“. Die Geschichten stammen aus dem Fundus von Otto Grohmann, zusammengetragen und geordnet hat sie Hartwig Remy, der an seiner Seite Axel Grüsner und Susanne Noé hatte, die u.a. das Layout gestalteten.

Es wird zur Mitgliederversammlung des Fördervereins „Schinkelkirche Schäpe“ am 29. November erstmals vorgestellt. Geplant ist auch eine Lesung, der Termin steht noch nicht fest.

Wer das Buch haben will, wendet sich an den Fördervereinsvorsitzenden Hartwig Remy. „Wir verkaufen das Buch nicht, aber wir bitten um eine Spende für den Förderverein“, sagt er.

Im Büchlein erfährt der Leser auch, dass es in Schäpe einen Radverein (1903-1934) und einen Reitverein (1922-1930) gab. In einem Protokoll des Radvereins von 1923 (Inflationszeit) ist von einem geplanten Tanzvergnügen die Rede. „Mitglieder, die zu spät kommen, zahlen 5000 Mark Strafe, und zwar alle, die nach 14.15 Uhr erscheinen.“

Von Jens Steglich

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