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Beetzsee Klimawandel: Wie sich Radewege vor Starkregen schützt
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Klimawandel: Wie sich Radewege vor Starkregen schützt
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15:21 15.04.2019
Acht Jahre nach dem Baustart gibt Bürgermeister Rainer Britzmann (3.v.l.) die Gesamtanlage zum Schutz Radeweges vor Starkregen frei. Die Kommune hatte sich entschlossen in mehreren Bauabschnitten vorzugehen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Radewege

Zwölf Jahre nach der großen Flut, die sich von den harmlos wirkenden Hängen des Molkenberges und des Rießmietenberges auf das Dorf ergoss, ist Radewege vor künftigen Starkregen-Katastrophen sicher. Jedenfalls nach menschlichem Ermessen. In dieser Woche erfolgte durch die Firma Grigat Bau aus Ziesar die Fertigstellung des letzten Erdbaumaßnahme, die zu einem ganzen Paket von Schutzbauten gehört, um die nördliche Siedlungskante vor Wetterextreme zu schützen.

Rückhaltebecken, Wälle, Ableitungsstrecken: Ein ganzes Arsenal von Erdbauwerken schützt das Beetzsee-Dorf in Zukunft vor Starkregen.

Es war Pfingsten 2007, als die Hölle über Radewege losbrach. Über 100 Liter Regen in wenigen Stunden verwandelten insbesondere den neuen Wohnpark oberhalb der historischen Ortslage in ein Überschwemmungsgebiet. Hausbesitzer verzeichneten zum Teil beträchtliche Schäden. Acker wurde fortgespült. Es blieb nicht beim ersten Schock. „Im August folgte die nächste Ladung, bei der selbst große Feldsteine über hunderte Meter von den Wassermassen mitgerissen wurden“, erinnert sich Landwirt Gerhard Ullrich. Die Diskussion über den Klimawandel stand damals ganz am Anfang.

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Die größte Rückhalteanlage über der Dorfmitte wurde bereits vor einigen Jahren fertig. Derzeit ist das Überschwemmungsbecken trocken. Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch betroffene Bürger machten mobil, warnten vor weiteren Wetterextremen. Zum Schutz der Einwohner reagierte die Politik. „Wenn auch nach etlichen Diskussionen. Dafür ist heute ein guter Tag für unsere Gemeinde“, meinte Beetzsee-Bürgermeister Rainer Britzmann am Mittwoch bei der feierlichen Übergabe des Gesamtprojektes. Rund 800 000 Euro wurden seit 2010 in den Bau von Rückhaltebecken, Wällen, ober- und unterirdischen Ableitungsstrecken sowie Ein- und Auslaufbauwerken investiert. „Wir sind froh, dass ein Teil der Kosten vom Land gefördert wurde, die Gemeinde hätte es sonst sehr schwer gehabt“, so der Bürgermeister.

Erst halten, dann ableiten

Im Kern geht es bei der Investition um den Schutz Radeweges vor plötzlichen Starkregenereignissen, wie sie Wissenschaftler seit geraumer Zeit für Brandenburg voraussagen. Ein ganzer Riegel aus verschiedenen Erdbauwerken wehrt das heranströmende Oberflächenwasser ab. Gefahr droht aus dem Hinterland in einer Größenordnung von rund 100 Hektar. Unter Berücksichtigung der Fließrichtungen hat das Planungsbüro Klenke aus Brück drei Einzugsgebiete ausgewiesen, die das Wasser nicht nur ableiten, sondern in sogenannten Retentionsräumen zunächst in der Landschaft halten.

So sah es 2007 nach einem der katastrophalen Starkregenereignisse unweit des Dorfes in der Feldmark aus. Unterspülte Erdmassen waren in den sogenannten Russengraben gerutscht. Über diesen Graben wird das Marzahner Fenn entwässert. Quelle: Frank Bürstenbinder

 

„Ohne Ableitung in den Beetzsee und in die Radeweger Löcher geht es jedoch nicht. Denn Wasser fließt auch unterirdisch. Nasse Keller wären die Folge“, sagte Planer Michael Klenke. Zusammengenommen können alle Rückhaltesysteme rund 11 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. Eine Menge, in der mehrfache Sicherheiten einberechnet sind. Ursprüngliche Pläne eines Vorgängerbüros sahen vor rund 25 000 Kubikmeter Oberflächenwasser zu speichern, was allerdings rund 1,6 Millionen Euro Baukosten bedeutet hätte – zu den Baupreisen von 2008. Diese Vorstellungen waren dann aber als deutlich überzogen verworfen worden.

Letzter Abschnitt fertig

Anlass für die Übergabe des Gesamtbauwerkes war die jüngste Fertigstellung des sogenannten Einzugsgebietes 1 oberhalb des Radeweger Ortseinganges aus Richtung Radewege-Siedlung. Dort entstand ein Wall sowie eine verrohrte Ableitungsstrecke, die unter die Landesstraße in Richtung Radeweger Löcher führt. Um sich überhaupt in den Besitz der Flächen für die Rückhalteanlagen zu bringen, beschloss die Kommune eine Flurneuordnungsverfahren.

Von Frank Bürstenbinder