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Beetzsee Zur DDR-Müllkippe rollen wieder Laster
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Zur DDR-Müllkippe rollen wieder Laster
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13:35 09.05.2018
Auf der einstigen Mülldeponie Hohenferchesar ist wieder Bewegung. Die Restarbeiten zur Rekultivierung sind angelaufen. Quelle: privat
Hohenferchesar

Fast zehn Jahre nach dem behördlichen Stopp für eine Rekultivierung sind in dieser Woche die Restarbeiten auf der ehemaligen Mülldeponie von Hohenferchesar angelaufen. „Im Kern geht es dabei um die Abdeckung des Deponiekörpers mit einer 50 Zentimeter starken Erdschicht. Außerdem wird die Erhebung noch etwas profiliert“, kündigte Amtsdirektor Guido Müller an.

Anlieferung aus Michendorf

Für die Ortslage von Hohenferchesar bedeutet die Maßnahme einen erhöhten Lkw-Verkehr. Wie lange der Transport des Bodenmaterials dauern wird, ist derzeit noch unklar. Das angefahrene Erdreich kommt auf Vermittlung der kreislichen Bodenschutzbehörde von einer Baustelle an der Autobahnraststätte Michendorf. Zum Einsatz kommt dabei nur zertifiziertes Material.

Mit den vor 2009 verwendeten Einbaustoffen gab es dagegen Probleme. Die damals beauftragte Firma Terra Urbana aus Zossen hatte das vorgeschriebene Verhältnis von 40 Prozent Bauschutt und 60 Prozent Erde nicht eingehalten. Außerdem wurden bei Probebohrungen mit Quecksilber belastete Gesteinsbrocken festgestellt. Eine direkte Gefahr für Grundwasser und Umwelt sah die Kreisverwaltung jedoch nicht.

Die alte Müllkippe vor der endgültigen Rekultivierung. Der Bauschutt verschwindet nun unter einer Erdschicht. Quelle: Frank Bürstenbinder

Wegen der großen Gesteinsbrocken auf dem obersten Plateau der alten Mülldeponie hatten Bürger die Behörden informiert. Auch der Ortsbeirat von Hohenferchesar war hellhörig geworden. Ortsvorsteherin Annemarie Pischner forderte die strikte Einhaltung der Rekultivierungsanordnung – nicht zuletzt aufgeschreckt durch die Abfallskandale in anderen Teilen des Landkreises, wo tausende Tonnen Grüne-Punkt-Abfälle in Altdeponien verbuddelt worden waren.

Tauziehen mit Terra Urbana

Von einer illegalen Abfallentsorgung kann man in Hohenferchesar dagegen nicht sprechen. Dennoch wurde die Rekultivierung damals gestoppt. „Es gab ein langes Tauziehen mit Terra Urbana über die Erfüllung des Vertrages. Am Ende haben wir uns von der Firma getrennt“, sagte Verwaltungschef Guido Müller. Das Amt behält sich jedoch Schadenersatzansprüche vor, sollten die Kosten der Restarbeiten bei deutlich über 5000 Euro landen. Mit dieser Summe beteiligt sich nämlich die Stadt Havelsee an dem ausgehandelten Vergleich.

Mit einer Planierraupe wird der Deponiekörper profiliert. Quelle: privat

Neuer Auftragnehmer ist die Firma Bossan, die mit einer Planierraupe den Einbau des angelieferten Erdreichs übernimmt. Zuvor hatte sich die Natur die als Reuterberg bekannte Anlage fast zurückgeholt. „Ich bin froh, wenn wir dieses Rekultivierungskapitel endlich abschließen können“, so Amtsdirektor Müller. Nach Müllkippen wie in Ketzür, Lünow und Radewege ist Hohenferchesar der letzte Standort im Amt Beetzsee einer noch nicht endgültig in die Landschaft eingepassten Deponie aus DDR-Zeiten.

Bis 1986 in Betrieb

Die einstige Sandgrube am Reuterberg wurde von 1980 bis 1986 als Müllkippe genutzt. Auf 4600 Quadratmeter lagern rund 7000 Kubikmeter Abfälle, von denen aber kein relevantes Gefährdungspotenzial ausgehen soll. Im Zuge der Rekultivierung wird der Deponiekörper mit 9000 Kubikmetern lageweise eingebautem Stein- und Bodenmaterial bedeckt sein.

Von Frank Bürstenbinder

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