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Beelitz Waldbesitzer gibt nicht auf: „Ich kann das nicht unterschreiben“
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Waldbesitzer gibt nicht auf: „Ich kann das nicht unterschreiben“
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22:06 17.05.2019
Karl Tempel an einem Insektenhotel in seinem Wald. An anderer Stelle hat er Brutkästen für Vögel und Fledermäuse angebracht. Quelle: Andreas Koska
Mittelmark

Ein bisschen fühlt er sich schon wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft. Karl Tempels Kampf, seine 80 Hektar Wald und die tierischen Bewohner dort vor dem Insektizid-Einsatz des Landesforstbetriebes zu bewahren, scheint vergeblich. Der Waldbesitzer, der mit Leidenschaft seinen Kiefernforst in der Busendorfer Heide in einen Mischwald umbaut und auf natürliche Schädlingsbekämpfung setzt, hat eine Anordnung erhalten, in der steht, dass er den Insektizid-Einsatz über seinem Wald dulden muss. Und er soll ein Ordnungsgeld von 100 Euro zahlen, weil er sich geweigert hat, die Vereinbarung für den Einsatz zu unterschreiben. Er hofft jetzt noch auf die Gerichte, die der Naturschutzbund (Nabu) angerufen hat, der am Freitagabend in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht den großflächigen Einsatz vorläufig gestoppt hat.

„Ich kann die Vereinbarung nicht unterschreiben“, sagt Tempel und bleibt dabei: „Ich kann jetzt nicht wegrennen und die Vögel und Fledermäuse, die ich angelockt habe, im Stich lassen.“ Er hat auch keine Lust, mit schuld daran zu sein, wenn die Waldameisen, die von einem Ameisenschutzwart in seinen Forst umgesiedelt wurden, weil sie anderen Ortes im Weg waren, jetzt „Karate Forst flüssig“ abbekommen, mit dem der Landesforstbetrieb die Nonne, einen Kiefernschädling, treffen will.

Wenn er solche Sätze sagt, wirkt der katholisch getaufte Waldbesitzer nicht wie Don Quijote, sondern eher wie der Protestant Luther, der seine Reformationsthesen nicht widerrufen wollte und gesagt haben soll: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Tempel würde es freilich fernliegen, sich mit Luther zu vergleichen. Trotzdem: Er kann nicht anders. Er ist überzeugt davon, dass man in Zeiten des Insektensterbens kein Total-Insektizid versprüht, das auch seine Waldameisen tötet. „Ich würde das Geld, das ich auch noch für den Insektizid-Einsatz über meinem Wald zahlen soll, lieber in den Waldumbau stecken“, sagt er. 85 Euro pro Hektar kostet die Sprühaktion gegen die Nonne für private Waldbesitzer, von denen die meisten freilich für den Einsatz sind.

Tempel würde eher in Kauf nehmen, „ein paar Bäume zu verlieren“, als der Sprühaktion seinen Segen zu geben. Anders als Don Quijote hat er mit seinem Kampf eine Protestwelle losgetreten. Als er im März sagte, „ich lasse meinen Wald nicht vergiften“ (MAZ berichtete), stand er noch allein da. Wochen später hatten 85 000 Menschen seine Online-Petition gegen die Besprühung unterschrieben. Die Landesförster, die wegen einer Massenvermehrung der Nonne vor der Vernichtung von großen Waldflächen in der Region warnen, konnten ihn bisher nicht vom Noteinsatz gegen den Schädling überzeugen. „Ich bin in der Auseinandersetzung schlauer und radikaler geworden“, sagt er und schlägt dann doch versöhnliche Töne an: „Schon wenn die andere Seite aus der Auseinandersetzung den Schluss zieht, den Waldumbau zu verstärken, ist etwas erreicht.“

Tempels Kampf für seine Ameisen und für die Blau- und Kohlmeisen, die er mit Brutkästen in den Wald lockte, damit sie Baumschädlinge fressen, hat die Runde gemacht und lockt nun sogar Bundespolitiker an. Am Sonntag kommt Bundestagsabgeordneter Anton Hofreiter (Grüne) in den Tempelwald. Er freue sich, einen Vorreiter für den ökologischen Waldumbau in der Region kennenzulernen, sagt Hofreiter. „Ich will den Mund gar nicht so voll nehmen“, sagt Tempel und fügt hinzu: „Ich will nur zeigen, dass man auch in einem Wirtschaftswald ohne Gift auskommen kann. Die Natur hilft dabei – kostenfrei.“

Hofreiter fordert Transparenzoffensive

Der Landesforstbetrieb begründet den laufenden Insektizid-Einsatz mit einem Nonnen-Befall, der ausreiche, die betroffenen Wälder mehrfach kahl zu fressen.

Bundestagsabgeordneter Anton Hofreiter (Grüne) will sich am Sonntag vor Ort ein Bild machen.

Er fordert eine Transparenzoffensive: Die Fakten und Untersuchungen dazu müssten auf den Tisch. „Der Nonnenbefall sollte Mahnung sein, den Waldumbau nicht weiter zu verschleppen, um Artenvielfalt und stabile Wälder zu bekommen“, sagte er.

Von Jens Steglich

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