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Beelitz Projekttheater Dresden präsentiert AfD-kritische Inszenierung in Beelitz
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Projekttheater Dresden präsentiert AfD-kritische Inszenierung in Beelitz
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16:45 05.12.2019
Ursula Schucht (im Schweinwerferlicht), Anna Tarkhanova (3.v.l), Martin Doering (l.) und Olaf Hörbe (r.) spielen in der Inszenierung namenlose Figuren, die die Zuschauer in geballter Form mit der Sprache der AfD konfrontieren. Quelle: Fabian Lamster
Beelitz

Ursula Schucht, Anna Tarkhanova, Olaf Hörbe und Martin Doering sitzen auf Stühlen nebeneinander. Die Theaterschauspieler halten Karteikarten in den Händen. Chemnitz, Döbeln, Dresden, Schkeuditz, Freital: Nacheinander lesen sie Daten und Tatorte von fremdenfeindlichen Übergriffen in Sachsen vor. Mal wurde eine Flüchtlingsunterkunft in Brand gesteckt, ein andermal Geflüchtete bedroht, attackiert, gejagt. Auch in Brandenburg hat es 2018 Dutzende ähnlicher Übergriffe gegeben, ist rechte Gewalt ein Problem. Hunderte Karteikarten lassen die Schauspieler nach dem Vorlesen auf der Bühne fallen, die sich im Scheinwerferlicht stapeln.

Das Projekttheater Dresden, das mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brandenburg unterwegs ist, hat am Dienstagabend im Deutschen Haus in Beelitz die Inszenierung „Aufspüren – Jagen – Entsorgen: Die Sprache der neuen Rechten“ präsentiert.

In der rund einstündigen Aufführung stand die Sprache von Politikern der Alternative für Deutschland (AfD) im Mittelpunkt – und wie diese Menschen beeinflussen kann.

Grotesker Moment auf Beelitzer Bühne

Um das zu verdeutlichen, hatte das Theaterensemble jede Menge Beispiele mitgebracht: Während die vier Schauspieler anfangs aus dem AfD-Grundsatzprogramm vorlesen und sie Andre Obermüller mit lang gezogenen Gitarrenriffs dabei begleitet, kommen später Sätze aus Interviews und Reden vor.

Und auch, wenn keine Namen von AfD-Politikern genannt werden, erkennen Zuschauer Sätze wie „Wir werden sie jagen“ oder „Die Menschen wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“ wieder.

Einen kuriosen Moment gibt es, als das Thema Asylpolitik zur Sprache kommt und auf der Bühne eine groteske Überzeichnung erfährt: Nacheinander stellen die Schauspieler wie in einer Reiseverkaufssendung im Fernsehen zu karibischen Klängen das Mittelmeer als Idyll vor. Ein Gewässer, in dem in den vergangenen Jahren Tausende Asylsuchende und Geflüchtete ertrunken sind.

Schauspieler lassen Zuschauer zusammenzucken

Auch Hasskommentare aus dem Internet kommen vor. Anna Tarkhanova spricht in ihrer Rolle über Vergewaltigungen von deutschen Frauen, redet sich in Rage und brüllt diese letztlich. In den Pausen zwischen ihren Sätzen kommentieren ihre Bühnenkollegen mit „Ich bin doch kein Nazi“ und „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“

Während die vier Schauspieler zu Beginn auf ihren Stühlen noch am hinteren Ende der Bühne sitzen und aus dem AfD-Grundsatzprogramm vorlesen, stehen die Stühle am Ende am Bühnenrand Richtung Zuschauer.

Zeitungsausschnitte, Karteikarten mit Tatorten und Seiten des ausgedruckten Grundsatzprogramms fluten im Laufe der Inszenierung die Bühne.

Dann, wenn die Schauspieler Sätze von AfD-Politikern singen, schreien und dazu wie Soldaten stampfen, wirken sie wie wie eine Bedrohung. Einige Zuschauer zucken zusammen, als die vier Schauspieler bei schrillen Gitarrenklängen ihre Stühle in Richtung Zuschauer zu werfen andeuten.

Nach der Inszenierung blieben in Beelitz noch einige Zuschauer zur Diskussion mit Regisseur Arne Retzlaff, den Schauspielern Olaf Hörbe und Ursula Schucht sowie Andre Obermüller, der die Inszenierung musikalisch begleitete. Quelle: Fabian Lamster

Vorsicht bei AfD-Kritik geboten

„Ich fühle mich gefährdet“, erzählt Regisseur Arne Retzlaff im Nachgespräch mit dem Publikum. Dabei habe ihn insbesondere ein Klassentreffen in Freital für ein Theaterstück zur Sprache von AfD-Politikern motiviert: „Als ich erzählte, dass ich mit einer Kubanerin verheiratet bin, merkte ich, wie die Stimmung kippte. Auch, dass ein Mann seinen Hund auf eine Kollegin von mir aus Brasilien gehetzt hat, machte mich sprachlos.“

Dem Dresdner Ensemble sei bei den bisherigen Aufführungen in Schulen und auf Theaterbühnen nichts passiert. Dennoch bleiben sie vorsichtig: „Das Ensemble des Kölner Nö-Theaters führt seine AfD-kritische Inszenierung nur mit Personenschutz auf“, sagt Regisseur Arne Retzlaff.

Deutschlandweite Auftritte

Das Projekttheater Dresden ist seit der Premiere im September 2018 mit „Aufspüren – Jagen – Entsorgen: Die Sprache der neuen Rechten“ nicht nur in Sachsen und Brandenburg, sondern auch in Sachsen-Anhalt, Bayern und Baden-Württemberg aufgetreten.

In Brandenburg war die Inszenierung neben Beelitz bereits in Kleinmachnow, Lehnin und Potsdam zu sehen.

Weitere Aufführungen in 2020 sind geplant. Bisher stehen lediglich mehrere Aufführungen in Dresden fest: am 10., 11. und 12. Januar, 7., 8. und 9. Februar sowie am 27. Februar.

Beelitzer Publikum wünscht sich Fortsetzung

Auch im Deutschen Haus in Beelitz bleibt es beim Gastspiel ruhig. Es entsteht eine muntere Diskussion, wenn Zuschauer mit dem Regisseur über Heinrich Heines „Ein Wintermärchen“ in der Inszenierung sprechen oder eine Zuschauerin die AfD als „Meister der Sprachungenauigkeit“ bezeichnet.

Manche wünschen sich eine Fortsetzung der Inszenierung in den kommenden Jahren. Eine 18-Jährige spricht ihr persönliches Fazit nach der Inszenierung aus: „Übergriffe auf Migranten und Geflüchtete hat es schon vor 20 Jahren gegeben. Was damals passiert ist, können wir nicht mehr ändern. Doch was in Zukunft passiert, darf uns nicht kalt lassen.“

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Von Fabian Lamster

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