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Beelitz Kreis verkauft Heizkraftwerk in Heilstätten
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Kreis verkauft Heizkraftwerk in Heilstätten
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01:16 28.06.2019
Das Heizkraftwerk Süd gehört zu den imposantesten Erscheinungen in Beelitz-Heilstätten. Der Investor, der es kaufen will, plant eine Nutzung als Energiezentrale. Quelle: Christel Köster
Beelitz-Heilstätten

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark will sich von seinem imposantesten Gebäude in Beelitz-Heilstätten trennen und das Heizkraftwerk Süd verkaufen. Das hat eine knappe Mehrheit der Kreistagsabgeordneten jüngst hinter verschlossenen Türen beschlossen. Dem Vernehmen nach soll das Heizkraftwerk, das einst zu den modernsten seiner Zeit gehörte, inklusive eines 2300 Meter großen Grundstücks für insgesamt 930.000 Euro veräußert werden.

Käufer ist nach MAZ-Informationen die Refugium Beelitz Quadrant C Grundstücksgesellschaft mbH, die zur Berliner Immobiliengesellschaft KW-Development von Investor Jan Kretzschmar gehört. Er entwickelt im sogenannten Quadranten C in Beelitz-Heilstätten ein neues Wohn- und Geschäftsviertel. Das Heizkraftwerk Süd liegt mitten in diesem Gebiet. Der Kreis hat es an den Förderverein „Heiz-Kraft-Werk Beelitz-Heilstätten“ vermietet, der sich seit 23 Jahren um den Erhalt des technischen Denkmals bemüht und regelmäßig Führungen anbietet.

Der Kauf soll noch im Sommer über die Bühne gehen

Die Gesellschaft des Heilstätten-Investors bestätigte am Dienstag auf Nachfrage, dass sie das Heizkraftwerk Süd kaufen will. „Der Kauf soll noch im Sommer über die Bühne gehen“, sagte David Eckel von der Eckel Public Relations, die die Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmen übernommen hat.

Die designierten Käufer haben Großes mit dem altehrwürdigen technischen Denkmal vor. Sie wollen an alte Zeiten anknüpfen und in dem Kraftwerk die neue Energiezentrale für das künftige Wohn- und Geschäftsquartier in Beelitz-Heilstätten einrichten. Blockheizkraftwerke sollen in das bestehende Gebäude integriert werden, sagte Projekt-Sprecher David Eckel. Angestrebt werde eine Fortsetzung der historischen Energieversorgung mit modernen Mitteln. Eckel verweist auf die umweltfreundliche Methode, mit der einst in dem Heizkraftwerk Wärme und Strom erzeugt wurde.

Die Erbauer des Öko-Heizkraftwerkes aus Urgroßvaters Zeiten setzten einst auf die Kraft-Wärmekopplung, bei der mit dem Einsatz eines Brennstoffes zwei Produkte entstehen – Strom und Wärme. Ganz Beelitz-Heilstätten mit seinen 60 Gebäuden wurde so damals von dieser Stelle aus beheizt und mit Strom versorgt.

Kamera-Blick in die Maschinenhalle des Heizkraftwerkes Süd in Beelitz-Heilstätten. Es gilt als Zeugnis besonderer Ingenieurskunst. Quelle: Christel Köster

Und was wird aus dem Förderverein, der regelmäßig Führungen für Besucher im Kraftwerk anbietet? „Die Idee ist, dass das Museum erhalten bleibt und weiter durch den Verein betrieben wird“, sagte Eckel. Für das gesamte Vorhaben inklusive des Plans, im Heizkraftwerk Süd die Energiezentrale fürs neue Wohn- und Geschäftsviertel zu etablieren, ist laut Eckel der Bauantrag bereits vorbereitet worden und soll demnächst gestellt werden. Über den Zeitpunkt eines Baubeginns könne man derzeit keine Aussagen treffen. Das hänge von der Baugenehmigung ab, hieß es.

Der Förderverein unterstützt den Plan

Fördervereinsvorsitzende Elke Seidel, die für die Grünen auch im Kreistag sitzt, wollte zum Verkaufsbeschluss von Potsdam-Mittelmarks Kreisvertretung mit dem Verweis auf die nichtöffentliche Sitzung keine Auskunft geben. Auf MAZ-Nachfrage zu den Plänen des Investors zeigte sie sich aber erfreut über das von ihm angestrebte Konzept. „Der Förderverein unterstützt diese Intention voll und mit all seinen Kräften“, sagte sie.

Der Plan des Investors ähnelt Seidels Vision, die mit ihren Mitstreitern schon länger darum kämpft, das gut begehbare technische Denkmal als Geschichtsort von Beelitz-Heilstätten und zugleich als Energiezentrale zu nutzen. „Das Herz von Heilstätten muss wieder schlagen“, hatte sie jüngst der MAZ gesagt. Für sie ist das Heizkraftwerk genau der richtige Platz, um die große Geschichte und die kleinen Geschichten über die Beelitzer Heilstätten anschaulich zu machen und zu erzählen.

Nächste Führung am 28. Juni

Der Förderverein „Heiz-Kraft-Werk Beelitz-Heilstätten“ bietet von April bis September Führungen durch das technische Denkmal an.

Sie finden immer am letzten Freitag des Monats statt, das nächste Mal am 28. Juni um 14 Uhr. Treffpunkt ist im Innenhof des Heizwerks. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Den Förderverein gibt es seit 23 Jahren. Höhepunkt der Saison ist der Tag des offenen Denkmals – in diesem Jahr am 8. September.

An dem Tag erfährt der Besucher nicht nur etwas über die Technik die Geschichte des Heizkraftwerkes. Besucher können dann auch die Jauersche Wurst kosten und kaufen. Sie war einst die meist produzierte Wurst in Beelitz-Heilstätten und besonders fetthaltig, damit die abgemagerten Patienten zunahmen.

Das alte Rezept hat ein Landfleischer aus Salzbrunn wiederentdeckt. Der Förderverein bietet die Wurst – nicht mehr so fettig wie damals – immer zum Tag des offenen Denkmals an.

Von Jens Steglich

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