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Beelitz Wo Napoleon August den Starken trifft
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Wo Napoleon August den Starken trifft
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21:28 20.05.2019
Beim Beelitzer Vorderlader-Kanonenschießen stehen die Preußen und Sachsen friedlich nebeneinander. Quelle: J. Steglich
Beelitz

Sie haben fast alle passenden Promis aus alten Zeiten aufzubieten, die heutzutage noch zu bekommen sind. Wenn am Freitag die 20. Beelitzer Meisterschaften im Vorderlader-Kanonenschießen beginnen, wird es auch ein einmaliges Zusammentreffen berühmter historischer Figuren geben. „Napoleon kommt mit seinem Außenminister, der Alte Fritz und Albrecht von Wallenstein werden auch da sein und August der Starke reist mit sechs Mann im Gefolge an“, sagt Werner Höfchen, einer der Organisatoren des Spektakels, der noch hinzufügt: „Ich habe gestern August den Starken angerufen, ob er auch Gräfin Cosel noch mitbringt.“ Und was hat der Sachsenkönig gesagt? „Die Gräfin ist unpässlich.“ Egal, Beelitz hat dafür eine Spargelkönigin, die am Freitag mit Napoleon, dem Altem Fritz und August dem Starken in der Kutsche sitzen wird, die eine Runde durch Beelitz dreht.

Ganz zu schweigen von den 25  Artilleriemannschaften aus der ganzen Republik, die in der Spargelstadt ihre Biwaks auf der Festwiese an der Nieplitz aufschlagen werden. Dort haben die ersten Arbeiten zur Neugestaltung des Geländes für die Landesgartenschau 2022 bereits begonnen. Höfchen, selbst ein Freizeit-Kanonier, nimmt es mit Humor: „Wir haben die Festwiese so realistisch wie möglich umgestaltet. Sie sieht aus wie ein Schlachtfeld“, sagt er.

Versöhnung am Kanonenrohr: Werner Höfchen (l.) in der Uniform der amerikanischen Nordstaaten und Detlef Komm trägt Südstaaten-Uniform. Als Freie Kanoniere aus Beelitz gewannen sie gemeinsam 2016 die Beelitzer Meisterschaften und schlugen damals sogar den Europameister. Quelle: Jens Steglich

Am Samstag, wenn August der Starke, der mit bürgerlichen Namen Uwe Müller heißt, wegen dringender Termine in der Heimat schon wieder aufbrechen muss, geht es bei der Vorderlader-Meisterschaft erst richtig los – beim Wertungsschießen auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin. Es ist sozusagen das letzte Gefecht. Es wird kein 21.  Kanonenschießen geben. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt Höfchen. Es fehlt den Beelitzer Freizeit-Kanonieren der Nachwuchs, der die Fahne hochhält und mithilft. Die alten Kanoniere wollen es mit dem Jubiläumsschießen ausklingen lassen, weil der Organisationsaufwand jedes Jahr groß ist. „Einer ist ganz traurig, der weint schon seit Wochen“, sagt Höfchen. Detlef Komm, Höfchens Partner an der Kanone, die sie „Phoeni“ getauft haben, will noch nicht richtig glauben, dass es die letzten Meisterschaften sein sollen. Einen kleinen Nachschlag wird es auch geben – 2022 zur Landesgartenschau in Beelitz. Die Stadt hat in dem Jahr den Zuschlag fürs 10. Landesböllertreffen bekommen, bei dem aber nicht scharf auf Wertungsscheiben geschossen wird.

Trotzdem: Am Samstag, wenn die Kanoniere vom Lehniner Truppenübungsplatz ins Biwak zurückkehren und am Lagerfeuer sitzen, wird Wehmut im Spiel sein. Dann werden sie bei Bier und Likör an der Nieplitz noch einmal die besten Geschichten vom Beelitzer Kanonenschießen erzählen.

Nach der Hitzeschlacht im Juni 2018 haben diese drei Kanoniere im Biwak-Lager in Beelitz ihren Tisch kurzerhand in die Nieplitz gestellt und dort ihr Bierchen getrunken. Quelle: Privat

Angefangen hat alles in den 1990er Jahren, als sich der Beelitzer Carneval-Club (BCC) eine Kanone anschaffte und sie „Donnerschlag“ taufte. „Den Floh hat uns damals der Carneval-Club aus der Partnerstadt Ratingen ins Ohr gesetzt“, sagt BCC-Ehrenpräsident Gerd Nöthe. Wenn man schon mal eine Kanone hat, will man auch damit schießen. So kam es, dass 1996 die erste Vorderlader-Meisterschaft in Beelitz stattfand, die später auch Europameister aus diesem Metier anzog.

Trotz starker Konkurrenz haben die Beelitzer den Siegerpokal zwei Mal gewonnen – einmal der BCC und einmal die Freien Kanoniere Beelitz, die damit gezeigt haben, dass frühere Bürgerkriegsfeinde am besten Frieden schließen, wenn sie erfolgreich sein wollen. 2016 gewannen sie den Wettbewerb – Werner Höfchen als Sergeant Major der amerikanischen Nordstaaten und Detlef Komm in der Südstaaten-Uniform. Am Lagerfeuer können sie noch erzählen, wie sie nach einem Wertungsschießen verblüfft auf ihre Ringscheibe schauten. Fünf Kugeln hatten sie abgefeuert und sechs Mal getroffen. Das große Loch haben die Nachbar-Kanoniere gerissen: Sie hatten auf die falsche Scheibe gezielt.

Zur 20. Auflage gibt es besonders große Pokale zu gewinnen. Und zur Siegerehrung wird jeder geehrt – mit seiner ganz eigenen Hymne. Der Älteste im Feld aus Fresdorf bekommt zum Beispiel zu hören: „Ja lebt denn der alte Holzmichel noch?“ Wahrscheinlich werden sie dann alle rufen: „Ja, er lebt noch.“ Und wenn Lothar Breitner aus Düsseldorf, der bei allen 20 Meisterschaften dabei war, nach vorn gerufen wird, spielen sie für ihn einen Schlager: „Ach wärst du doch in Düsseldorf geblieben.“

20. Vorderlader-Kanonenschießen – Auszüge aus dem Programm

Freitag, 24. Mai: 18 Uhr Kutschfahrt durch Beelitz – mit Napoleon, Altem Fritz, August d. Starken, Spargelkönigin und Beelitzer Bürgermeister. Ab 19 Uhr Einmarsch aller Kanoniere und Böllern auf der Festwiese am Freibad.

Samstag, 25. Mai: 11 bis 13 Uhr Wertungsschießen auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. Ab 13 Uhr Spaßschießen unter anderem auf Wasserfässer. Nach dem Gruppenfoto Rückkehr ins Biwak-Lager nach Beelitz. 15 bis 18 Uhr Laserschießen für Jung und Alt mit der Schützengilde Beelitz am Freibad. Ab 18.30 Uhr Siegerehrung, Showprogramm im Festzelt, Disko, Biwak mit Lagerfeuer und Feuerwerk.

Sonntag, 10 Uhr: Frühshoppen , danach Biwak-Auflösung und Rückreise.

Von Jens Steglich

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