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Beetzsee Eine der kleinsten Apotheken in Deutschland: Darum will Swantje Franz unbedingt in Päwesin bleiben
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Eine der kleinsten Apotheken in Deutschland: Darum will Swantje Franz unbedingt in Päwesin bleiben
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13:32 28.08.2019
Swantje Franz vor ihrer Schwanen-Apotheke in Päwesin. Quelle: Marion von Imhoff
Päwesin

Eine Apotheke auf dem flachen Land zu führen, und sogar eine der kleinsten in Deutschland, ist ein Kraftakt. Swantje Franz hat den auf sich genommen für die Schwanen-Apotheke in Päwesin (Havelland). Die zählt gemessen an der Bevölkerungszahl am Standort nach einer Branchenerhebung zu den kleinsten Apotheken deutschlandweit. Was das bedeutet? „Man kennt die meisten Kunden persönlich“, sagt Swantje Franz. „Es ist das Gegenteil einer Center-Apotheke. Und jeder Kollege hier muss alles können.“

Die Apotheke in dem Dorf mit seinen gut 500 Einwohnern ist die einzige auf weiter Flur. Die nächsten gibt es in Nauen, Brandenburg und Ketzin. Alle drei Städte liegen jeweils rund 16 Kilometer von Päwesin entfernt. Mancher, der vorbeifährt, ist verblüfft: Eine Apotheke auf dem Land gibt Grund zum Staunen. „Ich kämpfe echt für den Standort. Ich will nicht aufgeben, es liegt mir am Herzen, dass es weitergeht“, sagt Swantje Franz. Und mehr denn je ist sie dessen gewiss. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Wichtigste: „Ich habe Personal gefunden, das mit mir weitermacht.“ Zwei Mitarbeiter waren zuvor zum Jahresende gegangen. Vor Weihnachten arbeitete Swantje Franz sogar alleine in der Apotheke.

Historische Apotheken-Villa

Seit Mitte des 19. Jahrhundertes gibt es die Dorfapotheke. In diesem Jahr nun hat die studierte Apothekerin den Standort neu aufgestellt. Die geplante Sanierung des Gebäudes und der frische Innenanstrich mit Rot und Weiß im Herbst sollen für die sichtbare Erneuerung stehen. „Ich möchte ein Zeichen setzen, dass es hier weitergeht.“

Seit voriger Woche läuft das neue Computerprogramm, in das die Apothekerin investierte. Den Großhandel hat sie gewechselt. „Es ist einfach viel passiert in diesem Jahr.“ Doch das Wesentliche ist für die 42-jährige gebürtige Potsdamerin, dass es die beiden neuen Mitarbeiter gibt. Denn der Fachkräftemangel macht auch um Apotheken keinen Bogen, zumal wenn sie fernab des pulsierenden Lebens stehen.

Team ist ein Vierer-Kleeblatt

Ihr Team nennt sie ein „Vierer-Kleeblatt“. Seit Januar gehört die pharmazeutisch-technische Assistentin Christin Lüttcke dazu, „die hat mir der Himmel geschickt“. Im Mai kam der promovierte Apotheker Frank Hall dazu. Vier Jahre hatte sie nach einem Apotheker gesucht, der über eine Approbation verfügt. Zum Jahreswechsel gewann Swantje Franz zudem einen neuen Boten zur Auslieferung von Medikamenten. Er ist der Vierte im Bunde.

Swantje Franz wollte sich schon immer selbstständig machen, doch dass sie eine Landapotheke übernehmen würde, „hätte ich nie gedacht“. Dass sie es 2013 doch tat, als ihr Chef die Apotheke nach zehn Jahren abgab und einen Nachfolger suchte, dafür gibt es zwei Gründe: „Der eine ist romantisch. Die Apotheke trägt meinen Namen“, denn Swantje heißt im Friesischen Schwänchen. „Und ich habe mich in den Ort verliebt“. Angefangen hatte sie dort als angestellte Apothekerin.

Alle 13 Tage Notdienst

Was bedeutet es, in Päwesin zu arbeiten als Apothekerin? „Wir leisten hier viel auf dem Land“, sagt Swantje Franz. „Wir versuchen, alles möglich zu machen. Aber wir sind meist zu zweit. Das Arbeitspensum ist einfach viel.“ Alle 13 Tage hat Swantje Franz zudem Notdienst.

Laufkundschaft ist eher selten. „Die allermeisten kommen mit einem Rezept zu uns.“ Gut ist es da, dass es in Päwesin und im nahen Weseram Arztpraxen gibt.

Viele Kunden sind Senioren

Die Kundschaft ist meist älter an Jahren. „Ich denke, sie sind froh, dass wir da sind. Und ich habe das Gefühl, das zunehmend auch mehr junge Menschen hierherkommen. Das ist auch mein Ziel, dass es hier weitergeht. Es ist wichtig, dass die Apotheke vor Ort bleibt.“ Über die Konkurrenz im Internet möchte Swantje Franz nicht viel sprechen. Aber auch sie spürt diese.

Eine Treppe führt von der Brandenburger Straße hoch zur alten Apotheken-Villa. Unten gibt es eine Klingel, eine Rampe für Rollstuhlfahrer steht bereit. „Wenn einer gar nicht mehr beweglich ist, wird er von uns beliefert.“ Selbst Schwerstkranken kann die Apotheke alles Notwendige bringen. Der Bote ist dienstags, mittwochs und freitags auf Tour. „Wir metern wirklich“, sagt seine Chefin. Mehr als 100 Kilometer am Tag sind keine Seltenheit. „Viele kleine Apotheken fahren weite Wege über das Land.“

Tägliches weites Pendeln

Ihr eigener täglicher Weg zwischen Werder/Havel, wo der Lebensmittelpunkt ihrer Familie ist, und Päwesin ist auch nicht kurz. Über die Autobahn und Abfahrt Potsdam-Nord fährt Swantje Franz und notfalls mit der Fähre über Ketzin. „Die Strecke ist keine Mühsal, die Landschaft wunderschön. Wenn ich an einem gelben Rapsfeld vorbeifahre, kann ich abschalten nach einem langen, langen Tag.“

Überall machen Läden auf dem Land dicht, auch das Schließen von Apotheken ist kein Tabu mehr. Swantje Franz weiß das: „Ich sehe hier schon den Auftrag, die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung. Ich möchte für die Menschen hier da sein.“

Von Marion von Imhoff

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