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Beetzsee Nimmt uns der Spargel das Wasser weg?
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Nimmt uns der Spargel das Wasser weg?
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12:13 19.09.2019
Volles Rohr: Auch in Kloster Lehnin, wie hier bei Nahmitz, bewirtschaftet das Domstiftsgut Mötzow Spargelfelder. Neuanlagen werden ausgiebig bewässert. Die künstliche Beregnung in Trockenzeiten sorgt für Diskussionsstoff. Quelle: Rüdiger Böhme
Amt Beetzsee

Knochentrockene Wälder, Straßenbäume kämpfen um ihr Überleben, Erdelöcher drohen zu verlanden. Die Folgen des zweiten trockenen Sommers in Folge sind auch rund um den Beetzsee nicht zu übersehen. Doch es gibt noch Wasser. Tief unter der Erde.

Weitere Verfahren laufen

Für immer neue Spargelfelder pumpte das Domstiftsgut Mötzow im vergangenen Jahr rund 270 000 Kubikmeter Grundwasser aus der Erde. Alle etwa 20 wasserrechtlichen Erlaubnisse zusammengenommen, könnte Gutspächter Heinrich Thiermann sogar die dreifache Menge fördern. „Weitere Anträge befinden sich im Erlaubnisverfahren“, bestätigte Birgit Kusza von der unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung der MAZ.

Lünows Ortsvorsteherin Petra Szymoniak, Roskows Bürgermeister Thomas Schulz, Monika Böhling-Fiessinger aus Ketzür und Weserams Ortsvorsteher Werner Rostek (v.l.) sorgen sich um die Grundwasservorräte in ihren Gemarkungen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Was bedeutet das für die Zukunft? Verschärft die Grundwasserentnahme für die Beregnung landwirtschaftlicher Kulturen den Wassermangel an der Oberfläche? Eine pauschale Antwort fällt der Genehmigungsbehörde schwer. „Im Genehmigungsverfahren wird jeder Brunnen für sich betrachtet. Sollten negative Folgen für die Umwelt drohen oder hydrologische Probleme auftauchen, wird eine Betriebserlaubnis versagt“, so Teamleiterin Kusza.

Eine Genehmigung entzogen

Eine Aussage, die Kommunalpolitikern und Bürgern aus Beetzsee-Dörfern nicht reicht. Ihnen sind die vielen Brunnen, die plötzlich in Betrieb genommen werden unheimlich. Bereits im Dürrejahr 2018 lief Monika Böhling-Fiessinger bei der unteren Wasserbehörde Sturm gegen eine neue künstliche Bewässerung bei Ketzür. Was als Probebohrung angezeigt war, hielt am Ende einer amtlichen Überprüfung wegen fehlender Unterlagen nicht stand. „Die wasserrechtliche Genehmigung wurde wieder entzogen“, bestätigte Kusza der MAZ.

Anfrage an den Kreistag

„Der Fall bestätigt unsere Annahme, dass auf den Feldern nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Wir sind nicht gegen Spargel oder Mais. Aber wir reden von unsinnigen Wasserverlusten, weil selbst in der Mittagshitze bewässert wird“, beklagt sich Roskows Bürgermeister Thomas Schulz. Als Kreistagsmitglied will er eine Anfrage an die Verwaltung zum Umgang mit Grundwasserentnahmen richten.

Dicht am Beetzseeufer stand diese Pumpen zum Ansaugen von Oberflächenwasser. Quelle: privat

Schulz ist nicht der erste Abgeordnete, den die aus dem Boden schießenden Brunnen in der Region umtreiben. Axel Müller von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits 2017 Wasserentnahmen durch das Domstift Mötzow in Lünow, aber auch in Prützke, hinterfragt. Alles sei rechtens, lautete damals die Antwort von Landrat Wolfgang Blasig.

Akteneinsicht beantragt

Zwei Trockenzeiten später machen sich Kommunalpolitiker und Bürger selbst ein Bild. Eine Gruppe um die Lünower Ortsvorsteherin Petra Szymoniak, den Weseramer Ortsvorsteher Werner Rostek und die Ketzürerin Monika Böhling-Fiessinger beantragte Akteneinsicht bei der Unteren Wasserbehörde. Hat das Domstift für jeden Brunnen eine Genehmigung?

Viele Fragen offen

Stundenlang wälzten sie in der in Teltow angesiedelten Behörde Unterlagen. Zuvor hatten sie in mühseliger Kleinarbeit jeden der 17 Brunnen im Roskower Gemeindegebiet erfasst, dokumentiert, kartiert und Flurstücken zugeordnet. „Das Ergebnis machte uns betroffen. Lediglich für einen Standort konnte uns das komplette Genehmigungsverfahren vorgelegt werden“, berichtete Weserams Ortsvorsteher. Für seine Lünower Kollegin Szymoniak bleiben daher viele Fragen offen: „Wir wollen Gewissheit über jeden einzelnen Brunnen.“ Die Unterlagen seien vorhanden, jedoch hätten die Antragsteller die Standorte konkretisieren müssen, heißt es dagegen aus der unteren Wasserbehörde als fragwürdige Erklärung.

Betrieb weist Kritik zurück

Betriebsleiter Martin Koschker vom Domstiftsgut Mötzow versteht die ganze Aufregung nicht. Für alle derzeit laufenden Brunnen würden Genehmigungen vorliegen, sagte er der MAZ. Gutachten und Pegelbrunnen zur Überwachung der Grundwasserstände seien vorhanden. Ein direkte Auswirkung der Grundwasserentnahme auf die Trockensituation an der Oberfläche sieht das Unternehmen nicht. „Wir entnehmen das Grundwasser aus tiefen Schichten bis 90 oder 100 Meter und sind damit weit vom ersten Grundwasserleiter in den oberen Schichten entfernt.“

Immer neue Spargelfelder werden angelegt. Am Spennenbusch in Brielow laufen derzeit die Vorbereitungen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch was passiert, wenn auch die nächsten Jahre regenarm bleiben sollten? „Dann sehe ich tatsächlich Probleme, je nach Zustand des Grundwasserkörpers“, räumte der Vorsitzendes des Kreisbauernverbandes Jens Schreinicke gegenüber der MAZ ein. Künstliche Bewässerung würde für immer mehr landwirtschaftliche Unternehmen zur Überlebensfrage. „Das ist ja schon heute für die Obstbauern so“, sagte Schreinicke. Er kritisiert die langen Genehmigungsverfahren für neue Brunnen.

Ernste Lage

Wie ernst die Lage ist, zeigt die jüngste Allgemeinverfügung des Landratsamtes. Weil der Landkreis selbst von einer „wasserwirtschaftlichen Extremsituation“ spricht, wurde die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern in Potsdam-Mittelmark zunächst bis Ende Oktober untersagt. Für Obstbau und Landwirtschaft gibt es Ausnahmen. Eine Ausweitung des Wasserentnahmeverbots auch auf Grundwasser ist nach Angaben der unteren Wasserbehörde im Landkreis nicht geplant. Anders als zum Beispiel in der Stadt Brandenburg, wo derzeit nur von 18 Uhr bis 8 Uhr die Gartenpumpen laufen dürfen.

Von Frank Bürstenbinder

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