Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Beetzsee Hier fliegt ein Bio-Acker durch die Luft
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Hier fliegt ein Bio-Acker durch die Luft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:48 24.04.2019
Die Sichtweite beim Sandsturm in Tieckow betrug nur wenige Meter. In Minutenschnelle hatte sich der Himmel verdunkelt. Große Teile der Ortslage wurden von einer dicken Staubschicht bedeckt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Tieckow

„Es gibt kein Frühjahr mehr, nur noch Extreme.“ Öko-Bauer Bastian Schumacher befürchtet nach dem Dürrejahr 2018 eine zweite Durststrecke für die Landwirtschaft. Der Landwirt aus Fohrde musste am Dienstag hilflos mit ansehen, wie ein Sandsturm seinen erst vor wenigen Tagen bestellten Acker gnadenlos durch die Luft wirbelte.

Fluchtartig Garten verlassen

Wie viel von dem teuren Bio-Saatgut in der Erde blieb, wird sich erst noch herausstellen. Um die wenige Restfeuchte im Boden auszunutzen, hatte Schumacher gleich nach dem Pflügen mit dem Drillen begonnen. Gut möglich, dass Lupinen und Öllein in den Vorgärten der angrenzenden Wohngrundstücke aufgehen. Über die Häuser der Tieckower ging die zu Staub zermalmte Muttererde nämlich nieder. Anwohner erlebten gespenstische Szenen, wie sie sonst nur im TV aus Wüstenregionen zu sehen sind.

Öko-Landwirt Bastian Schumacher aus Fohrde. Quelle: Frank Bürstenbinder

„In kurzer Zeit verdunkelte sich der Himmel. Mit dem stürmischen Ostwind rollte eine Staubwalze auf die Ortslage zu. Fluchtartig haben wir den Garten verlassen und brachten uns im Haus in Sicherheit“, berichten Hans und Sabine Förster. Keinen Schutz gab es für Pflanzen, Terrassen, Gartenmöbel, Gebäude, parkende Autos, Gehwege und die Landstraße. Große Teile des Dorfes wurden binnen Minuten von einer braun-grauen Schicht bedeckt.

Wenige Meter Sicht

Auch Landwirt Schumacher war zur selben Zeit in Tieckow unterwegs: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Sichtweite fiel unter 30 Meter.“ Eine erste Begehung des vom Sturm abgefrästen Ackers ergab, dass der Lein bereits gekeimt hatte. Ob die zarten Wurzeln noch fest genug im Boden verankert sind, um die jungen Pflanzen zu ernähren, ist bei rund 40 Hektar Anbaufläche derzeit nicht abzuschätzen.

Am Mittwoch kamen mit dem auffrischenden Ostwind die nächsten Staubwolken auf die benachbarten Wohngrundstücke zu. Quelle: Frank Bürstenbinder

Das nächste Problem für die Frühjahrssaaten ist die anhaltende Trockenheit. „Wenn es nicht bald regnet, sehe ich für die Keimlinge schwarz“, sagte Schumacher der MAZ. Doch auch das Grünland braucht Wasser. Gibt es keinen Wetterumschwung, bahnen sich neue Engpässe beim Heu für die Futterversorgung an. Gut entwickelt hat sich bislang der Hafer, den der Fohrder Landwirt bereits Ende Februar aussäte. Doch eine längere Trockenphase ist auch für diese Kultur Gift.

Immer neuer Staub

Hans und Sabine Förster machen sich inzwischen einen Schlachtplan, wie sie ihr Grundstück von den Staubmassen befreien. Im Garten würden ein Wasserschlauch reichen, um die Pflanzen abzuspülen. „Doch so lange sich der Wind nicht legt, lassen wir das lieber“, meint Hans Förster. Auch der Griff zum Besen auf der Terrasse brachte am Mittwoch wenig. Immer noch legte sich neuer Staub auf die Fliesen.

Hans Förster fegt den Sand von seiner Terrasse. Quelle: Frank Bürstenbinder

Grau sind auch die Fensterscheiben. Durch jede Ritze und ein nicht schnell genug geschlossenes Fenster drangen die feinsten Sandkörner in Haus. „Der Staub fand sich sogar auf den Tasten unseres Klaviers wieder“, berichtete die Tieckower.

Entspannung am Donnerstag

Behalten die Meteorologen recht, soll sich der Wind an diesem Donnerstag endgültig legen. Damit dürfte die Gefahr weiterer Sandstürme vorbei sein. Dafür steigen die Temperaturen vorerst weiter. Jetzt richten sich alle Hoffnungen auf das Wochenende. Ob die Tieckower Gärten und Äcker tatsächlich ein paar Liter Regen abbekommen, kann jedoch niemand garantieren.

 

Von Frank Bürstenbinder

Er sucht nach Münzen, Schmuck und anderen metallischen Fundstücken im Boden. Egon Splisteser ist Sondengänger mit Lizenz. Er hofft auf den großen Fund.

24.04.2019

Solch ein Wetterextrem haben selbst alteingesessene Tieckower noch nicht erlebt. Ein Sandsturm hat am Dienstag für Katastrophenstimmung gesorgt. Wer konnte, brachte sich in Sicherheit.

24.04.2019

Haben sich die Feuerwehren beim Doppelhausbrand in Briest am Ostersonntag zu viel Zeit gelassen? Amtswehrführung und Amtsdirektor stellen sich noch in dieser Woche der Kritik.

23.04.2019