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Beetzsee Frau verfängt sich beim Baden in Angelschnur
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Frau verfängt sich beim Baden in Angelschnur
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10:23 31.07.2019
In diese Angelschnur mit Drillingshaken geriet Hannelore Rom beim Baden in der Havel. Quelle: Frank Bürstenbinder
Tieckow

Diesen Badetag wird Hannelore Rom nicht so schnell vergessen. Fein und spinnenhaft legte sich etwas um ihren Körper, als sie in Brusthöhe im Wasser stehend zum ersten Schwimmzug ausholte.

Es war anders als die Wasserpflanzen, die sie in der Havel bei Tieckow gewohnt war. „Vor Schreck dachte ich, dass ich in ein Netz geraten sei. Ich wollte es abstreifen, aber es wurde immer mehr“, berichtet die Ruheständlerin der MAZ.

Über 20 Meter lang

Doch das vermeintliche Netz entpuppte sich als Angelmontage mit einer mehr als 20 Meter langen Schnur. „Ich dachte, das muss raus. Dann habe ich gezogen und gezogen“, erinnert sich Rom.

Am Ende kam eine ungewöhnlich schwere 50-Gramm-Pose und ein großer Drillingshaken zum Vorschein, der die Badende hätte böse verletzen können. Abgespielt hat sich der Vorfall im Wasser vor dem Privatgrundstück der Tieckowerin, die sich jetzt Sorgen über weiteren herrenlosen Angelmüll macht.

Schnüre in der Bootsschraube

Und zwar nicht zu unrecht, wie Berufsfischer Lutz Mehlhase aus dem benachbarten Briest bestätigt. „Es schwimmt viel von dem Zeug in der Havel. Menschen und Tiere können sich damit strangulieren. Abgerissene Angelschnüre habe ich regelmäßig in der Bootsschraube“, sagte der Fischer der MAZ. Was Mehlhaase im Alltag immer wieder beobachtet. Von Bungalowbooten sind nicht selten zwei bis vier Angeln gleichzeitig im Wasser.

Rund 20 Meter vom flachen Ufer entfernt, geriet Hannelore Rom in die lange Angelmontage. Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei dem auf der Havel verbotenen Schleppangeln können Schnüre schnell abreißen, wenn sich die Köder an Hindernissen festmachen. Die gerissenen Schnüre bleiben dann im Wasser. „Andere Angler werfen ihre Montagen über meine Stellnetze und bleiben dann mit den Haken hängen“, weiß Mehlhase. Hinterlassenschaften verunglückter Angelausflüge können Schwimmer oder Wasservögel tatsächlich gefährlich werden.

Keine Reste ins Wasser

Carsten Wuttke, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Brandenburg/Land, kennt das Problem mit dem Angelmüll im Wasser und auf dem Land. „Ein Schnurbruch nach einem Hänger kann jedem passieren. Doch wer die Fischweid verantwortungsbewusst betreibt, kann das Risiko von verlorenen Angelmontagen minimieren. Auch sollte es selbstverständlich sein, die Angelstelle sauber zu verlassen. Schnurreste gehören keinesfalls ins Wasser“, weiß Wuttke.

Netze sind ausgeschildert

Dass Schwimmer es im Wasser mit Teilen gewerbsmäßiger Fanggeräte zu tun bekommen, hält Ronald Menzel von der Fischereischutzgenossenschaft „Havel“ in Brandenburg für ausgeschlossen: „Solch einen Fall gab es noch nie. Die Netze unserer Mitglieder sind ausreichend ausgeschildert. Wer Abstand hält, muss sich keine Sorgen machen.“

Vorbild USA und Skandinavien: Umfunktionierte Abflussrohre nehmen an vielen Angelstellen den Angelmüll auf, darunter vor allem die aus Kunststoff bestehenden Angelschnüre, damit diese nicht Vögeln zum Verhängnis werden. Quelle: Florian Läufer

Zurück nach Tieckow. Profi-Angler Jan Borek aus Plaue hat die von Hannelore Rom an Land gezogene Angelmontage in Augenschein genommen. „Offenbar ein Werk von Laien. Im Verhältnis zur Schnur ist die Pose viel zu schwer. Sieht nach Urlaubern aus. So etwas verkauft hier keiner“, meint Borek.

Der Betreiber eines Angel-Fachgeschäftes sieht weniger den Menschen durch Angelmüll gefährdet, als vielmehr die Vogelwelt. Die Schüre werden gerne von den Altvögeln als Nistmaterial aufgenommen. Für die Jungen kann die Sehne dagegen den Tod bedeuten.

Maden in Mehrwegbechern

Borek verweist zu dem Thema auf Skandinavien und die USA. Dort gehören Abfallbehälter für Schnüre an den Angelstellen mittlerweile zum Standard. Er selbst hat in seinem Geschäft der Verpackungsflut den Kampf angesagt.

Maden verkauft der Profi nur noch in stabilen Mehrwegbechern, die von den Petrijüngern immer wieder verwendet werden können – im Gegensatz zur knautschigen Plastik handelsüblicher Packungen, die nur einen Angeltag überstehen.

Von Frank Bürstenbinder

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