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Beetzsee Wählergruppen wollen an die Macht
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Wählergruppen wollen an die Macht
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11:20 15.05.2019
Die Mitglieder der neuen Wählergruppe "Initiative für Beetzsee" Christian Schott, Claudia Biene, Mario Schneider und Torsten Richter (v.l.). Quelle: Frank Bürstenbinder
Amt Beetzsee

 Solch ein Gerangel gab es noch nie bei einer Kommunalwahl. Um die fünf ehrenamtlichen Bürgermeisterposten im Amt Beetzsee bewerben sich zehn Männer. Frauen sind nicht unter den Kandidaten. Auch bei den 58 zu vergebenen Sitzen in den vier Gemeindevertretungen und einer Stadtverordnetenversammlung ist von Politikverdrossenheit nichts zu spüren. Insgesamt gibt es 114 Bewerber, von denen 26 Frauen sind.

Wahl der Ortsbeiräte

Neben der Stadtverordnetenversammlung von Havelsee und den Gemeindevertretungen werden auch die Ortsbeiräte in den Ortsteilen neu gewählt. Um die 36 Sitze, die in zehn Ortsbeiräten zu vergeben sind, bewerben sich 65 Kandidaten.

Eine Ausnahme gibt es in der Gemeinde Roskow. In den Ortsteilen Roskow, Weseram und Lünow werden nur noch Ortsvorsteher gewählt. Und zwar direkt. In Lünow tritt Petra Szymoniak (Freie Bürger und Bauern) an.

In Weseram will Werner Rostek (Freie Bürger und Bauern) Ortsvorsteher bleiben. In Roskow bewerben sich Thomas Schulz (Freie Bürger und Bauern) sowie Thomas Kämmerer von „Wir für Roskow“. In allen anderen Ortsteilen werden die Ortsvorsteher aus den Reihen der gewählten Ortsbeiräte heraus gewählt.

In der Stadt Havelsee als der größten Kommune im Amtsbereich will Jens-Peter Heider (CDU) neuer Bürgermeister werden. Der 54-jährige Polizist versteht sich als Alternative zum langjährigen Bürgermeister Günter Noack (62). Der parteilose Amtsinhaber strebt eine Verlängerung seines Ehrenamtes an. Doch Heider sieht die Zeit für einen neuen Politikstil gekommen. Der Fohrder will mehr Einbeziehung der Öffentlichkeit in Diskussionen. Die von Noack eingeführten Problemberatungen hinter verschlossenen Türen lehnt er ab

Jens-Peter Heider von der CDU tritt in Havelsee gegen Bürgermeister Günter Noack an. Quelle: Rüdiger Böhme

Für Heider, der erneut für den Fohrder Ortsbeirat sowie erstmals für den Kreistag und die Stadtverordnetenversammlung antritt, ist die Standort- und Kostendebatte über eine geplanten Turnhalle nicht abgeschlossen. Nicht aus den Augen verlieren dürfe die Kommunalpolitik die unzureichende Nahversorgung, den derzeit abgeschmetterten Radweg von Pritzerbe nach Marzahne und die verstärkte Nutzung sozialer Medien, um Havelsee bekannter zu machen. Heider hat die uneingeschränkte Unterstützung des CDU-Amtsverbandes. Dieser tritt mit vier Kandidaten zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung an. Die überschaubare Liste wird von Carsten Muschol angeführt, der dem Gremium bereits angehört.

Personell gut aufgestellt

Für das Amt Beetzsee liegen zur Kommunalwahl 24 Wahlvorschläge mit 114 Bewerbern für die insgesamt 58 zu vergebenen Sitze in den vier Gemeindevertretungen und der Stadtverordnetenversammlung Havelsee vor.

Überwiegend beteiligen sich Wählergruppen und Einzelbewerber an der Wahl. Parteigebundene Wahlvorschläge kamen von der CDU, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Die CDU stellt in drei Gemeinden Bewerber.

SPD, Linke sowie die Bündnisgrünen stellen jeweils einen Bewerber in nur einer Gemeinde. Die AfD und andere Parteien sind als Wahlvorschläge im Amt Beetzsee nicht vertreten. Mehrere Einwohner aus dem Amt Beetzsee treten außerdem für die Wahl zum Kreistag an.

Mit zwölf Bewerbern konnte die Bürgerinitiative für ein besseres Havelsee die meisten Kandidaten auf die Beine stellen. Simone Kraatz, Wolfgang Vogeler und Sven Schindler gehören zu den bekannten Gesichtern. Neu in die Kommunalpolitik wollen unter anderem Dirk Barnewitz, Tino Rödiger und Loreen Emanuel. Auf der Liste steht auch Brandenburgs ehemaliger OB-Kandidat Jan van Lessen aus Tieckow.

Kleine Orte nicht vergessen

Um die Wählergunst für die Stadtverordnetenversammlung von Havelsee wirbt auch die Wählergruppe Marzahne. Ein Trio, das von Yvonne Sperling angeführt wird. „Wir wollen Marzahne eine Stimme geben, sonst wird ein kleiner Ort schnell vergessen. Dazu darf es nicht kommen“, sagte Sperling der MAZ. Seit der Wendezeit bei jeder Wahl dabei ist die Liste der Bürgerbewegung, an deren Spitze erstmals Richard Rose aus Hohenferchesar steht. Die insgesamt acht Namen stehen unter anderem für mehr Sauberkeit und Ordnung im Stadtbild, den Umbau der Pritzerber Kita und den Erhalt der Sparkasse.

Beetzsee-Bürgermeister Rainer Britzmann (CDU) bekommt zur Kommunalwahl zweifache Konkurrenz. Quelle: JACQUELINE STEINER

Spannend wird es auch in der Nachbargemeinde Beetzsee, wo es gleich drei Bewerber um den Bürgermeisterposten gibt. Für die CDU tritt Amtsinhaber Rainer Britzmann noch einmal an. Die neue Initiative für Beetzsee, die von Mario Schneider angeführt wird, schickt Torsten Richter ins Rennen. Richter hat als Gemeindevertreter bereits Erfahrungen in der Kommunalpolitik. Im Falle seiner Wahl wolle er mit Sachthemen zur Gemeinschaftsarbeit zurückkehren. Zu oft hätten in der Vergangenheit persönliche Befindlichkeiten eine Rolle gespielt, sagte Richter der MAZ.

Die aus vier Personen bestehende Initiative kann sich unter anderem gemeinsame Dorffeste von Brielow und Radewege vorstellen. „Für sinnvoll halten wir auch den Aufbau eines schlagkräftigen Bauhofs auf Amtsebene“, kündigte Mario Schneider an.

Gorecki tritt noch mal an

Die meiste Auswahl von Kandidaten für die Wahl zur Gemeindevertretung finden die Wähler in Beetzsee bei der Bürgerliste Beetzsee. Manfred Gorecki führt zehn Namen an. Die meisten von ihnen wollen auch in die beiden Ortsbeiräte einziehen. Als langjähriger Gemeindevertreter und ehemaliges Gemeindeoberhaupt steigt Gorecki als dritter Bürgermeisterbewerber in den Ring. Als Einzelwahlvorschlag versucht Alexander Hauschild den Einzug in die Gemeindevertretung. Für die Linke ist Ingrid Feuerherd erneut dabei.

Ein Amt – fünf Gemeinden

Das Amt Beetzsee gibt es seit Mai 1992. Aus zunächst 15 separaten Gemeinden sind nach der Gemeindereform von 2002 fünf Mitgliedskommunen mit insgesamt rund 8200 Einwohner geworden.

Dazu gehören die Stadt Havelsee mit Briest, Fohrde, Pritzerbe, Hohenferchesar und Marzahne. Die Gemeinde Beetzsee bilden Brielow und Radewege. Die Gemeinde Beetzseeheide besteht aus Butzow, Ketzür und Gortz.

Lünow, Weseram und Roskow bilden die Gemeinde Roskow. Päwesin ist mit der Gemeindereform von 2002 Päwesin geblieben. Und zwar mit den bekannten Ortsteilen Riewend, Bagow und Bollmannsruh.

Mit sieben Vorschlägen ist die CDU auf dem Wahlzettel zu finden. Darunter neue Gesichter, wie Anika Albrecht und Marcus Mukrasch. Ganz oben auf der Liste steht Rainer Britzmann, der neben seiner erneuten Bürgermeisterkandidatur auch einen Sitz im Gemeinderat anstrebt.

Dirk Lange will Bürgermeister von Beetzseeheide werden. Quelle: Frank Bürstenbinder

In der Gemeinde Beetzseeheide wird es auf jeden Fall einen Wechsel an der Spitze geben. Der langjährige Bürgermeister Eberhard Pinkpank zieht sich aus persönlichen Gründen aus der Kommunalpolitik zurück. Beerben wollen ihn zwei Männer: Landwirt Richard Falke von der Wählergruppe Gortz und der Angestellte Dirk Lange aus Butzow von der neuen Liste „Wir für Beetzseeheide!“, die auf Anhieb sieben Kandidaten für die Gemeindevertretung mobilisieren konnte, darunter Britta Fraas und Kerstin Maloszyk aus Ketzür. Bruno Schnorbach führt die aus fünf Personen bestehende Wählergruppe Gortz an. Für die Freien Bürger und Bauern will Roland Kose im Gemeinderat bleiben. Als einziger SPD-Mann im gesamten Amt Beetzsee steht Andreas Wolf aus Gortz auf dem Wahlzettel.

Kühne ohne Konkurrenz

In Päwesin gilt die Wiederwahl von Hubertus Kühne zum Bürgermeister als sicher. Als einziges Gemeindeoberhaupt im Amt Beetzsee muss der langjährige Amtsinhaber von der Unabhängigen Wählerliste Päwesin nicht gegen einen Mitbewerber antreten. In der Wahl zur Gemeindevertretung bringt es seine Liste auf neun Namen. Darunter ist erneut Johannes Lehndorf, der mit 82 Jahren der älteste Kommunalwahlbewerber im ganzen Amt ist. Kühne hätte nach 25 Jahren in der Gemeindevertretung gerne einen anderen Bürgermeisterkandidaten gesehen. Aber es fand sich niemand.

Lisa Price für die Grünen

Ganz neu in die Päwesiner Kommunalpolitik will Frank Wasser einsteigen. Der Pianist aus der Fischerstraße bewirbt sich unter der Flagge der CDU um einen Sitz im Gemeinderat. Nach ihrer Abkehr von der SPD tritt Lisa Price dieses Mal für Bündnis 90/Die Grünen an. Nicht mehr auf dem Wahlzettel zu finden ist Frank Brademann. Nach vielen Jahren als Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister zieht sich der Päwesiner aus der Kommunalpolitik zurück. Dafür gibt es mit Marco Biele, Ingo Ahrens, Christin Diehr und Reinhard Tuch vier Einzelbewerber.

Der Roskower Bürgermeisterkandidat Wolfgang Börstler (l.) und Ortsvorsteher-Bewerber Thomas Kämmerer von der Liste „Wir für Roskow“. Quelle: Frank Bürstenbinder

In Roskow wird es spannend. Der Zusammenschluss „Wir für Roskow“ hat zwölf überwiegend junge Männer und Frauen für die Gemeindevertretung in Stellung gebracht. Sie kennen sich von der Feuerwehr, treiben gemeinsam Sport, bringen zusammen ihre Kinder zur Schule. Angeführt wird die Liste von Wolfgang Börstler. Der Neueinsteiger will Thomas Schulz von den Freien Bürgern und Bauern (FBB) als Bürgermeister ablösen.

Für frischen Wind

„Wir wollen positive Entwicklungen fortsetzen. Andererseits kann die Gemeinde Roskow frischen Wind in der Kommunalpolitik gut brauchen“, sagte Börstler der MAZ. Nahversorgung, Gehwege, ÖPNV und Vereinsarbeit sind unter anderem Themen, die sich „Wir für Roskow“ auf die Fahne geschrieben hat. Im Roskower Dorfgemeinschaftshaus wünscht sich die Liste mehr Leben. Mit Thomas Kämmerer stellt „Wir für Roskow“ außerdem den Ortsvorsteherkandidaten für Roskow –neben Thomas Schulz. Die Freien Bürger und Bauern wollen mit sechs Bewerbern in die Gemeindevertretung einziehen. Dazu kommt die ebenso bekannte Wählergemeinschaft Ernst-Thälmann-Straße aus Weseram.

Von Frank Bürstenbinder

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