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Beetzsee 75 Jahre Kriegsende: Die toten Soldaten vom Kützkower Campingplatz
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17:03 06.01.2020
Helmut Polanik auf der eingezäunten Kriegsgräberstätte in Kützkow. Die letzte Ruhestätte für die an der Tieckower Fährstelle getöteten deutschen Soldaten soll auf den kommunalen Friedhof in der Nachbarschaft verlegt werden. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Kützkow/Tieckow

Es war ein Himmelfahrtskommando. Hitler lebte seit vier Tagen nicht mehr. Berlin hatte kapituliert. Doch auf der Linie Havelberg-Rathenow-Pritzerbe-Plaue wurde immer noch gekämpft. Einige Dutzend Männer sollten Anfang Mai 1945 in Höhe der alten Tieckower Fährstelle der Roten Armee den Übergang über die Havel versperren. Am Ende waren 15 Deutsche tot. Begraben wurden sie auf dem einstigen Kützkower Gutsfriedhof, wo ihre sterblichen Überreste bis heute in der Erde liegen. Das soll jedoch nicht so bleiben.

Spuren des Krieges

Auf zahlreichen Friedhöfen im Amt Beetzsee befinden sich Gräber von Soldaten, die in den letzten Kriegstagen von April bis Mai 1945 ums Leben kamen. Größte Anlage ist der sowjetische Soldatenfriedhof in Brielow mit Gräbern für mehrere hundert Rotarmisten.

Vereinzelte deutsche Soldatengräber sind in fast allen Dörfern zu finden. Die meisten der Wehrmachtsangehörigen kamen bei Rückzugsgefechten mit der Roten Armee ums Leben. In Kützkow sind 15 Soldaten begraben, die an der Tieckower Fährstellen getötet wurden.

Die Soldaten gehörten einer Division an, die der 12. Armee unter Befehlshaber Walther Wenck unterstellt war. Wenck führte seine Einheiten sowie tausende Flüchtlinge und Verwundete nach Westen den Amerikanern entgegen und ging selbst am 7. Mai bei Ferchland in Gefangenschaft.

Es ist ein merkwürdiger Ort für eine Kriegsgräberstätte, wo Leben und Tod so dicht beieinander liegen. Das mit einem kleinen Holzzaun eingefriedete Areal befindet sich mitten auf dem Parkplatz des Kützkower Campingplatzes. Nur wenige Meter entfernt steht das Toilettengebäude der Freizeitanlage. 75 Jahre nach Kriegsende wird das Schicksal der Toten plötzlich wieder lebendig. „Es ist an der Zeit, den Gräbern ein würdiges Umfeld zu verschaffen“, findet Havelsee-Bürgermeister Günter Noack.

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An dieser Stelle wechselte die Tieckower Heufähre die Seiten der Havel. Blick auf das Ostufer in Richtung Tieckow. Quelle: Frank Bürstenbinder

So haben sich die Stadtverordneten kürzlich dafür ausgesprochen, die sterblichen Überreste der 15 Soldaten auf den in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen kommunalen Friedhof aufzunehmen. Eine Umbettung ist schon seit Jahren Gesprächsthema zwischen dem Amt Beetzsee, dem Brandenburger Innenministerium und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die politische Weichenstellung in der Stadt Havelsee war eine der Voraussetzungen für eine mögliche Förderung der Umverlegung. Rechtliche Grundlage ist das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Standort vorgeschlagen

Wann mit der Exhumierung der sterblichen Überreste begonnen wird, ist derzeit unklar. Wie Bürgermeister Noack mitteilte, gibt es schon einen möglichen Standort auf dem kommunalen Friedhof. Nämlich die Freifläche rechts der Trauerhalle. Damit würde sich die künftige Kriegsgräberstätte in das Ensemble mit dem gutsherrschaftlichen Grabdenkmal derer von Schnehen und dem Gedenkstein für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Kützkower einreihen.

Ein namentlich ausgeschildertes Soldatengrab in Kützkow. Quelle: Frank Bürstenbinder

Was bei der Öffnung der Grablege tatsächlich ans Tageslicht gefördert wird, weiß niemand. Immerhin gibt eine erhalten gebliebene Tafel die Namen von sieben Männern kund: Wilhelm Jahner, Helmut Lehmann, Wilhelm Lenz, Karl Prochnow, Fritz Schäfer und Heinz Schott. Ein einzelnes Kreuz erinnert an den 1905 geborenen Albert Schindke. Aufzeichnungen zufolge sollen außerdem acht unbekannte Soldaten an der Stelle begraben sein.

Über Jahrzehnte erhalten

„Sie alle sollen am Westufer der Tieckower Fährstelle umgekommen sein. Ob es sich tatsächlich in jedem Fall um Wehrmachtsangehörige handelt, ist unklar. Möglicherweise waren auch Volkssturmleute unter ihnen“, vermutet Helmut Polanik. Der gebürtige Kützkower beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Heimatgeschichte seines Dorfes. Dass die Kriegsgräberstätte die Jahrzehnte seit 1945 überstanden hat, liegt auch daran, dass sie von den Betreibern des kommunalen Campingplatzes und auch von privaten Bürgern erhalten wurde. Nach der Wende sorgte die Kommune für eine neue Einzäunung und für symbolische Grabeinfassungen.

Auf diesem Gedenkstein, der sich auf dem kommunalen Friedhof befindet, sind die Namen von 21 Männern aus Kützkow zu lesen, die im Zweiten Weltkrieg den Tod fanden. Ein hoher Blutzoll für ein kleines Dorf. Quelle: Frank Bürstenbinder

Warum gab es überhaupt Kriegstote an einem scheinbar unbedeutenden Ort, wie die Tieckower Fährstelle? Dort befindet sich über Kilometer die schmalste Stelle der Havel. Das wusste auch die Rote Armee. Wehrmachtseinheiten hatten die Eisenbahn- und Straßenbrücken zwischen Fohrde nach Pritzerbe gesprengt. Die Fähren nach Kützkow waren ebenfalls unbrauchbar gemacht worden. Zuvor hatten noch tausende Flüchtlinge und Soldaten über die Havel gesetzt, um die Elbe zu erreichen. Unter ihnen der Befehlshaber der 12. Armee, General Walther Wenck.

So sieht es heute am Westufer der Tieckower Fährstelle aus. Unter den nachgewachsenen Bäumen sind immer noch Granattrichter und Schützenlöcher zu erkennen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Weil den deutschen Truppen die unaufhaltsam heranrückenden sowjetischen Einheiten im Nacken saßen, sollten Nachhuten das Absetzen der Armee Wenck zu den Amerikanern im Westen decken. Die 12. Armee führte zudem tausende Flüchtlinge und Verwundete mit. Etwa gegenüber der Tieckower Badestelle verschanzten sich noch einmal deutsche Truppen am Westufer der Havel auf einer Bodenerhöhung in Erwartung eines sowjetischen Angriffs.

Stahlhelme gefunden

Der kam am Morgen des 4. Mai 1945 mit Granateinschlägen dicht an dicht. Der nachfolgende Sturm auf die deutschen Stellungen, die noch heute, wie die Granattrichter, zu sehen sind, war nicht aufzuhalten. Über den Tieckower Heuweg stieß die Rote Armee weiter nach Kützkow und Bahnitz sowie Richtung Möthlitz vor. Nur die Toten blieben zurück. Ihre durchlöcherten Stahlhelme wurden noch bis in die 1950er-Jahre gefunden.

 

Von Frank Bürstenbinder

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