Tanzen als Therapie bei Parkinson
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Beelitz Das Schönste, was Füße tun können
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11:47 20.03.2020
Tanzen ist ein Sport für jedes Alter und gewinnt in der Parkinson-Therapie immer mehr an Bedeutung. Quelle: Pixabay
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Beelitz

Zittern, Steifheit, Unsicherheit beim Gehen, Gleichgewichtsstörungen: Hinter diesen Symptomen kann sich Parkinson verbergen, eine neurologische Erkrankung, die (noch) nicht heilbar und nicht aufhaltbar ist. Wer daran leidet, verliert schleichend die Kontrolle über seinen Körper – eine Angst, die auf vielen Betroffenen wie ein Alpdruck ruht. Bundesweit gibt es rund 450 000 Menschen, die mit Parkinson leben, die Tendenz ist aufgrund der demografischen Entwicklung rapide steigend. Neben der Behandlung mit Medikamenten und Hirnschrittmachern sind Bewegungstherapien ganz wichtig. Denn wer rastet, der rostet. Das trifft auf Parkinsonerkrankte ganz besonders zu.

Georg Ebersbach ist Facharzt für Neurologie und Chefarzt am Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson der Kliniken Beelitz. Quelle: Dietmar Gust

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Logopädie, Physio- und Ergotherapie begleiten seit langem die Behandlung. Ein weiterer Baustein gewinnt immer mehr an Bedeutung: das Tanzen. Seit einigen Jahren wird es auch am Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson der Kliniken Beelitz praktiziert. Einmal pro Woche lädt eine Tanztherapeutin zu Standardtänzen und Tango, also zu Paartänzen, ein. „Das kommt sehr gut bei den Patienten an“, sagt der Chefarzt der Klinik, Georg Ebersbach, „auch wenn die meisten am Anfang skeptisch sind und der Meinung, sie könnten nicht tanzen“. Sei aber die anfängliche Scheu überwunden, kämen die Patienten gern und häufig.

Studien belegen Effekte des Tanzens

Inzwischen sei wissenschaftlich sehr gut belegt, dass Tanzen die körperlichen Symptome bei Parkinson mildern kann, und zwar mindestens so effektiv wie andere Bewegungstherapien beziehungsweise Sportarten, so Georg Ebersbach. Als besonders wirkungsvoll hat sich der Tango Argentino erwiesen. Die amerikanische Neurowissenschaftlerin Gammon Earhart erforscht seit vielen Jahren den Tanz als Therapie für Menschen mit Parkinson. So hat sie herausgefunden, dass Tango den Gang und die Balance signifikant verbessert.

Beim Tango gleicht kein Tanz dem anderen, sondern entsteht spontan in der Hingabe an die Musik und an den Partner. Man muss sich sehr auf den Anderen einlassen, ganz bei ihm sein, um zu erspüren, was er will. Und zusammen gelingt, was sonst schwerfällt oder sogar Angst macht: lange Schritte, schnelle Schritte, auch der Wechsel von langen und kurzen sowie schnellen und langsamen Schritten, Gleichgewicht halten, Drehungen, sogar Rückwärtslaufen und die schönsten Figuren. Das stärkt nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch das Selbstbewusstsein.

Auch in den Selbsthilfegruppen wird getanzt

Auch in einigen der rund 30 Selbsthilfegruppen im Land Brandenburg wird getanzt. „Vom therapeutischen Tanzen bis hin zum Tango sind verschiedene Tanzformen vertreten“, wobei die Nachfrage nach Tango in letzter Zeit zugenommen habe, erklärt Torsten Römer, Vorsitzender der Landesgruppe Brandenburg der Deutschen Parkinson Vereinigung. In dem Verein sind aktuell 28 Selbsthilfegruppen mit rund 550 Mitgliedern organisiert, insgesamt gibt es in Brandenburg über 30 solcher Zusammenschlüsse.

Es sei „ganz wichtig, körperlich aktiv zu bleiben und sich zu bewegen“, sagt Torsten Römer, der seit über zwölf Jahren selbst mit der Diagnose Parkinson lebt. Die Selbsthilfegruppen seien dafür eine große Hilfe. „Sich unter Betroffenen, Angehörigen und Nichtbetroffenen auszutauschen, zu informieren, zu motivieren und zu helfen, ist der Weg, den wir gemeinsam gehen“, so der 53-Jährige. Welchen Sportarten in den einzelnen Gruppen nachgegangen werde, hänge von den Möglichkeiten und den Wünschen der Beteiligten ab.

„Therapie darf Spaß machen“

„Therapie darf Spaß machen“, sagt auch Georg Ebersbach, dies sei beim Tanzen besonders der Fall. „Das Problem ist nicht, dass es keine guten Bewegungstherapien gibt“, sagt Georg Ebersbach, „das Problem ist die Motivation“. Und die sei beim Tanzen viel höher als bei vielen anderen Bewegungstherapien. Denn Tanzen ist ein sozialer Akt, der viel mit Respekt für sich selbst und für den Partner zu tun hat. Die Gedanken gehen weg von einem selbst und den eigenen Beschränkungen, hin zur Musik und zum Miteinander. Hemmungen und Ängste machen einer Freude Platz – der Freude daran, sich dem Rhythmus und einem Menschen hinzugeben, so dass die Krankheit für Augenblicke vergessen ist.

Info Informationen zu den Selbsthilfegruppen im Land Brandenburg bei der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. Brandenburg

Von Maria Kröhnke

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