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Beelitz Wie zwei Pferde für den Waldumbau arbeiten
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Wie zwei Pferde für den Waldumbau arbeiten
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11:44 26.11.2019
Pflügen für den Waldumbau: Douke Eekman mit seinen Pferden Lilly und Margriet. Der Waldboden wird schonend aufgelockert, in den Furchen werden Laubbäume gepflanzt. Quelle: Jens Steglich
Mittelmark

Sie schonen den Boden, verbrauchen Heu und Hafer, statt Diesel. Sie machen auch keinen Lärm und hören aufs Wort – zumindest, wenn Douke Eekman es ausspricht. Lilly und Margriet, die beiden Kaltblut-Pferde, von denen die Rede ist, sind groß und stark und doch schaffen sie es, auch kleine Eichen am Erdboden im Blick zu behalten. Und wenn sie im Wald etwas hinterlassen, dann ist es Kompost. Kein Zweifel: In Zeiten, in denen der ökologische Fußabdruck zur entscheidenden Kennziffer wird, sind diese Pferde auf ihrem Terrain unschlagbar.

Anschauen konnte man sich das an mehreren Tagen im Wald von Karl Tempel in der Busendorfer Heide. Tempel hat Douke Eekman, den Kopf und Lenker des Gespanns, für eine spezielle Aufgabe engagiert. Die Mission lautet: Den Boden bereiten für den Waldumbau. Tempel will in seinem Kiefernforst zwischen Borkwalde und Fichtenwalde weitere 3,2 Hektar in Mischwald umwandeln und setzt dafür erstmals Rückepferde ein, „weil sie den Boden gut lockern und ihn nicht verfestigen, wie die Maschinen es tun“. Lilly und Margriet sind in dem Fall nicht als Rückepferde angerückt, die Holzstämme herausziehen – sie ziehen Furchen, in denen künftig Traubeneiche, Eberesche und Weißbuche wachsen. Die Laubbäume sollen den Wald stabilisieren, ihn widerstandsfähiger machen, damit er gewappnet ist für Klimaveränderungen und gegen Schädlingsbefall.

Hinter dem Gespann läuft Hündin Susi. In den Furchen werden später kleine Laubbäume gepflanzt. Quelle: Jens Steglich

Douke Eekman, der Mann hinter dem Pflug, ist gebürtiger Belgier. Er ging in den Osten nach Brandenburg, als es viele Ostdeutsche nach Westen zog. Der gelernte Revierförster arbeitet als Holzrücker und ist hierzulande so etwas wie der letzte Mohikaner dieser Zunft. Seine Stuten Lilly und Margriet lenkt er geschickt vor allem mit zwei Kommandos durch den Kiefernwald: „Wist“ und „hot“, sagt er und die Pferde laufen nach links oder rechts. „Es ist eher die Tonart von mir, auf die sie hören. Manche Worte kennen sie aber genau“, sagt Eekman, der gern flämisch mit den Stuten spricht.

Pferde zieht Ente aus dem Matsch

Wie sehr Kaltblüter aufs Wort hören, hat er einmal erlebt, als ein Pferd das Auto eines Holzfällers aus dem Matsch zog. Dessen Ente, das Kultauto, war auf dem Waldweg steckengeblieben. Das Pferd zog die Ente an einer Kette aus dem Schlamassel, der Entenfahrer stieg aus, bedankte sich und sagte, er gehe jetzt nach Hause. Für das Pferd war dies das Signalwort. Es hörte wie aufs Kommando und wollte loslaufen – nach Hause. Allerdings hing die Ente noch an der Kette. „Das Pferd zog die Ente über die Stubben drüber“, erzählt Eekman. „Danach war die Ente kaputt.“ Ja, Kaltblut-Pferde haben Kraft. Ein Exemplar dieser Sorte dürfte zwischen zehn und 15 PS (Pferdestärken) haben, schätzt Eekman, der in Frankenförde (Teltow-Fläming) lebt und im Nebenerwerb in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming im Einsatz ist.

Stärkung nach getaner Arbeit: Es gibt Hafer und Heu für die Pferde. Quelle: Jens Steglich

Das Holzrücken wird inzwischen aber weniger nachgefragt. „Auf dem Gebiet können wir mit Maschinen nicht mithalten“, sagt Eekman. Beim Pflügen im Wald aber, wenn der Boden für neue Bäumchen gelockert wird, schlagen sich die Pferde bestens. „Die Kollateralschäden sind deutlich geringer als bei Maschinen“, weiß der gebürtige Brüsseler, der als Kind noch Angst vor Hunden und Pferden hatte. Heute lebt und arbeitet er mit den Pferdedamen und mit Susi, die Hündin, die immer dabei ist und in den frischen Furchen dem Gespann folgt.

Die Forstreform macht einen Strich durch die Rechnung

Die Wandlung zum Pferdefan begann früh, als Eekman seine Familie mit der Ansage überraschte: „Ich gehe zum Hufschmied.“ Später wird er Forstwirt und schreibt seine Abschlussarbeit zum Thema: „Pferdearbeit im Wald“. Genau das wollte er später machen. Der Belgier liest zufällig eine Annonce: Der Betreiber des Gutes Breite bei Stücken suchte einen Fuhrmann und Holzrücker und stellte ihn ein. Damals raten ihm Leute vom Landessforstbetrieb, sich selbstständig zu machen. So könnten auch sie ihn für Waldarbeiten einsetzen. Die Forstreform macht einen Strich durch die Rechnung. Für den Holzrücker beginnen harte Jahre mit wenigen Aufträgen. „Ich mache es heute im Nebenerwerb und aus Leidenschaft“, sagt er.

Beim Waldbesitzer lösen Rückepferde nostalgische Gefühle aus

Einen Auftraggeber hat er mit Karl Tempel neu hinzugewonnen. „Wenn wir Waldumbau machen, dann mit den Pferden“, sagt der Waldbesitzer, der im Sommer in den Schlagzeilen war, als er sich gegen den Einsatz des Insektizides „Karate Forst flüssig“ in seinem Wald erfolgreich wehrte. „Das verpflichtet auch, konkret etwas zu tun, um den Wald ohne Gift stabiler gegen ’Schädlinge’ zu machen“, sagt er. Wirtschaftlich ist Waldumbau derzeit mit Einbußen verbunden. Kiefern werden gefällt, um Platz für Laubbäume zu schaffen, die Holzpreise aber sind gerade im Keller. „Wer aber nichts tut, verliert seinen Wald früher oder später“, sagt er.

Beim gebürtigen Pfälzer lösen Rückepferde nostalgische Gefühle aus. „Wir hatten in der Pfalz in den Weinbergen auch Kaltblüter im Einsatz.“ In Weingegenden kommen selbst Tiere manchmal ins Torkeln. „Als Kinder hatten wir einen Riesenspaß, wenn die Pferde besoffen waren“, erzählt er. Sie hatten Most getrunken, der im Bottich gegoren war.

34 Prozent Mischwald

Der Wald von Karl Tempel befindet sich am Siebenbrüderweg zwischen Borkwalde und Fichtenwalde.

Von den etwa 82 Hektar Kiefernwald sind inzwischen 28 Hektar schon „Mischwald“ oder gerade im Umbau dazu. Das entspricht 34 Prozent dieser privaten Forstfläche in der Busendorfer Heide.

Der Waldbesitzer setzt beim Waldumbau auf Laubbäume, die nicht viel Wasser brauchen – etwa Traubeneiche oder Esskastanie. Den Einsatz der Rückepferde hat ihm der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt vermittelt.

Von Jens Steglich

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