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Beetzsee Waldweide verboten: Briester Heckrinder müssen draußen bleiben
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Waldweide verboten: Briester Heckrinder müssen draußen bleiben
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12:09 05.11.2019
Kirstin Schulze vom Demeterhof Havelsee würde den Familienwald gern von ihren Heckrindern beweiden lassen. Doch das Waldgesetz verbietet diese Nutzung, wie sie jahrhundertelang betrieben wurde. Quelle: Frank Bürstenbinder
Briest

Im Schein der untergehenden Abendsonne macht Kirstin Schulze einen letzten Kontrollgang zu ihren Heckrindern. Die wildfarbenen Tiere mit ihren nach außen zeigenden Hörnern lassen sich durch die Ankunft der Besitzerin nicht aus der Ruhe bringen. Alles ist friedlich. Heckrinder sind an die Natur angepasst und kennen keinen Stall. Das ganze Jahr verbringen sie auf der Weide. Da beginnt das Problem der Nebenerwerbsbäuerin, die seit 2016 den von ihrem Vater Paul Schulze gegründeten Demeterhof Havelsee führt.

Spargel und Rindfleisch

Waldweide und Streunutzung wurden jahrhundertelang im Wald betrieben. Erst mit der Stallhaltung konnten die oftmals verbrieften Weiderechte im 18. und 19. Jahrhundert abgelöst werden. Die Waldweide hatte verheerende Folgen für den Wald. Erst mit dem Verbot der Weidehaltung konnten sich die stark geschädigten Wälder regenerieren.

Der 1992 gegründete Demeterhof Havelsee hat sich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft verschrieben. Der Bio-Familienbetrieb konzentriert sich auf den Anbau von Spargel und die Haltung von Heckrindern für die Direktvermarktung ab Hof. Außerdem wird Getreide angebaut und Heu geerntet.

Kirstin Schulze ist Lehrerin und Landwirtin im Nebenerwerb und Mitglied im Verein zur Förderung des Auerochsen. Bei ihren Heckrindern handelt es sich um eine Nachzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen. Die Tiere leben ganzjährig auf der Weide.

Zwar verfügt der Hof im südlichen Zipfel der Briester Gemarkung über ausreichend Grünland als Futtergrundlage für Mutterkühe, Kälber und Bullen, doch zum Besitz gehören auch zwei kleinere Waldflächen, die zusammen nicht einmal einen Hektar ausmachen. Einst war es nicht unüblich, das Vieh unter Robinien, Erlen, Pappeln und Eichen weiden zu lassen. Heute ist die strikte Trennung zwischen Wald und Weide nicht zu übersehen.

Wald ist ausgekoppelt

„Nach einer Begehung mit der Forstbehörde mussten wir die Waldteile auskoppeln. Dabei sind wir der Meinung, dass die Anwesenheit der Tiere unserem naturbelassenen Wald in der Vergangenheit gut getan hat. In Zeiten, wo Bäume unter Trockenstress leiden, fehlt dem Boden die natürliche Düngung“, ist Kirstin Schulze überzeugt, die sich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft verschrieben hat. Deshalb bleibt ihr Wald weitestgehend sich selbst überlassen. Totholz verbleibt an Ort und Stelle. Doch während sich Angler ungeniert abseits ausgewiesener Flächen durchs Gebüsch schlagen, ist der Wald für Heckrinder tabu. Dabei würde er den Tieren an heißen Tagen Kühlung und bei eisigen Winden Schutz bieten.

Ein naturbelassenes Waldstück von Familie Schulze bei Briest. Quelle: privat

Das Landeswaldgesetz lässt wenig Spielraum zu, wenn es um die Frage geht, ob sich Rinder oder Schweine durch die Forsten der Mark fressen dürfen: „Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Wald Vieh weidet oder weiden lässt.“ Eine Regel, die Demeter-Bäuerin Schulze für nicht mehr ganz zeitgemäß hält. In Zeiten des Klimawandels sollte der Gesetzgeber über den Tellerand schauen. „Die Heckrinder wären saisonal und kleinflächig im Wald. Sie holen dort nichts raus, sondern tragen mit ihren Ausscheidungen etwas hinein“, argumentiert die Tierhalterin.

Fachleute warnen vor Waldweide

Mit ihrer Auffassung beißt Kirstin Schulze bei den Verteidigern des Waldgesetzes auf Granit. Für den Vorsitzenden des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Gregor Beyer, ist Waldweide gleich Waldzerstörung. „Der Wald kann sich nicht verjüngen, weil die Triebe verbissen werden. Und der Stickstoffeintrag durch das Vieh gehört nicht auf den Waldboden. Deshalb müssen die Behörden auch mit Ausnahmen sehr vorsichtig umgehen“, sagte Beyer der MAZ.

An heißen Tagen suchen die Heckrinder den Schatten von Bäumen. Der Wald bleibt ihnen jedoch versperrt. Quelle: Privat

Ähnlich kritisch wird die Waldweide in der beim Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft angesiedelten obersten Forstbehörde gesehen. So erinnert Michael Walter, Referent für Forstrecht daran, dass die vom Vieh gefressene Biomasse dem Wald als Nährstoff fehlt. Außerdem würde eine intakte Kraut-, Strauch- und niedrige Baumschicht zur Windruhe im Wald beitragen. Diese halte die Feuchtigkeit im Wald und sei gerade in trockenen Zeiten ein wichtiger klimatischer Faktor im Wald. „Waldweide mag für die Landwirtschaft vorteilhaft sein, für den Wald ist sie das aus geschichtlicher Erfahrung hingegen nicht“, so Walter.

Ausnahmen zur Biotoppflege möglich

Waldweide ist auch in Brandenburg nicht gänzlich ausgeschlossen. Nämlich dann, wenn aus naturschutzfachlichen Gründen Konsens über die Heranreifung von lichteren, feuchteren und artenreicheren Landschaftsbildern besteht. Wie bei einem Waldweide-Projekt auf einer einstigen Rieselfeldlandschaft bei Hobrechtsfelde (Zerpernick) oder im Wildnisgroßprojekt Döberitzer Heide. Die Waldflächen des Hofs Havelsee unterliegen dem niedrigschwelligen Status eines Landschaftsschutzgebietes. Ein Ausnahmestatus ist nicht in Sicht.

 

Von Frank Bürstenbinder

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