Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Bewährung für Raser nach tödlichem Unfall auf B1
Lokales Potsdam-Mittelmark Bewährung für Raser nach tödlichem Unfall auf B1
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:39 01.02.2018
Hier starb Cornelia G. am 10. Juni 2017 – die 54-Jährige hatte gerade Feierabend an der Tankstelle gemacht und den Heimweg eingeschlagen, als David W. mit seinem Opel in ihren Audi raste. Quelle: Julian Stähle
Neu Plötzin, Potsdam

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung ist der Autofahrer verurteilt worden, der am Abend des 10. Juni 2017 auf der Bundesstraße 1 auf Höhe des Magna-Parks mit seinem Opel Vectra in den Audi einer 54-jährigen Frau gerast ist. Cornelia G., die auf dem Autohof an der Tankstelle arbeitete und dort gerade Feierabend gemacht hatte, war auf der Stelle tot. „Sie hatte keine Chance“, so Richterin Bettina Thierfeldt. Sie sprach den Angehörigen und Freunden des Opfers nach der Urteilsverkündung ein aufrichtiges Beileid aus: „Wir sind selbst sehr betroffen von dem Verfahren.“

Das Schöffengericht des Potsdamer Amtsgerichts sah es als erwiesen an, dass sich David W. (28) der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig gemacht hat. Er soll zudem 5000 Euro an die Björn-Schulz-Stiftung zahlen. Fahrerlaubnis und Führerschein werden eingezogen – W. kann sie frühestens in zwei Jahren zurückerbitten.

„Ich weiß, dass ich eine große Lücke in die Familie gerissen habe“

Auf der Anklagebank gab sich der wie das Opfer aus Werder stammende Baumaschinist kleinlaut. „Ich möchte mich für mein Fehlverhalten an diesem Tag entschuldigen“, sagte er gewandt an Rechtsanwalt Peter Jacobi, der Cornelia G.s Witwer in der Nebenklage vertritt. „Ich weiß, dass ich eine große Lücke in die Familie gerissen habe und dass ich diese Lücke nicht wieder schließen kann. Es tut mir leid.“

Der Angeklagte David W. und sein Verteidiger Thomas Gasch. Quelle: Julian Stähle

An den Unfall könne er sich kaum erinnern, so W. „Ich habe nur noch vereinzelte Bilder vor Augen.“ Er sei an jenem Abend mit seinem Kumpel René K. (36) – er kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus – von einem Dorffest zum nächsten unterwegs gewesen. David W. kennt die Strecke gut, hatte weder Alkohol noch Drogen intus. „Das einzige, was ich heute noch weiß: Ein rotes Auto kam von rechts und ich habe versucht auszuweichen.“ Auch wie schnell er fuhr, wisse er nicht genau. „Das habe ich später im Krankenhaus bloß anhand der Medien mitbekommen“, so W.nach dem Unfall war schnell klar, dass er in der Tempo-70-Zone, in der die Sicht maximal 145 Meter reicht, massiv zu schnell gefahren war.

Ein Gutachten hat nun ergeben, dass W. 133 bis 143 Stundenkilometer drauf hatte, als er aus Richtung Werder kommend seinen Opel frontal in den Audi lenkte, mit dem Cornelia G. gerade vom Autohof auf die B1 in Richtung Werder eingebogen war. „Im Normalfall“, beteuert W., der seit dem 16. Lebensjahr den Führerschein hat, „bin ich ein ganz normaler Autofahrer wie jeder andere auch.“

Nicht nur das hohe Tempo, auch das Ausweichmanöver war fatal

Der Kfz-Experte Karsten Laudien hat den Unfallhergang rekonstruiert. Sein Fazit. „Bei Einhalten von Tempo 70 hätte noch angehalten werden können. Zu dem Unfall kam es aufgrund der hohen Geschwindigkeit.“ Ebenso verhängnisvoll wirkte sich W.s Ausweichmanöver aus: Wäre er in der Spur geblieben, wäre es laut Karsten Laudien, gar nicht zur Kollision gekommen, denn Cornelia G. hatte bereits die Gegenspur erreicht und so den Risikobereich der Kreuzung verlassen. Dass sie hätte erkennen können, wie schnell sich das andere Auto nähert, sei im Dunkeln nahezu unmöglich gewesen. Laut Laudien ist sogar wahrscheinlich, dass sie den Opel überhaupt nicht gesehen hat.

Der Experte kam nach Untersuchung des Audi-Wracks zu dem Schluss, dass Cornelia G. – sie wurde auf die Straße geschleudert – nicht angeschnallt war. „Aber selbst angegurtet wären massivste und auch tödliche Verletzungen zu erwarten gewesen.“

Kein Eintrag in der Flensburger Verkehrssünderdatei

David W. verfolgt die Ausführungen, allem voran den Obduktionsbericht, sichtlich bestürzt. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein schwerer Junge, er ist vorbestraft, aber nicht einschlägig. Vier Eintragungen im Bundeszentralregister aus den Jahren 2007 bis 2013 berichten von Beleidigung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In der Flensburger Verkehrssünderkartei taucht er nicht auf.

Staatsanwalt Gerd Heininger beschreibt W.s Fahrt als „Ritt auf der Rasierklinge“. Trotz aller Rücksichtslosigkeit habe man es dennoch mit einer fahrlässigen Handlung zu tun, die auch als solche bestraft werden müsse. Heininger forderte ein Jahr und drei Monaten auf Bewährung. W.s Verteidiger Thomas Gasch folgte dieser Forderung. Was seinen Mandanten tatsächlich sanktionieren werde, „was ihn ein Leben lang begleiten wird“, sei hingegen der Unfall an sich, das Wissen, dass der Tod eines Menschen nicht rückgängig zu machen ist: „Auch das ist Strafe.“

Nebenklageanwalt Jacobi widersprach heftig und forderte eine Freiheitsstrafe „von deutlich über zwei Jahren und nicht zur Bewährung“. Er betonte, dass es dem Witwer, der dem Prozess bewusst ferngeblieben war, nicht um eine besonders hohe Strafe geht. „Es geht ihm aber um Genugtuung“, so Jacobi. „Es ist gerade bei Raserfällen ganz wichtig, dass den anderen in der Gesellschaft gezeigt wird: Nein, das lassen wir nicht durchgehen! – Die Öffentlichkeit fragt sich: Da rast jemand mit doppelter Geschwindigkeit und fährt jemanden zu Tode und kommt mit Bewährung davon?“ – Gegen das Urteil können die Beteiligten binnen einer Woche Rechtsmittel einlegen.

Von Nadine Fabian

Die IG Metall ruft die Beschäftigten des ZF-Getriebewerks in Brandenburg/Havel an diesem Donnerstag um 5 Uhr in der Frühe auf, die Arbeit für 24 Stunden ruhen zu lassen. Die Aktion im laufenden Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie ist als Warnstreik. Ein geheiztes Streikzelt soll vor Kälte schützen.

01.02.2018

Kulturministerin Martina Münch (SPD) stattete am Dienstag der Veranstaltungsreihe „Lehniner Gespräche“ einen besuch ab. Vor rund 100 Zuhörerin berichtete sie von der kulturellen Vielfalt im Land Brandenburg. Münch musste sich aber auch unbequeme Fragen von den Zuhörern anhören.

01.02.2018

Die Tanzgruppe „Hot and Spicy“ gehört seit nunmehr 14 Jahren fest zum Programm des Brücker Karnevals. Auch die Proben für die kommenden Veranstaltungen laufen seit sieben Monaten auf Hochtouren. Dabei proben die zehn Tänzer erst zur Generalprobe in voller Besetzung.

31.01.2018