Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Beetzsee Wie die „Knesebeck“ an die Havel kam
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Wie die „Knesebeck“ an die Havel kam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:45 28.03.2019
Bei der Übergabe des Modells des Eilfrachtdampfers "Knesebeck" durch Bernhard Kunz (3.v.r.) an Jürgen Patzlaff vom Pritzerber Schifffahrtsverein 1776. Quelle: Frank Bürstenbinder
Pritzerbe

Für den EilfrachtdampferKnesebeck“ ist die Havel kein unbekanntes Gewässer. Jahrelang war das 1912 in Cosel bei Breslau gebaute Schiff zwischen Hamburg und Berlin unterwegs. Nach dem Krieg war es ab 1948 unter dem Namen „Edgar André“ sogar für zwei Jahre in Brandenburg an der Havel stationiert. Am Donnerstag ging der Oldtimer für immer an der Pritzerber Ablage vor Anker. Allerdings als Modell. Denn der originale Dampfer wurde 1970 in der DDR abgewrackt.

Wechselvolle Geschichte

Das Pritzerber Schifffahrtsmuseum erinnert an die lange Schiffbautradition im Ort und an das Leben der Pritzerber Schifferfamilien. Als Dauerausstellung dient der Laderaum des 1927 in Oderberg gebauten Finowmaßkahns „Ilse-Lucie“, der an der Ablage in Pritzerbe festgemacht ist.

Der originale EilfrachtdampferKnesebeck“, benannt nach dem preußischen Offizier Karl Friedrich von dem Knesebeck“, wurde 1912 auf der Schiffswerft Cäsar Wollheim in Cosel bei Breslau gebaut. Es war 60 Meter lang und hatte eine Leistung von 360 PS.

Ursprünglich gebaut wurde die „Knesebeck“ für die Berliner Lloyd AG. 1948 kam das Schiff unter dem neuen Namen „Edgar André“ in den Besitz der Brandenburger Schifffahrts- und Umschlagsgesellschaft (BSU). Ab 1962 kam der Dampfer als Hilfsschiff zum WSA Magdeburg. 1970 wurde das Schiff abgewrackt.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ging Bernhard Kunz (86) aus Delmenhorst an Bord der „Ilse-Lucie“. In dem am Havelufer festgemachten Finowmaßkahn befindet sich das Museum des Pritzerber Schifffahrtsvereins. Im Gepäck hatte der ehemalige Kapitän der Binnenschifffahrt ein selbst gebautes Modell, das künftig als besondere Attraktion der Dauerausstellung gelten kann. In zweijähriger Kleinarbeit hat Kunz eine 1,85 Meter lange Nachbildung des EilfrachtdampfersKnesebeck“ gebaut. Als Dauerleihgabe soll das Meisterwerk der Modellbaukunst das Pritzerber Schifffahrtsmuseum bereichern.

Blick in die Dauerausstellung des Pritzerber Schifffahrtsmuseum. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Ich konnte mir zwar einen Generalplan von dem Schiff besorgen, doch eine Bauanleitung gibt es für solch ein Modell nicht. Fast alle Teile habe ich selbst konstruiert, deshalb hängen viele Emotionen an der ’Knesebeck’. Ich gebe das Schiff gerne nach Pritzerbe, weil es hier in guten Händen ist“, sagte Kunz der MAZ bei der feierlichen Übergabe an den Schifffahrtsverein. Kunz und sein aus Delmenhorst mitgereister Sohn Axel gehören dem Bremer Schifferverein an, der seit Jahren freundschaftliche Kontakte nach Pritzerbe pflegt.

Jürgen Patzlaff öffnet das Pritzerber Schifffahrtsmuseum wieder am letzten Aprilwochenende. Quelle: Frank Bürstenbinder

Das eine oder andere Bullauge hat Kunz dazugekauft. Doch die meisten Bauteile entstanden in der heimischen Werkstatt an der Drehbank oder an der Ständerbohrmaschine. Im Maßstab 1 : 33 achtete der Hobby-Schiffbauer liebevoll auf jedes Detail. Wichtigster Werkstoff ist Holz, das auch für den Rumpf verwendet wurde. Mit mehreren Lagen Glasfaser und Epoxidharz entstand ein wasserdichter Schiffskörper, der sogar von zwei ferngesteuerten Schiffsmotoren angetrieben werden konnte. Als Energiequelle dienten zwei Sechs-Volt-Akkus. Auf dem Original wurde natürlich mit Kohle geheizt. Der Blechschornstein lässt sich umklappen, für den Anker mussten zusammengelötete Kupferkabel herhalten, die Poller an Bord sind aus Aluminium gedreht.

Mehrere Modelle gebaut

Den Elektroantrieb hat Kunz ausgebaut. Im Bauch des Schleppkahns „Ilse-Lucie“ soll das neue Exponat schließlich nicht schwimmen, sondern einen Dauerliegeplatz einnehmen. Der Delmenhorster baute auch ein Modell des historischen Seitenraddampfers „Württemberg“, der heute in Magdeburg vor Anker liegt. Die Nachbildung übergab Kunz dem dortigen Freundeskreis. „Ich habe zu Hause einfach keinen Platz mehr“, scherzt der einstige Binnenschiffer, der in vierter Generation auf Deutschlands Flüssen unterwegs war. Bis zur Rente für die auch in Ostdeutschland nicht unbekannte Reederei Dettmer.

Die Ilse-Lucie öffnet Ende April wieder die Luken zum Schifffahrtsmuseum. Quelle: Frank Bürstenbinder

Als Dank für die Dauerleihgabe ernannte der Pritzerber Vereinsvorsitzende Jürgen Patzlaff den Erbauer der „Knesebeck“ zum Ehrenmitglied des Schifffahrtsvereins. Kunz darf künftig die dunkelblaue Ehrenkrawatte mit dem Pritzerber Vereinslogo tragen. Die Öffentlichkeit kann das einzigartige Modellschiff mit der Eröffnung der neuen Museumssaison am letzten Aprilwochenende bewundern.

Von Frank Bürstenbinder

Nur alte Fotos erinnern noch an die ehemaligen Stallanlagen bei Butzow. Wo das Kombinat stand, wächst heute Gras. Was der Flughafenbau damit zu tun hat.

28.03.2019

Diese Frau hatte Glück im Unglück: Eine 50-Jährige überschlug sich am Donnerstagfrüh mit ihrem Auto auf der B 102 zwischen Döberitz und Pritzerbe. Trotz Alkohol verließ sie ihr Schutzengel nicht.

28.03.2019

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai kommt keine Langeweile auf. In mehreren Gemeinden können die Bürger unter mehreren Bürgermeisterkandidaten auswählen. In Beetzsee sind es gleich drei Bewerber.

27.03.2019