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Beetzsee So rettet Pritzerbe seine Natur
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15:13 04.07.2019
Naturführer Carsten Muschol kann mit seinem Boot auch versteckte Ecken ansteuern. Quelle: Frank Bürstenbinder
Pritzerbe

Über dem Pritzerber See hängt ein Himmel voll geschlagener Sahne. Der frische Nordwind treibt der Sonne immer neue Wolken zu, die für ein weiß-blaues Dach über raschelndes Schilf und plätschernde Wellen sorgen. Carsten Muschol ist auf Schleichfahrt durch das Naturschutzgebiet. Nur ein leises Surren ist zu hören. Denn der Naturführer lässt sein Boot elektrisch in die geheimsten Buchten und entlegensten Kanäle gleiten.

Wer auf die sanfte Art in die Flusslandschaft der Unteren Havel eintauchen will, ist auf dem Kahn von Carsten Muschol aus Pritzerbe richtig. Nur etwas Zeit sollte jeder Naturfreund mitbringen.

Wer Muschol auf eine mehrstündige Expedition durch diesen abgelegenen Teil der Havelniederung begleitet, darf sich auf zahlreiche Begegnungen freuen, die das Herz des Naturfreundes höher schlagen lassen. Ein Überflug der nicht sehr häufigen Fluss-Seeschwalbe gehört unbedingt dazu. Naturschützer hoffen auf die Ansiedlung einer ganzen Kolonie und haben in diesem Jahr ein mit Kies bedecktes Brutfloß am Seegrund verankert.

Fernglas ist gut

„Ob die Vogelart das Angebot des Menschen auf Dauer annimmt, wird sich in ein oder zwei Jahren zeigen“, mutmaßt Muschol. Er zeigt auf ins Wasser führende Biberrutschen, die sich die Nagetiere selbst zum Ein- und Aussteigen angelegt haben. Während eine Rohrweihe über dem Boot seine Kreise zieht, macht ein munterer Bewohner des Röhrichts auf sich aufmerksam – die Bartmeise, die wegen ihrer schwarzen Backenstreifen so heißt. Wer Glück hat, sieht Fisch- oder Seeadler auf der Suche nach Beute einfliegen. Ein Fernglas sollte deshalb immer zur Hand sein.

Ein Havelkrokodil lauert auf Beute. Quelle: Frank Bürstenbinder

Überhaupt ist das Zwitschern und Tirilieren der Vogelwelt ein ständiger Begleiter bei einer Tour entlang des dichten Schilfgürtels, der vielen Arten Schutz und Deckung gibt. Immerhin nimmt das Gebiet für Brutvorkommen bestandsbedrohter Wat- und Wasservögel einen herausragenden Platz ein. Neben den ausgeprägten Röhrichtbeständen gibt es Seerosenfelder, in denen sich Schwäne, Enten und Teichrohrsänger tummeln. Im Wasser liegende Baumleichen erinnern an Krokodile – nur eben im Havelwasser.

Wichtige Lebensgrundlage

Wer sich auf eine Fahrt zu den schönsten Stellen des eiszeitlichen Flachwassersees einlässt, braucht schon eine gehörige Vorstellungskraft, um sich in die Zeit vor über 100 Jahren zu versetzen. Wie die mit ihm verbundene Havel war der Pritzerber See eine Lebensgrundlage für viele Menschen an seinen Ufern.

Baden auf dem Campingplatz

Der Pritzerber See ist seit einigen Jahren eine Liegenschaft der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg. Die gut 200 Hektar große Fläche, zu der auch Moor- und Sumpfbereiche an den Ufern gehören, wurden der Stiftung vom Land übertragen.

Wegen seiner geringen Tiefe von nur wenigen Metern gilt der Pritzerber See als Flachwassersee. Wegen seiner Sandbänke ist das Gewässer für ortsunkundige Bootsführer heikel. Gewerbliche Charterboote dürfen den See nicht befahren.

Baden kann man im Pritzerber See am besten auf dem Campingplatz Hohenferchesar, der einen Strandbereich besitzt. Natur- und Landschaftsführer Carsten Muschol bietet geführte Bootstouren und seit diesem Jahr 18 Kanus zum Verleih an.

Ziegeleien, Schiffbau, Sägewerke und die Fischerei waren wichtige Arbeitgeber. „Am Pritzerber Ufer lag Kahn an Kahn. Heute haben wir ein Naturparadies, das es zu erhalten gilt“, ist Muschol überzeugt, der jeden Sommer etlichen Fans des Havellandes bei geführten Bootstouren auf sanfte Art seine Heimat am Wasser zeigt.

Nicht für Charterboote

Damit der Pritzerber See auch in Zukunft seinen Zweck als Rückzugsort für geschützte Tiere und Pflanzen erfüllen kann, setzt der Eigentümer ein schon lange geltendes Befahrungsverbot um. Seit wenigen Tagen weist die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg auf einer Tafel am Eingangsbereich des Sees darauf hin, dass motorisierte Charterboote keine Zufahrt haben. So soll vor allem der wachsende Strom von Bungalowflößen am Gewässer vorbeiziehen.

Über dem dichten Schilfgürtel grüßt die Spitze des Kirchturms von Hohenferchesar. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die mit der Naturschutzeule versehene Ausschilderung befindet sich bei Havel-Kilometer 78,65 unterhalb der Eisenbahnbrücke. Die vor einigen Wochen angekündigte Maßnahme hatte zunächst für Irritationen bei den alteingesessenen Bootsanliegern in Fohrde, Hohenferchesar und Pritzerbe gesorgt. Diese sind vom Fahrverbot nicht betroffen. Auch von zu beantragenden Ausnahmegenehmigungen ist keine Rede mehr. „Eine faire Lösung“, wie Naturführer Muschol findet. Er darf unbesorgt von Elektro auf Verbrenner umschalten, wenn sein zehn Meter langer Havelkahn auf dem Pritzerber See wieder einmal gegen den Wind ankämpfen muss.

 

 

Von Frank Bürstenbinder

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