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Beelitz Seit 40 Jahren am Rohr
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Seit 40 Jahren am Rohr
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02:20 12.04.2018
Installateurmeister Thomas Göde schwärmt von seinem Beruf als einen vielseitigen und abwechslungsreichen Job. Quelle: Heinz Helwig
Beelitz

„Der Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima ist ein sehr moderner und vielfältiger Beruf. Er bietet verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten, beispielsweise zum Vorarbeiter, Kundendienst-Techniker, Bauleiter, Meister oder Ingenieur“, schwärmt Installateurmeister Thomas Göde in Beelitz. Auf Ausbildungsmessen und an Schulen wirbt das Vorstandsmitglied der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klempner- und Klimatechnik Potsdam für den Berufsnachwuchs. Doch es ist nicht so leicht, neue Arbeitskräfte zu gewinnen, seufzt Göde. Die meisten jungen Leute wollen lieber studieren. „Ich würde meine Firma gern erweitern. Dazu brauche ich aber den Anlagenmechaniker, den Kundendienst-Techniker, Auszubildende und einen Bauleiter.“ Gödes Innungsmeisterbetrieb bildet derzeit drei Lehrlinge aus. Die Belegschaft feierte jetzt das 40-jährige Bestehen ihrer Firma.

Ein Kleines Erinnerungsgeschenk an den runden Geburtstag des Unternehmens: Der knieende Installateur, der ein Waschbecken anbringt. Quelle: Heinz Helwig

Thomas Göde wollte schon immer Installateur werden. Bereits als Schulkind lief er nach dem Unterricht zu seinem Großvater Emil Göde in die Werkstatt, um ihm bei der Arbeit zuzusehen. „Das hat mich jedes Mal fasziniert, wie abwechslungsreich alles war“, erinnert sich der 52-Jährige. Auch Vater Wolfgang Göde nahm später seinen Sohn häufig zu Kunden und auf die Baustellen mit. Opa Göde hatte die Werkstatt von der Firma Bölke übernommen. Nach etwa zehn Jahren war allerdings Schluss. 1973 setzte in der DDR eine Welle der „Entprivatisierung“ ein, wie es damals hieß. Großvater Gödes Betrieb wurde ein Bereich Sanitär/Heizung der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV). Emil Göde gab seinen Beruf auf. Sohn Wolfgang wurde als Meister in den KWV-Bereich übernommen.

Etwa vier Jahre später lockerte die DDR ihr Privatisierungsverbot und ließ wieder einige selbstständige Kleinunternehmen zu. Die staatlichen Betriebe vermochten den anfallenden Bedarf an Dienstleistungen und Reparaturen nicht vollständig zu bewältigen. Wolfgang Göde wechselte 1977 ins Sanitär- und Heizungsunternehmen von Joachim Wiemann in Seddin. Nach einem Jahr hielt er seinen eigenen Gewerbebrief in den Händen und gründete am 15. Februar 1978 die heutige Göde & Sohn GmbH.

Kreisbauamt gab Aufträge vor

Um Aufträge musste sich Wolfgang Göde nicht sorgen. Das damalige Kreisbauamt gab genau vor, worum sich der Installateurmeister zu kümmern hatte. Bei Arbeiten für die Nationale Volksarmee (NVA) war auch das Material immer da, wenngleich es stark kontingentiert war. Was über die staatliche Auftragsliste hinaus an Arbeiten anfiel, konnte der Betrieb nach eigenem Ermessen übernehmen. Dann musste er sich allerdings das Material selbst besorgen. „Wir sind in der ganzen DDR herumgefahren und haben dabei auch viel getauscht. Schließlich brauchte jeder mal was von jedem“, schildert Thomas Göde, der 1982 seine Ausbildung in dem elterlichen Betrieb absolvierte, die „Geschäftsbeziehungen“ zur damaligen Zeit.

Das Kreisbauamt legte auch fest, wo Wolfgang Göde seinen Firmensitz eröffnen durfte. Rund um Wittbrietzen gab es für die Behörde wohl den größten Bedarf an seinen Dienstleistungen. So pendelte der Installateurmeister gut acht Jahre lang zwischen der AWG-Wohnung in Beelitz und einer ehemaligen Schmiede im heutigen Ortsteil Wittbrietzen hin und her. Als sich die Familie 1982 ein Haus in Beelitz kaufte, baute sie dort in Eigenleistung den neuen Standort ihrer Firma auf.

Wendejahre waren besonders hart

Die Wendejahre waren für Thomas Göde eine besonders harte Zeit. Der Vater bekam schwere gesundheitliche Probleme. Einige Monteure gingen nach dem Mauerfall lieber nach Berlin arbeiten, wo sie mehr Geld verdienten. Um den Betrieb zu retten, gründeten Vater Wolfgang und Sohn Thomas in den 1990-er Jahren schnell eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Sie wurde zur Jahrtausendwende in eine GmbH überführt. Thomas Göde hatte gleich 1990 eine Meisterausbildung begonnen. „Ich war froh, als die Wende kam. Doch zugleich brach viel Neues über mich herein.“ Mit bislang unbekannten Materialien und ebensolchen Verfahren musste sich Göde plötzlich beschäftigen. In der DDR waren die Aufträge für die Firma sicher. Nun musste er sich auf dem freien Markt selbst Arbeit suchen.

Installateurmeister Wolfgang Göde gründete am 15. Februar 1978 den heutigen Familienbetrieb. Sein Sohn Thomas führt das Handwerk in dritter Generation fort. Quelle: Repro: Heinz Helwig

Mitte der 1990-er Jahre stabilisierte sich der Betrieb wieder. Sechs Gesellen fahren heute mit den drei Auszubildenden täglich auf die Baustellen beziehungsweise zu privaten Kunden. Etwa rund 50 Kilometer in und um Beelitz herum sind die auffällig lackierten Firmenautos mit der hübschen Dame in der Badewanne an den Seitenfronten im Einsatz. Gödes Installateure haben das Gelände des Barfußparks sowie des Baumkronenpfades in Beelitz-Heilstätten erschlossen und das Haus des einstigen Hotels Wehner an der großen Kreuzung in der Stadt mit saniert. Auch gesellschaftlich engagiert sich der Unternehmer für seine Stadt. Der Betrieb sponsert die Ü-50-Mannschaft der Sportgemeinschaft Blau Weiß Beelitz.

„Solange ich gesund bleibe, will ich den Betrieb leiten“, hat sich Thomas Göde vorgenommen. Um seine Nachfolge muss er sich aber nicht sorgen. Seine Tochter Irina, die eine kaufmännische Ausbildung hat, und sein angehender Schwiegersohn Kevin, der ebenfalls im Unternehmen mitarbeitet, könnten eines Tages die Firma weiterführen.

Firma arbeitet meist für Privatkunden

Die Auftraggeber der Firma sind überwiegend private Kunden.

Die Einsatzortes des Betriebes befinden sich in der Region Beelitz, in Potsdam sowie in Bad Belzig und dem Fläming.

Die Ausbildung zum Anlagenmonteur dauert dreieinhalb Jahre.

Die Wartezeiten von der Auftragserteilung bis zur Ausführung betragen bei umfangereicheren Vorhaben zwischen acht und zehn Wochen.

Von Heinz Helwig