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Potsdam-Mittelmark Beelitzer Spargelfest soll Unesco-Kulturerbe werden
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitzer Spargelfest soll Unesco-Kulturerbe werden
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18:27 15.08.2019
Der Festumzug gehört jedes Jahr zu den Höhepunkten des Beelitzer Spargelfestes. Quelle: Friedrich Bungert
Beelitz

Die Stadt Beelitz will für das Spargelfest den nationalen Titel als Immaterielles Kulturerbe beantragen. Der Antrag an die Kultusministerkonferenz der Länder und an die deutsche Unesco-Kommission wird derzeit im Beelitzer Rathaus vorbereitet. „Unser Spargelfest ist nicht nur absoluter Veranstaltungshöhepunkt im Jahreskalender der Stadt und vieler Menschen, es ist auch Ausdruck einer langen Tradition – dem Spargelanbau in unserer Region und allem, was damit zusammenhängt“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth. Indem sich Beelitz sein Fest als sogenanntes immaterielles Kulturerbe schützen lasse, werde es enorm aufgewertet und für künftige Generationen gesichert.

Bürgermeister Bernhard Knuth wirbt für Beelitz. Quelle: Stadtverwaltung

Im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes finden sich 97 Einträge, darunter sind 30 Feste. Zu diesem Kulturerbe zählen etwa die Bergmannsaufzüge in Sachsen, die an die lange Bergbaugeschichte erinnern und immer in der Vorweihnachtszeit im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz mit einer Abschlussparade ihren Höhepunkt finden. Auch der rheinische Karneval mit seinen lokalen Varianten, die Spergauer Lichtmess, der Osterräderlauf in Lüdge oder die Passionsspiele in Oberammergau stehen auf der Liste, die exemplarisch zeige, „welche lebendigen kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland praktiziert und weitergegeben werden“, heißt es vonseiten der deutschen Unesco-Kommission.

40.000 Besucher jedes Jahr beim Spargelfest

Das Beelitzer Spargelfest würde diese Liste gut ergänzen, findet der Stadtsprecher. „Immer am ersten Juni-Wochenende, wenn die Spargelsaison ihren Höhepunkt erreicht hat, feiert die Stadt mit mittlerweile rund 40.000 Besuchern ausgelassen und friedlich, angelockt werden die Gäste durch berühmte Live-Acts und durch den Beelitzer Spargel, der hier serviert und verkauft wird, der aber auch in unkonventioneller Form wie den Beelitzer Maskottchen oder der Spargelpyramide daherkommt“, sagt Stadtsprecher Thomas Lähns, „längst ist das Spargelfest eines der schönsten und beliebtesten Volksfeste des Landes und damit Aushängeschild auch der heimischen Wirtschaft und der Vereine, die sich in vielfältiger Weise einbringen und präsentieren.“ Auch eine Spargelkönigin wird jährlich gekürt.

Die Spargelpyramide beim Festumzug in Beelitz. Quelle: Christel Köster

Manfred Schmidt, langjähriger Vorsitzender des Spargelvereins und Mitbegründer des Spargelfestes, wie man es aus der Neuzeit kennt, reagiert auf den geplanten Antrag der Stadt zurückhaltend. „Das Spargelfest ist jetzt eine tolle Sache, aber im Vergleich zu den mehr als 150 Jahren Spargelanbau in Beelitz sind die gut 25 Jahre Spargelfest nach der Wende nur ein kleiner Teil der Geschichte“, sagt er. Das erste große Spargelfest wurde 1934 gefeiert, „aber damit haben wir uns bewusst nicht geschmückt, weil es eine Zeit war, auf die wir nicht stolz sein können“, sagt Schmidt. Zwei Spargelfeste sollen in den 1930er Jahren verbrieft sein.

Erinnerung ans Beelitzer Spargelwirtschaftswunder

Er denke eher an das Werderaner Blütenfest, wenn es um Festtraditionen in Brandenburg gehe. Schmidt denkt aber mit Freude an die Spargelfeste der Neuzeit und an die Anfänge, als der Spargelverein sie nach der Wende 1991 ins Leben rief. „Wir hatten beim ersten Fest 200 Kilo Spargel und 10.000 Besucher. Nach einer halben Stunde waren wir ausverkauft“, erzählt Schmidt. Den Spargel aus privater Ernte hatten sie mit „drei gletscherblauen Trabis“ von Schlunkendorf zum Fest gefahren. Das war vor Beginn des Beelitzer Spargelwirtschaftswunders, als die Anbaufläche noch klein war und die Erträge gering. Heute beliefern Beelitzer Spargelbauern die ganze Region mit ihrem Edelgemüse, Potsdam und Berlin gleich mit.

Antrag bis zum 30. Oktober einreichen

Die Spargelstadt muss den Antrag zu ihrem Traditionsfest bis 30. Oktober beim Brandenburger Kultur-Ministerium einreichen. „Dort ist man bereits von der Absicht unterrichtet“, sagt Lähns. Bis Mitte April 2020 trifft jedes Bundesland dann eine Vorauswahl aus den Bewerbungen und übermittelt bis zu vier Vorschläge an die Kultusministerkonferenz. Von dort geht eine Vorschlagsliste an ein Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der deutschen Unesco-Kommission.

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