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Beelitz Skispringen in den Geltower Bergen
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Skispringen in den Geltower Bergen
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20:34 05.12.2019
Ein Skispringer läuft die Schanze in Geltow hoch. Der Anlaufturm hatte eine Höhe von elf Metern, der Höhenunterschied zwischen Auslauf bis Anlaufhöhe betrug 45 Meter. Quelle: Sammlung Heimatverein Geltow
Potsdam-Mittelmark

Junge Mittelmärker, die Schnee im Winter nur noch selten und dann auch nur für kurze Zeit zu Gesicht bekommen, mögen es kaum glauben, aber es stimmt: In ihrer Heimatregion haben die Leute früher Meisterschaften im Skilanglauf, in der Nordischen Kombination und im Abfahrtslauf ausgetragen. Und einige flogen als Skispringer sogar von einer richtigen Schanze.

Die Geschichte über begeisterte Wintersportler, die sich um 1950 dem Skilanglauf verschrieben und 1958/59 die ausgefallene Idee umsetzten, in Geltow – im Wildpark am Westhang des Schäfereiberges – eine Sprungschanze zu bauen, gehört zu den Überraschungen im neuen Heimatkalender für Potsdam-Mittelmark. Das Werk für 2020, herausgegeben von der mittelmärkischen Chronistenvereinigung, ist gerade erschienen und kann in rund 100 verschiedenen Verkaufsstellen im ganzen Landkreis gekauft werden – in klassischen Buchläden, in Geschäften oder auch beim Bäcker, wie in Wildenbruch.

Die Zuschauer an der Schanze forderten Zugabe

Der Wintersport hat es sogar auf den Titel des Heimatkalenders geschafft. Verfasst hat dieses Kapitel Heimatgeschichte der Geltower Heinz Ofcsarik. „Das Skispringen in den Geltower Bergen war für die Umgebung schon eine kleine Sensation, denn die meisten Zuschauer hatten zu dieser Zeit noch keinen Sprunglauf in natura gesehen“, schreibt er. „Die Begeisterung war so groß, dass meist eine Zugabe gefordert wurde“. Ofcsarik weiß auch, wer den Schanzenrekord aufstellte: Der ehemalige Riesengebirgler Karl Lorenz aus Kleinmachnow. Er sprang 29 Meter weit.

Es gehört zum Konzept des Heimatkalenders, „dass Leute im Fläming auch kennenlernen sollen, was in der Teltow-Region so los war“, sagt Chris Rappaport von der Chronistenvereinigung. „Ich bin stolz, dass wir auch zum ehemaligen Altkreis Teltow etwas im Buch drin haben, der früher bis ins heutige Berlin hineinreichte“, sagt er.

Ein Buch von dem wiederentdeckten Heimatforscher Hermann Thomas, der in Fresdorf wirkte. Quelle: privat

Den Heimatforschern, die vor drei Jahren die alte Tradition der Heimatkalender wieder aufleben ließen, gehe es darum, den Leuten ihre Heimat vertraut zu machen und Ortsgeschichte zu bewahren. Im neuen Buch lernt der Mittelmärker zum Beispiel auch Fresdorfs Fontane kennen und er erfährt etwas über die verschwundenen Dörfer, die auf Landkarten aus der Zeit um 1200 für die Nieplitzlandschaft um Beelitz und Treuenbrietzen noch zahlreich zu finden waren. Sie hießen zum Beispiel Kunersdorf, Markendorf, Grenzel, Mertensdorf oder Budorf, weiß der Wittbrietzener Detlef Fechner. Er hat in seinem Beitrag verschiedene Ursachen für das „Dorfsterben“ in der Zeit zwischen 1280 und 1450 ausgemacht. Ein größerer Teil der verschwundenen Dörfer musste, „etwas salopp gesprochen, Geburtshilfe für den Prozess der Stadtwerdung von Beelitz und Treuenbrietzen leisten“, so Fechner.

Geschichten über Bären, Dachse, Ameisen und Weinbergschnecken

Eine andere Geschichte ist dem wiederentdeckten Heimatdichter Hermann Thomas gewidmet – Fresdorfs Fontane, wie ihn Manfred Albrecht nennt. Albrecht, der Autor dieses Kapitels, hat Hermann Thomas und dessen Werk vor gut zehn Jahren bei Recherchen zur Ortschronik selbst wiederentdeckt. Der Dichter und seine Bücher seien völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten“, sagt Albrecht und zitiert aus den liebevoll geschriebenen Tiergeschichten von Fresdorfs Fontane. Die Hauptrollen spielen bei ihm Bären, Dachse, Rehe, Weinbergschnecken, Ameisen, Wespen und Scharfauge, ein junger Storch, der gerade lernt, wie man die Libelle im Flug erhascht, den Frosch spießt und die Kreuzotter bearbeitet, bis sie nicht mehr beißen kann. „Ja, Scharfauge hat bald heraus, dass am Mauseloche vergeblich lauert, wer seinen Schatten darauf fallen lässt. Den hat man hübsch hinter sich zu lassen.“

Wiederentdecktes ist auch im Beitrag über Ziegeleien in Götz zu finden. „Die Fotos von der Ziegelei in den Götzer Bergen von 1945 stammen aus dem Nachlass eines Bäckermeisters. Er hatte sie damals für die Hochwasserversicherung gemacht“, erzählt Chris Rappaport. Hochwasser an der Havel? „Ja“, sagt er, „wenn es mal richtig regnet, besteht schon die Gefahr, dass die Datschensiedlungen zu nah am Wasser gebaut sind.

Heimatkalender haben Tradition

Im Heimatkalender sind 22 Geschichten enthalten. Zusätzlich gibt es einen Einleger mit Fotos aus „Kindheit und Jugend im Dorf“, die in Deetz wiederentdeckt wurden.

Heimatkalender haben eine lange Tradition, die nach der Wende 1990 wieder auflebte. Nach einer längeren Pause ab 2000 gibt die Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark seit drei Jahren den Heimatkalender heraus.

Preußenweit gab es Heimatkalender schon vor 300 Jahren, sagt Chris Rappaport: „Jeder Bauer sollte ein Buch haben, in dem alles drin steht, was an Terminen im Jahr so ansteht.“ Daher stamme der Begriff Kalender im „Heimatkalender“.

Von Jens Steglich

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