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Beelitz Neue Grünbrücke bei Beelitz noch nicht freigegeben – doch schon oft genutzt
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22:41 21.11.2019
Bert fühlt sich offenbar in der Nuthe-Nieplitz-Region wohl. Der Elch lief auch schon über die Grünbrücke und kehrte zurück. Peter Koch vom Landschaftsförderverein hat ihn bereits mehrfach fotografiert. Quelle: Peter Koch
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Beelitz

Offiziell ist sie noch gar nicht freigegeben und doch wird sie schon rege genutzt – von Igel, Reh und Co., vom Wolf und von Bert, dem Elch, der offenbar in der Region dauerhaft heimisch geworden ist. Die neue Grünbrücke über die A 9 bei Beelitz, die bis Ende 2018 in zweijähriger Bauzeit errichtet wurde, ist noch nicht bepflanzt und deshalb offiziell noch nicht abgenommen, wie es im Fachjargon der Ingenieure heißt. Die Tiere stört das wenig, zumal die Natur die Bepflanzung der Brücke zum Teil schon selbst erledigt hat.

Wildschweine, Reh- und Damwild, Fuchs, Baummarder und Wölfe haben auf der 50 bis 62 Meter breiten Brücke über die Autobahn schon ihre Spuren hinterlassen, weiß Förster Martin Schmitt, der für den Beelitzer Stadtwald zuständig ist. Der Stadtwald umgibt die neue Wildbrücke. Sicher ist auch: Kleinsäuger wie Mäuse und Igel sind auch schon über den Überweg gelaufen, der optisch wie ein mit Gras bewachsener Hügel wirkt und zwei wichtige Aufgaben zu erfüllen hat. „Die Grünbrücke wird gebraucht, um Naturräume zu vernetzen und um Unfälle zu verhindern“, sagt der Förster.

Die neue Grünbrücke führt bei Beelitz über Autobahn 9. Tiere nutzen den Überweg schon, auch die Graffiti-Sprayer waren bereits da. Quelle: Jens Steglich

Autobahnen zerschneiden in flachen Ländern wie Brandenburg Landschaft und Lebensräume der Tiere und behindern damit auch den Austausch in den Wildpopulationen, was zu einer genetischen Verarmung führt. Im speziellen Fall der neuen A-9-Wildbrücke geht es um die Verknüpfung des Wildkorridors Südbrandenburg, der sich von Sachsen-Anhalt bis nach Polen erstreckt.

Der Elch hält sich gern in der Nähe von Kuhherden auf

Von dort, von Polen, ist auch Bert, der Elch eingewandert. Er ist schon eine Weile in der Nuthe-Nieplitz-Region unterwegs. „Er scheint sich dort wohl zu fühlen“, sagt der Förster. Bert sucht ab und an auch Gesellschaft und hält sich dann gern in der Nähe von Kuhherden auf.

Spurensucher: Förster Martin Schmitt mit seinem Hund auf der Grünbrücke. Sie soll im Frühjahr 2020 noch bepflanzt werden. Die Natur hat einen Teil der Bepflanzung schon selbst erledigt. Quelle: Jens Steglich

Das alles weiß man so genau, weil der Elch seit einiger Zeit einen Sender trägt. Der Sender hat auch angezeigt, dass Bert bereits über die neue Grünbrücke gelaufen ist. „Er hat mal drüben geguckt, ist dann aber wieder umgekehrt. Er muss wohl gemerkt haben, dass er in der Nuthe-Nieplitz-Region im Bereich Dobbrikow besser aufgehoben ist“, so Schmitt. Die Gegend, die zwei Flüsse im Namen trägt, ist einfach wasserreicher als der „Beelitzer Sander“. Elche brauchen Wasser, sagt der Förster.

Lesen Sie hier, was der ausgelesene GPS-Sender über Elch Bert verrät.

In den vergangenen Jahrzehnten sind Elche hierzulande nur durchgewandert. Bert aber ist schon lange da und will offenbar bleiben. Auch eine Elchkuh mit Kalb soll eingewandert sein. „Die Wildökologen sind schon gespannt darauf, wenn die beiden auf Bert treffen“, sagt der Förster. Schmitt geht davon aus, dass der Elch die nächste Wildtierart sein wird, die zurückkehrt. Er würde sogar darauf wetten: „In fünf Jahren werden die ersten jungen Elche hier geboren und der Elch wird wieder heimisch.“

Kein Zweifel: Reh- und Damwild waren schon da. An den Hinterlassenschaften und Fährtenspuren erkennt der Förster, welche Tiere die Brücke schon nutzen. Später werden Kameras festhalten, wer drüber läuft. Quelle: Jens Steglich

Wahrscheinlich können Wildökologen dann in ihre Bücher schreiben: Bert war der Pionier, also der erste Elch seit langer Zeit, der einfach geblieben ist. Ob die Rückkehr der Elche für den heimischen Wald gut ist, ist eine andere Frage.

Ob sich in Brandenburg wieder Elche ansiedeln, lesen Sie hier.

Dass die für 4,6 Millionen Euro gebaute Grünbrücke ihren Zweck erfüllen wird, da ist sich der Förster sicher. Er widerspricht allen, die das Bauwerk für Hirsch, Hase und Co. für Geldverschwendung halten und plädiert für eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die alle Kosten einbezieht. „Es geht auch darum, schwere Wildunfälle auf der Autobahn zu verhindern. Schon wenn fünf solche Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kommen, Rettungshubschrauber nötig sind und Staus entstehen, verhindert werden können, hat man das Geld für die Grünbrücke wieder rein.“

Erste Nutzerzahlen für die Brücke wird es wohl Ende 2020 geben

Kritikern, die eine Weiterverbreitung des Wolfes befürchten, erwidert er: „Wölfe haben sich schon verbreitet, als es Grünbrücken hier noch nicht gab. Sie sind intelligent genug, um andere vom Mensch geschaffene Möglichkeiten für die Autobahnüberquerung zu nutzen.“ Zum Beispiel die Radwegbrücke, die am Potsdamer Dreieck über die A 9 führt. Zahlen, wie viele Wildtiere die neue Grünbrücke so überqueren, gibt es noch nicht. Kameras, die das festhalten, werden gerade installiert.

Ende 2020 wird man wohl erste Daten haben, die in der Forschungsstelle für Wildökologie beim Brandenburger Landesforstbetrieb ausgewertet werden. Die Nutzerzahlen für die Grünbrücke werden im Laufe der ersten Zeit steigen, sagt der Förster. Tiere sind schließlich vorsichtige Wesen, die aber irgendwann merken: An der Stelle kommt man sicher auf die andere Seite.

Bepflanzung der Brücke erfolgt im Frühjahr 2020

Die Grünbrücke, die bei Beelitz über die A 9 führt, kostete etwa 4,6 Millionen Euro und wurde vom Bund über das Programm zur Wiedervernetzung von Lebensräumen finanziert.

Sie ist 50 bis 60 Meter breit. Verbaut wurden etwa 470 Tonnen Stahl, 7000 Kubikmeter Stahlbeton und 40 000 Kubikmeter Boden. Gebaut wurde von August 2016 bis September 2018. Die Bepflanzung soll im Frühjahr 2020 erfolgen. Erst dann kann die Komplettleistung abgenommen werden, teilte der Landesstraßenbetrieb mit.

Von Jens Steglich

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