So läuft Himmelfahrt an der Pritzerber Havel
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16:49 19.05.2020
Fährmeister Reinhard Paulick (l.) und sein Kollege Thomas Behns teilen sich Himmelfahrt den Dienst auf der Pritzerber Autofähre. In normalen Jahren herrscht am Herrentag Hochbetrieb im Pendelverkehr über die Havel. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Pritzerbe

Die violetten Blüten sind das Symbol des Tages. Flieder und Himmelfahrt gehören zusammen wie der Weihnachtsbaum an Heiligabend. Auch mitten auf der Havel werden Fährmeister Reinhard Paulick und sein Kollege Thomas Behns am Herrentag mit Fliederblüten Flagge zeigen. Vor allem als Gruß an die vielen Radfahrer und Ausflugsgesellschaften, die mit allen möglichen und unmöglichen Gefährten von einem Ufer zum anderen übersetzen wollen.

Viele Radfahrer erwartet

„In normalen Zeiten rechnen wir am Herrentag immer mit Hochbetrieb“, berichtet Fährmeister Paulick. Kein Wunder, die Fährverbindung zwischen Pritzerbe und Kützkow liegt faktisch auf dem berühmten Havelradweg, der Jahr für Jahr neben den Autofahrern immer mehr Ausflügler auf zwei Rädern in das über 1000-jährige Fischer- und Schifferstädtchen bringt. Doch ob es Himmelfahrt 2020 auch so kommt?

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Fährmann Stefan Grabow macht seinen Job jetzt hinter einem Absperrband. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Darüber kann man nur spekulieren. Wir sind jedenfalls auf alles vorbereitet. Allerdings müssen sich die Nutzer der Fähre auf einige Regeln einstellen“, sagte Paulick der MAZ. So ist das Betreten der Kabine beim Bezahlen tabu. Die offene Tür ist mit rot-weißem Absperrband gekennzeichnet. Geld und Kassenbon werden in einer Holzschale gewechselt. „Abstand halten ist für unsere Kunden ohnehin zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Masken muss beim Übersetzen niemand tragen“, so Paulick.

Letzter Dienst an Himmelfahrt

Für den Pritzerber Fährmeister wird es an diesem Donnerstag der letzte Himmelfahrtsdienst sein. Ab Juni verlässt der gelernte Schlossermeister den schwimmenden Arbeitsplatz, um seinen wohlverdienten Ruhestand zu genießen. Mit Daniel Schulze steht ein Nachfolger fest. Über hundert Mal wird die Autofähre auch am Himmelfahrtstag zwischen Pritzerbe und Kützkow wechseln. Los geht es am Feiertag um 8 Uhr. Die letzte Tour tuckert um 22.30 Uhr über den Fluss. So manche fröhliche Truppe haben die Fährmänner schon über die Havel gesetzt. „Reine Männergesellschaften sind selten geworden. Oft sind heute ganze Familien unterwegs“, weiß Paulick. Für die Fährleute gilt: Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps. Deshalb bleibt eine geschenkte Flasche Bier bis Dienstschluss unangerührt.

Gastwirt Klaus Meyer kann am Himmelfahrtstag auf sein 30-jähriges Geschäftsleben zurückblicken. Quelle: Frank Bürstenbinder

Für Ausflügler ist die Fährverbindung nicht nur wegen der landschaftlichen Abwechslung attraktiv. Zu beiden Seiten der Havel gibt es Einkehrmöglichkeiten. Der letzter Tresen vor dem Pritzerber Fähranleger steht in der Gaststätte „Am Kreuzdamm“. Gastwirt Klaus Meyer hätte eigentlich Ruhetag, lässt sich aber nach der Corona-Pause den Feiertag nicht entgehen. „So war es schon vor 30 Jahren, als ich mit meiner Frau Heidrun am Himmelfahrtstag 1990 noch mit DDR-Geld das erste Mal unsere gerade übernommene Gaststätte öffnete“, erinnert sich Meyer. Das 30-jährige Jubiläum wird nicht weniger verrückt – wegen der besonderen Umstände. Unter anderem wurden im Biergarten die desinfizierten Tische auseinandergerückt. Wer warm essen möchte, sollte sich besser vorher anmelden. Geöffnet ist der „Kreuzdamm“ ab 11.30 Uhr.

Die Gaststätte "Zum Nussbaum" in Kützkow ist Himmelfahrt auf Gäste eingestellt. Natürlich unter Beachtung der Corona-Regeln. Evelyn Czinczoll schreibt die Speisekarte an die Tafel. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auf der Kützkower Seite der Havel lockt der Biergarten der Gaststätte „Zum Nussbaum“ zur Einkehr. Schon mit dem Start der Lockerungsmaßnahmen für Restaurants am vergangenen Wochenende hatten die Kützkower Wirtsleute um Jan Lange gut zu tun. Die besonderen Einschränkungen in der Gastronomie gelten natürlich auch am Herrentag. „Die Gäste, deren Gesamtzahl begrenzt ist, werden platziert. Mehr als sechs Leute an einem Tisch dürfen es nicht sein. Und die Speisekarte schreiben wir mit Kreide an eine Tafel“, berichtet der Chef vom Erlebnishof Kützkow, der sich ab 11 Uhr auf die Herrentagsgäste freut.

Von Frank Bürstenbinder

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