Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Beetzsee Ketzürer Mosterei nimmt Abschied von der Kultmarke Bugaloo
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Ketzürer Mosterei nimmt Abschied von der Kultmarke Bugaloo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:49 15.10.2019
Der noch warme Quittensaft fließt nach dem Pasteurisieren durch die von Markus Teschner bediente Abfüllanlage. Heiko Richter verschließt die Flaschen. Für hauseigene Produkte wird Quitte gern mit Apfel gemischt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Ketzür

Am Dienstag ist Quittentag. Vor der Obstannahme geht es eng zu. Aus Kofferräumen und von Autoanhängern werden immer neue Körbe ausgeladen. Kleingärtner und Streuobstwiesenbesitzer bringen Nachschub für die Mosterei Ketzür. Presswalzen verwandeln die gelben, duftenden Früchte in wertvollen Saft, der an der Abfüllanlage wie flüssiger Bernstein in Glasflaschen rinnt.

Hofladen und Online-Shop

Die Ketzürer Mosterei wurde 2006 von Kai Brass gegründet. Neun Jahre später übernahmen die beiden Jungunternehmer Achim Fießinger und Manuel Stephan den Betrieb. Am bewährten Konzept der Lohnmosterei wurde festgehalten, doch kamen immer mehr Eigenprodukte hinzu.

Die 2015 zur Buga eingeführte Hausmarke Bugaloo geht noch auf Kai Brass zurück. Ab sofort firmieren alle Säfte unter dem neuen Namen MostManufaktur Havelland. Neben dem Hofladen in Ketzür gibt es einen Online-Shop.

Abnehmer in der Region sind unter anderem Einzelhändler, Cafés, Restaurants, Kinos, Theater und die Reha-Klinik Bad Belzig, mit der zusammen 2018 ein Direktsaft aus Früchten und einer Süßwasser-Mikroalge entwickelt wurde. In Potsdam ist die Mosterei im Unverpackt-Laden am Luisenplatz gelistet.

Mitten drin in der Schlange wartet Klaus Benthin auf seinen Auftritt. Seit Jahren bringt der Mann aus Seddiner See die Ernte seiner stets reich tragenden Bäume nach Ketzür. „Bei uns gibt es leider keine Mosterei, von der ich den Saft von eigenen Früchten mit nach Hause nehmen kann“, sagte Benthin der MAZ.

Klaus Benthin schüttet seine Quitten auf den Tisch, der zur Presse führt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Rund 400 Kilo hat der Quitten-Freund geladen, die von sechs Bäumen der zu DDR-Zeiten gepflanzten Sorte Wudonia stammen. Mit der Menge ließen sich etwa 240 Ein-Liter-Flaschen füllen.Weil der Ertrag den Eigenbedarf übersteigt, kommen in Seddiner See selbst die Gäste der dortigen Heimvolkshochschule in den Genuss der am Beetzsee gepressten Früchte. Benthin ist Leiter der Bildungseinrichtung und lässt den Saft in der hauseigenen Küche zu Quittengelee veredeln – ein regionaler Renner am Frühstücksbuffet.

Obst wird aufgekauft

„Die Quitte war nie weg. Aber sie ist bis heute ein Nischenobst geblieben“, weiß Mosterei-Chef Achim Fießinger. Das kleine und erfolgreiche Unternehmen, bei dem inzwischen vier Leute ganzjährig beschäftigt sind, kauft selbst Obst von Erzeugern auf, um eigene Produkte zu vermarkten. Einen Teil seiner unzähligen Quitten wird Stammkunde Benthin deshalb noch vor dem Ausschütten in die Presse los. Ein Geschäft für beide Seiten.

Quitten über Quitten: Vor der Obstannahme der Ketzürer Mosterei. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Mosterei nutzt Quitten als willkommene Zugabe, um insbesondere eigenen Mischsaft zu produzieren. „Quitte und Apfel sind ein hervorragender Mix. Für Leute, die an einer eigenen Weiterverarbeitung interessiert sind, bieten wir Quittensaft auch pur an“, so Fießinger. Die Ketzürer Mosterei ist für zahlreiche selbst entwickelte Hausprodukte bekannt. Für Schlagzeilen sorgte erst im vergangenen Jahr die Markteinführung eines naturtrüben Direktsaftes aus heimischen Früchten samt einer Süßwasser-Mikroalge namens Chlorella.

Trockenheit und Frost

Sorgen macht den Ketzürer Saftpressern die Rohstoffsituation. Im zweiten trockenen Jahr in Folge, sind die Erträge in den Obstgärten deutlich eingebrochen. Dazu kamen frostige Aprilnächte in diesem Jahr, die in so manchen Beständen zu Totalausfällen führten. „Die Folgen bekommen wir jetzt zu spüren. Im Bereich der Lohnmosterei ist weit weniger zu tun, als in normalen Jahren“, weiß Mosterei-Chef Fießinger.

Veredlung ist wichtiges Standbein

Zum Glück gibt es gewerbliche Obstbauern, die noch Äpfel als Hauptfruchtart für hauseigene Säfte liefern können. Die Lohnmosterei allein würde die GmbH nicht am Leben erhalten. Veredelte Produkte sind zum wichtigen Standbein geworden. Der große Durchbruch in der Gastronomie und im Einzelhandel gelang mit der Einführung der Marke Bugaloo zur Bundesgartenschau 2015.

Mosterei-Geschäftsführer Achim Fießinger zeigt Eigenmarken im alten (links) und neuem Design. Quelle: Frank Bürstenbinder

In einem nächsten Schritt startet die Mosterei in wenigen Tagen mit einem komplett neuen Auftritt. Aus der Mosterei Ketzür wird die MostManufaktur Havelland. „Mit diesem Namen wollen wir dem handwerklichen Produktionsverfahren und unserer Verbundenheit zum Havelland Rechnung tragen“, begründet Geschäftsführer Fießinger die Umbenennung.

Keine Kronkorken mehr

Doch dabei allein bleibt es nicht. Auch die Säfte werden ab Mitte Oktober nur noch unter dem neuen Markennamen im Handel verkauft. Der Name Bugaloo wird auf den mit einem bunten und frischen Design versehenen Etiketten nicht mehr zu finden sein. Bei allen neuen 0,25-Liter-Flaschen kommen statt Kronkorken Schraubverschlüsse zum Einsatz.

 

Von Frank Bürstenbinder

So kann es gehen: Aus einer friedlichen Familienfeier wird ein lauter Streit. Ein Mann eskaliert und randaliert, muss sich dann aber auch noch helfen lassen.

14.10.2019

Es ist nur ein Blechschuppen. Doch der Inhalt wurde nach einem schlimmen Feuer in der Briester Nachbarschaft zum Sondermüll. Heidi Walter droht auf den Brandabfällen sitzenzubleiben.

14.10.2019

Es ist kein Auto zum Löschen. Doch der neue Mannschaftstransporter ist für die Brielower Kameraden unverzichtbar. Es gibt viel Platz für Mensch und Technik.

13.10.2019