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Beetzsee Rettung für die schönsten Schmetterlinge
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Rettung für die schönsten Schmetterlinge
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14:58 08.07.2019
Keine Angst vor großen Faltern hat der fünfjährige Florian Wolf aus Weseram.
Keine Angst vor großen Faltern hat der fünfjährige Florian Wolf aus Weseram. Quelle: Privat
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Weseram

Sie gehören zu den schönsten und größten Schmetterlingen unserer Heimat. Doch auch die Schwalbenschwänze sind selten geworden. Deshalb tut Christian Wolf etwas für den Erhalt der Art. Er hilft mit seinem ungewöhnlichen Hobby, dass möglichst viele der Tagfalter auf die Welt kommen. Wie das geht?

Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling gleicht einem Wunder. In Weseram gehören die selten gewordenen Falter fast zur Familie.

Der Weseramer baut gezielt Pflanzen in seinem Garten an, die von Schwalbenschwänzen zur Eiablage angeflogen werden. Die geschlüpften Raupen fressen unter anderem das Grün von Möhren, Dill und Fenchel. Jeden Tag sucht Wolf die Doldengewächse nach den auffallend grün gefärbten Raupen ab.

Raupenkasten im Garten

„Viele sind es nicht. In diesem Jahr waren es nur drei Exemplare. Es gab auch schon fünf Raupen. Insgesamt ist die Population zurückgegangen“, berichtet der Falter-Fan. Zum Schutz vor ihren Fressfeinden setzt Wolf die Raupen in einen Kasten aus Drahtgeflecht um, der über einer Möhrenreihe steht.

Der Schwalbenschwanz gehört zu den schönsten Schmetterlingen unserer Heimat. Doch auch diese Art ist selten geworden. Quelle: Frank Bürstenbinder

Einige Stöckchen imitieren Pflanzenstengel, an denen die Raupen zum Verpuppen mit einem Gespinstfaden andocken. Nach rund zwei Wochen beginnt im Garten das große Schlüpfen. „Es ist immer wieder ein Wunder der Natur, wenn aus der unscheinbaren Puppe solch ein wunderschöner Falter wird“, schwärmt Wolf, der mit seiner Liebe zu den Schwalbenschwänzen auch Ehefrau Melanie, die Zwillinge Julian und Florian sowie Tochter Maja angesteckt hat. Angst vor krabbelnden und fliegenden Insekten kennen die Kinder nicht.

Viele Feinde im Leben

Der Schwalbenschwanz ist in vielen Gegenden Deutschlands selten geworden. In Gärten sollten die auffälligen Raupen unbedingt geschont werden. Weil sie einzeln auftreten, richten sie keinen spürbaren Schaden an.

Raupen müssen sich vor Vögeln in acht nehmen. Dass nicht aus jeder Puppe ein Falter schlüpft, liegt auch an Parasiten, bei denen es sich um Larven anderer Insekten handelt. Auch fertige Schmetterlinge haben Feinde, zum Beispiel die Hornisse.

Im Mai schlüpfen die Falter der ersten Generation. Die zweite Generation folgt im Juli, deren Nachkommen in der Regel als Puppe überwintern und ihre Entwicklung zum Falter im nächsten Frühjahr fortsetzen.

In ungeschützter Natur sind die Minuten nach dem Schlüpfen auch die gefährlichsten im kurzen Leben eines Schmetterlings. Bevor der Falter seine Flügel aufstellt, kann er zur leichten Beute von Vögeln werden. „Weil sich die Schwalbenschwänze ohnehin rar machen, möchte ich auf diese Weise dafür sorgen, dass sich die wenigen Exemplare ungestört vermehren können“, begründet Wolf seine private Rettungsaktion.

Christian Wolf aus Weseram freut sich über die auf seinem Grundstück geschlüpften Schwalbenschwänze. Quelle: Frank Bürstenbinder

Immerhin kann ein begattetes Weibchen bis zu 150 Eier ablegen. Diese werden auf zahlreiche Pflanzen verteilt, um zu vermeiden, dass sich die späteren Raupen gegenseitig auffressen. Um den Schwalbenschwänzen den Garten schmackhaft zu machen, haben die Wolfs im hinteren Teil eine Blühfläche angelegt, wo die Falter Nektar als Nahrungsgrundlage finden. Die Eier wiederum werden nach der Paarung an den Blättern der Futterpflanzen abgelegt.

Suche nach Raupen

Christian Wolf nutzt jeden Spaziergang außerhalb des eigenen Gartens, um die Raupen des Schwalbenschwanzes aufzuspüren. Was nicht einfach ist, denn wilde Möhren oder Fenchel sind in freier Landschaft kaum noch zu finden. Die gelben Falter mit ihren schwarzen Mustern und den roten Augenflecken halten ihre Paarungsrituale über markanten Erhebungen ab. „Das können die Götzer Berge oder sogar ein Kirchturm sein“, weiß der Weseramer.

Fotoapparat immer dabei

Immer mit dabei hat Wolf einen Fotoapparat, um alle Stadien der Metamorphose vom Ei zum fertigen Schwalbenschwanz zu dokumentieren. Dabei sind ihm eindrucksvolle Motive und Filme gelungen, mit denen er selbst Schmetterlingsfreunde in sozialen Netzwerken begeistert. Die Falter machen sogar mit. Unaufgeregt setzen sie sich auf Hände und Köpfe ihrer „Wirtsleute“, als wollten sie vor dem Abflug in das Abenteuer ihres Lebens noch einmal Danke sagen.

Von Frank Bürstenbinder