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Beetzsee Pfarrerin geht in den Ruhestand – und macht zum Abschied Mut
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Pfarrerin geht in den Ruhestand – und macht zum Abschied Mut
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12:59 01.11.2018
Waren sieben Jahre lang Nachbarn in Päwesin: Johanna-Martina Rief verabschiedet sich von Losang Kyabchok, Sprecher des Buddhistischen Klosters. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brielow

Um die Gottesdienste in der Vakanz braucht sich niemand sorgen. Die Kirchenmusik für 2019 ist bestellt. Und sehr lange müssen die rund 750 Christen rund um den Beetzsee nicht ohne eigenen Pfarrer auskommen. Zum 1. Januar wird ein junger Seelsorger im Entsendungsdienst die Betreuung des Pfarrsprengels Päwesin übernehmen. Besser kann der Übergang von einer Generation auf die nächste nicht vorbereitet sein.

Bei einem Festgottesdienst zum Reformationstag wurde Pfarrerin Johanna-Martina Rief aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Fast sieben Jahre war die Seelsorgerin für die Dörfer rund um den Beetzsee zuständig. Ihren Lebensmittelpunkt wird sie künftig in Hohenferchesar haben.

Nach fast sieben Jahren als Pfarrerin vom Beetzsee wurde am Reformationstag Johanna-Martina Rief in den Ruhestand verabschiedet. Frei von den Pflichten des aktiven Dienstes bleibt sie berufen zu predigen, zu taufen und das Abendmahl zu reichen. Selten hat man die Brielower Kirche so voll gesehen. Weil die Kirchenbänke nicht ausreichten, wurden Stühle an die Besucher des Festgottesdienstes verteilt. Die Strahlen der tief stehenden Herbstsonne projizierten Abbilder der bleiverglasten Fenster der Südfassade auf die Innenwände, was dem Kirchenschiff eine frohe Buntheit verlieh.

Viele Spuren hinterlassen

Zum Orgelspiel von Andreas Patzwald erhob sich die Gemeinde von ihren Plätzen, als eine frohgelaunte Pfarrerin Rief im Gefolge ihrer Kirchenältesten das Gotteshaus betrat. An ihrer Seite Superintendent Thomas Wisch. Der leitende Geistliche des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg bescheinigte der scheidenden Pfarrerin „Leidenschaft“ im Beruf. „Erstaunlich, wie viele Spuren du hinterlässt. Nicht ohne Grund sind so viele Menschen in die Kirche gekommen. Wir haben auch gestritten, aber immer um die Sache “, sagte Wisch in seiner Begrüßung.

Pfarrerin Rief im Gespräch mit Besuchern des Festgottesdienstes. Quelle: JACQUELINE STEINER

Mitwirkende des Gottesdienstes war Pfarrerin Diana Bernitt-Pscherwankowski vom Nachbarpfarrbereich Havelsee. Mit ihr und dem Singkreis unter Leitung von Reina Hoffmann stimmte die Festgemeinde zunächst Luthers Reformationslied an. Ihre letzte Predigt von der Brielower Kanzel nutzte Rief, um ihre Sicht auf Wandel und Beständigkeit kundzutun. „Kirche und Glaube haben etwas Beständiges. Doch es gibt auch heute reformatorisches Potenzial. Wir brauchen keine Angst vor Lesungen, Konzerten und weltlichen Trauerfeiern in unseren Kirchen zu haben. Vielmehr können wir der Gemeinschaft etwas von unserem Glauben vermitteln“, sagte die Pfarrerin. Mahnende Worte richtete sie an die Amtskirche. Diese sei mit ihrem Verwaltungsapparat weggerückt vom Fundament des Glaubens. Reformbedarf gebe es immer, so Rief.

Dank an Fördervereine

In ihren Dank schloss die scheidende Pfarrerin die Fördervereine ein, die es fast in jedem Dorf rund um den Beetzsee gibt. Diese hätten so mancher Kirchengemeinde die Augen geöffnet, um Gotteshäuser vor dem Verfall zu retten. Fast alle der elf Kirchen sind inzwischen schmuck herausgeputzt. Besonders würdigte Rief die gute Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich Engagierten in den sechs Kirchengemeinden. Dazu zählen die vier Mitglieder im geschäftsführenden Vorstand des Pfarrsprengels, der die Verantwortung für wichtige Entscheidungen vorbereitet und mitträgt, um die Pfarrerin zu entlasten. „Seien Sie trotz aller Veränderungen guten Mutes. Kirche geht weiter“, ermunterte Rief die Festgemeinde.

Zur Verabschiedung von Pfarrerin Rief war in der Brielower Kirche kein Platz mehr frei. Quelle: JACQUELINE STEINER

Zum Abschied gab es für Johanna-Martina Rief zahlreiche Dankesworte von kirchlichen Weggefährten, Christen aus den Gemeinden, Kommunalvertretern, Freunden und Nachbarn. Zu letzteren gehört Losang Kyabchock, Sprecher des Buddhistischen Klosters in Päwesin. „Wir haben mit Frau Rief eine gute Zeit der Zusammenarbeit erlebt. Dazu zähle ich die Teilnahme unserer Mönche an ökumenischen Gottesdiensten. Kleinigkeiten konnten wir über den Gartenzaun klären. Als Buddhisten hoffen wir, dass sich diese Aufgeschlossenheit auch in Zukunft fortsetzen wird“, so der Klostersprecher.

Umzug nach Hohenferchesar

Für die Kreissynode würdigte Präses Stefan Köhler-Apel das Engagement der Pfarrerin bei der Bildung arbeitsfähiger Strukturen im 2012 geschaffenen Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg. Für die Kirchengemeinde Brielow-Radewege sagte Dietrich Schwalbe: „Sie haben uns immer wieder mit ihrem Ideenreichtum überrascht. Deshalb sind wir dankbar, dass sie uns begleitet haben.“ Pfarrerin Diana Bernitt-Pschwerwankowski dankte Rief im Namen der Nachbargemeinde Havelsee für die gute Zusammenarbeit und überreichte eine Pritzerber Chronik und Honig aus dem Havelbogen. Nicht ganz ohne Grund, denn Rief wird ihren Lebensmittelpunkt künftig in Hohenferchesar haben. Mit Gottes Segen und besten Wünschen für Gesundheit, Frohsinn und Gottvertrauen entpflichtete Superintendent Wisch Pfarrerin Rief vom aktiven Dienst.

Von Frank Bürstenbinder

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