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Beetzsee Das ist der schönste Arbeitsplatz bei 38 Grad
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10:43 26.06.2019
Fährmeister Reinhard Paulick verschafft sich in der Frühschicht Luft in seinem Steuerhaus. Zum Glück zieht ein leichter Wind durch das aufgeheizte Blech. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Pritzerbe

Das Thermometer an Deck zeigt 33 Grad im Schatten. Im stählernen Steuerstand der Autofähre legt die Sommerhitze noch um fünf Grad zu. Seit fast acht Stunden sitzt Reinhard Paulick am Fahrhebel. Für unerwartete Abkühlung sorgt ein leichter Wind, der von der weit geöffneten Kabinentür durch die hochgeklappte Dachluke zieht. Hinter dem Rücken des Fährmeisters kämpft sich ein kleiner Ventilator durch die heißesten Tage des Jahres.

Auch auf der Pritzerber Fähre steigen die Temperaturen. Doch Fährmeister Reinhard Paulick kann sich keinen schöneren Job vorstellen. Auf der Havel wird es nie langweilig.

„Mit etwas Wind ist die Hitze kein Problem. Doch es gibt Tage, da steht die Luft wie vor einem Gewitter. Dann läuft der Schweiß“, berichtet Paulick, der seine Fähre und die Havel nicht aus den Augen lässt. Denn es heißt aufgepasst. Man kann nie sicher sein, ob Führer von Freizeitflößen und Laienkapitäne auf führerscheinfreien Motorbooten in der Hitze des Gefechts die Vorfahrt der Fähre respektieren.

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Wetterextreme gab es immer

Mit Wetterextremen wissen die drei bei der Stadt Havelsee angestellten Fährmänner Reinhard Paulick, Stefan Grabow und Thomas Behns umzugehen. Auch wenn es schon viele Winter zurückliegt, die Wettläufe mit der Zeit gegen dicke Eisschollen sind ebenso unvergessen, wie so manche Hundstage mit tropischen Temperaturen unterm Dach. Paulick greift zur Wasserflasche und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Im Fährhaus auf der Pritzerber Seite gibt es Nachschub aus der Leitung, den der Fährmeister am liebsten mit einer Soda-Maschine aufpeppt.

Unter dem Dach des Steuerhauses klettert das Thermometer auf gute 38 Grad. Quelle: JACQUELINE STEINER

Wenn die Meteorologen recht behalten, hat der aus Süden kommende Saharawind am Mittwoch weiter steigende Temperaturen im Gepäck. Mensch und Technik an dieser wichtigen Verkehrsverbindung zwischen Pritzerbe und Kützkow stellen sich der Hitzeschlacht. Der wassergekühlte Dieselmotor tut brav seine Dienste. Und die Männer halten zusammen, helfen sich gegenseitig, wenn es Not tut.

Sonne knallt auf die Fähre

In jeder Schicht wechselt die 1990 in Dienst gestellte Havelfähre etwa 60 Mal die Seiten. Die erste Fähre des Tages legt morgens um 4.50 Uhr in der Kühle des Morgens in Kützkow ab. Der Lumpensammler vor der Nachtruhe verlässt Pritzerbe wochentags um 22.30 Uhr. Dazwischen schickt die Sonne ihre Strahlen umbarmherzig auf das Wasserfahrzeug mit dem Namen „Pritzerbe“.

Ein Sportboot wartet die Vorbeifahrt der Havelfähre ab. Quelle: JACQUELINE STEINER

„Auch wenn es noch heißer wird, als Fährmann hat man den schönsten Arbeitsplatz in Pritzerbe. Es wird nie langweilig“ ist Paulick überzeugt. Er zeigt auf eine Rohrweihe, berichtet von Fischadlern und Reihern, die sich an der Havel wohlfühlen. Nicht wenige Fahrgäste beneiden den Fährmeister um seinen Job auf dem Wasser.

Buga in guter Erinnerung

Wie zum Beispiel Wolfgang und Ingrid Drexl aus Augsburg, die die rund vier Minuten dauernde Überfahrt von Kützkow genießen. Sie sind mit ihren Fahrrädern bei über 30 Grad auf dem Havelradweg in Richtung Potsdam unterwegs. „Ich war schon zur Buga 2015 im Havelland. Es ist wieder wunderschön“, findet Wolfgang Drexl. In die andere Richtung nach Wittenberge wollen vier Freunde aus Altdorf bei Nürnberg. Ob es für eine Radtour nicht zu heiß sei? „Wir kommen aus Bayern. Wir sind stark“, scherzt Günther Bauer auf der Fähre.

Wolfgang und Ingrid Deixel aus Ausburg nehmen auf der Fähre den Kampf gegen die Gluthitze auf. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bei schönem Wetter reißt der Strom der Radtouristen nicht ab. Außerdem herrscht Hochbetrieb in den Kützkower Datschen. Längst ist die Pritzerber Fähre, die 365 Tage im Jahr ihren Dienst tut, von einem Arbeitspferd zu einem Touristenmagnet geworden. „Man wird so oft von netten und entspannten Menschen angesprochen. Da vergehen Zeit und Hitze wie im Flug“, so Fährmeister Paulick.

Von Frank Bürstenbinder

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