Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Beetzsee „Das würde keiner mitkriegen, wenn wir uns zu Hause angezickt hätten“
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee „Das würde keiner mitkriegen, wenn wir uns zu Hause angezickt hätten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:04 13.12.2019
Seit 20 Jahren ein Paar: Daniel und Julia Wunderer an der Havel, die direkt an der Villa Fohrde vorbei fließt. Quelle: Marion von Imhoff
Fohrde

Wie arbeiten Kollegen zusammen, die auch ein Paar sind? Wie ist es, wenn einer sogar der Dienstvorgesetzte ist? Was ist besonders schön in der Zusammenarbeit und was vielleicht auch manchmal ein bisschen knifflig und was bedeutet es für die Partnerschaft? Diese Fragen stellte die MAZ diesmal Daniel und Julia Wunderer. Er kommt aus Bamberg und ist seit fünf Jahren Geschäftsführer der Bildungseinrichtung Villa Fohrde mit 13 Mitarbeitern. Julia Wunderer stammt aus Wangen im Allgäu und ist in der Villa als eine von drei Bildungsreferenten beschäftigt.

Es ist kurz vor 9 Uhr an einem Tag im Advent. Daniel Wunderer steht im Garten neben der Eingangstreppe zur Villa Fohrde und schiebt sich den letzten Bissen eines Brötchens in den Mund, seine Frau Julia Wunderer trinkt noch einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse. Beide haben gerade eine Zwölf-Kilometer-Radtour zu ihrer gemeinsamen Arbeitsstätte hinter sich gebracht wie an jedem Tag. „Nur wenn es glatt ist, nehmen wir nicht die Räder“, sagt Julia Wunderer. Sie bitten in einen gemütlichen Raum des Landhauses, ein Nebengebäude der Bildungsstätte. Dort erzählen sie, wie es ist und wie es kam, dass sie beide zusammen an diesem idyllischen Ort direkt am Ufer der Havel arbeiten.

MAZ: Frau Wunderer, seit zwei Jahren ist ihr Ehemann ihr Kollege und Vorgesetzter. Wie lange sind Sie schon ein Paar?

Julia Wunderer: Das ist schon eine längere Geschichte. Kennengelernt haben wir uns vor 20 Jahre im Wendland in einer Bildungsstätte, als wir beide vorhatten, für ein Freiwilliges Jahr nach Polen zu gehen.

Daniel Wunderer: Wir sind beide in Breslau für unseren Freiwilligendienst gelandet. Das war völliger Zufall, aber eine schöne Fügung.

Haben Sie sich da schon tiefer in die Augen geschaut?

Daniel Wunderer: Mit Tiefer-in-die-Augen-Schauen war von Anfang an. Aber wir haben es nicht gleich gemerkt. Irgendwann an einem Abend zogen sich die anderen zurück und sagten: Ja, sagt mal, merkt ihr es nicht? Die hatten es schneller gemerkt als wir selbst.

Wie ging es dann weiter?

Julia Wunderer:Wir schrieben uns kistenweise Briefe zwischen dem Kennenlernen und der Zeit in Breslau. Dann gingen wir gemeinsam zum Studieren nach Marburg und dann nach Berlin. Ich bin Diplom-Politologin, arbeitete später in Frankfurt am Main, an der Humboldt-Universität in Berlin und bei der Gemüse-Ackerdemie in Potsdam, ein Verein für Bildung und Ernährung, der mit Schülern zusammenarbeitet.

Daniel Wunderer: Und ich schloss mein Studium für Politik und Geschichte auf Lehramt ab. Ich habe mir 2015 die Villa als tollen Arbeitsort ausgesucht und dann hat die Villa mich ausgesucht.

Sie arbeiteten anfangs drei Jahre ohne ihre Frau in der Villa. Wie war das im Vergleich zu jetzt?

Daniel Wunderer:Mein Lieblingsplatz hier ist das Ufer an der Havel. Dort stehe ich gerne in der Mittagspause mit meinem Espresso und der schmeckte auch damals schon. Da muss man ganz ehrlich sein.

Wie hat es sich gefügt, dass Sie, Frau Wunderer, hier 2017 eine Stelle bekommen haben? Haben Sie überlegt, dass andere sagen könnten: „Ja, ja, klar, der stellt seine Frau ein.“?

Julia Wunderer:Das waren unsere Befürchtungen und wir haben lange darüber diskutiert.

Daniel Wunderer: Wir haben immer viel über unsere Berufe zuhause gesprochen. Und irgendwie war es schlüssig zu sagen, statt über zwei Vereine abends zu reden, reden wir nur noch über einen. Julia hat für die Gemüse-Ackerdemie genau für das Förderprogramm des Landes gearbeitet, für das wir uns in der nächsten Förderperiode bewarben und konnte sich somit auch formal bei der Stellenbesetzung durchsetzen.

Es gab nie kritische Stimmen?

Julia Wunderer: Man sollte sich als Paar genau vorher überlegen, ob man das möchte, ob man das kann und welche Wirkung man damit hat. Offen gegenüber hat uns nie jemand so etwas vorgeworfen.

Daniel Wunderer: In Fohrde bestimmte Stellen zu besetzen, funktioniert über freie Ausschreibung und über ein Netzwerk in der politischen Bildung, in dem wir Ausschreibungen streuen.

Es ist ja auch ein hoch qualifizierter Job, wo es schwierig ist zu sagen, meine Frau lächelt so nett, deswegen hat sie die Stelle.

Julia Wunderer: Das würde einem schnell auf die Füße fallen. Ich habe viele positive Reaktionen bekommen. Der Wert zusammenzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen, wird in unserem Bereich auch positiv gesehen.

Daniel Wunderer:In der Villa Fohrde sind wir jetzt so etwas wie die Herbergseltern.

Gab es auch unschöne gemeinsame Momente hier im Job?

Daniel Wunderer: Unser Problem ist eher, nicht zuhause bis Mitternacht über die Arbeit zu sprechen. Das Private in die Villa ist überhaupt nicht unser Ding. Das würde hier keiner mitkriegen, wenn wir uns zu Hause beim Frühstück angezickt haben.

Julia Wunderer: Wir leben hier für das Projekt und für uns gibt es keine klare Trennung zwischen Freizeit und Beruf. Die guten Ideen, die die Villa weiterbringen, können auch bei einer Fahrradtour entstehen.

Gelingt Ihnen kein Cut?

Julia Wunderer:Im Urlaub gelingt es uns, auch drei Wochen nicht über die Villa zu reden.

Daniel Wunderer: Ich finde auch schön, dass wir beide nicht sagen: Du, es ist 21 Uhr, jetzt lass mal gut sein mit deiner Nachhaltigkeit, jetzt trinken wir Billigbier.

Für Sie ist es also ein wahrer Glückszustand, dass Sie beide hier arbeiten?

Julia Wunderer: Ja! Wir hatten uns tatsächlich aber anderthalb Jahre Zeit genommen, um zu gucken, ob es funktioniert. Wir sind für uns und die anderen zu dem Ergebnis gekommen, dass es gut funktioniert.

Daniel Wunderer: Es hilft ja nichts, wenn nur wir beide glücklich sind und die anderen die Augen verdrehen und hier die Villa pleite gehen würde. Wie die Villa sich in der Anerkennung entwickelt, scheinen wir es nicht ganz falsch zu machen. Sonst hätten wir auch den Weiterbildungspreis nicht gewonnen.

Sie fahren jeden Tag mit dem Rad von Brandenburg zur Arbeit. Wer kommt als Erster an?

Daniel Wunderer: Unser Küchenteam beobachtet ganz genau unseren Parkplatz. Wenn da einer von uns zwei Minuten später als der andere ankäme, würde das Gespräch sein.

Müssen Sie bei Ihrem Mann einen Urlaubsantrag einrichten und die Krankschreibung über den Küchentisch reichen?

Julia Wunderer:Wir legen mit allen Kollegen gemeinsam unsere Urlaubspläne fest. Und die Krankschreibung geht an die Verwaltung.

Was ist schwierig hier für Sie als Paar?

Julia Wunderer:Wenn man denkt, das hätte ich anders gemacht. Da muss man vertrauen, um still zu halten. Wir ticken in die große Richtung gleich, sind aber charakterlich sehr unterschiedlich.

Inwiefern?

Daniel Wunderer:Ich bin lauter.

Julia Wunderer: Du duzt lieber.

Von Marion von Imhoff

Über diesen Neubau wird nur getuschelt. Selbst die Kiellegung in Havelberg war geheim. Jetzt ist das größte und neueste Elektro-Fahrgastschiff für Berlin fertig. Was steckt hinter dem Katamaran?

12.12.2019

Eigentlich soll 2020 der Ausbau der L 962 samt Radweg beginnen. Doch die vom Landesbetrieb Straßenwesen geforderte Umverlegung von Trinkwasserleitungen sorgt für Diskussionen. Es geht um viel Geld.

10.12.2019
Beetzsee Auto überschlägt sich bei Briest - Mann und Tochter bei Unfall verletzt

Bei einem Unfall auf glatter Fahrbahn bei Briest hat sich ein Auto am Dienstagfrüh überschlagen. Der Fahrer und seine fünfjährige Tochter erlitten Verletzungen und mussten ins Krankenhaus.

10.12.2019