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Brück Wie die Geschichte an den Golzowern vorbeizieht
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Wie die Geschichte an den Golzowern vorbeizieht
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17:18 11.08.2019
Mit viel Liebe auch zum Detail und tollen Kostümen haben die Golzower ihre Schaubilder zum Festumzug gestaltet. Mit dabei auch Gäste aus den Nachbargemeinden. Quelle: Rüdiger Böhme
Golzow

 Die gut 1300 Bewohner von Golzow haben eigentlich nur zwei Wahlmöglichkeiten, wie sie diesen Sonntag verbringen können. Im Festumzug oder neben dem Festumzug. Als aktiver Teilnehmer oder interessierter Zuschauer.

Mit viel Liebe auch zum Detail und tollen Kostümen haben die Golzower ihren Festumzug gefeiert.

Vor 800 Jahren wurde Golzow erstmals urkundlich erwähnt. Aus diesem Anlass haben die Bewohner mit der Unterstützung umliegender Gemeinden einen Festumzug auf die Beine gestellt, der die Geschichte und Gegenwart farbenfroh und lautstark, traditionsbewusst und modern in Szene setzt.

Die Bänke am Wegesrand sind frühzeitig belegt. Wer an der Wegstrecke wohnt, campiert vor der eigenen Haustür und lässt die Geschichte des Dorfes mit Kaltgetränk in der Hand an sich vorbeiziehen. Das Happening ist eine gute Gelegenheit auch für ein Schwätzchen mit Nachbarn, die man vielleicht länger nicht gesehen hat.

Die Zeitreise beginnt um die Mittagszeit, nicht etwa mit der mittelalterlichen Urkunde, deren Original sich im Geheimarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin befindet. An der Spitze des Umzugs erreicht als erste die Freiwillige Feuerwehr den Anger. Safety first. Sicherheit fährt voran.

Grüße vom Oderbruch und aus Polen

Hinter den Feuerwehrleuten machen sich die Politiker auf den Weg auf den Sportplatz, wo später gefeiert wird. Amtsdirektor Marko Köhler und Bürgermeister Ralf Werner haben die Bürgermeister der Golzower Namensvetter im Schlepptau – aus dem Oderbruch und aus Polen.

Kinder in historischen Uniformen erinnern an die erste Schule in Golzow, die 1775 mit 75 Schülern in einer Klasse den Lehrbetrieb aufnahm. Ein Vierteljahrhundert früher hatten Friedrich Wilhelm IV. und seine Frau Henriette die Barockkirche erbauen lassen.

Mit viel Liebe auch zum Detail und tollen Kostümen haben die Golzower Festumzug gefeiert.

Im Zeitraffer ließen die Golzower die Jahrhunderte passieren. Als Moderator des Umzugs erklärt Bert Cierpinski die einzelnen Bilder, die das dörfliche Leben in Mittelalter und Neuzeit illustrieren. Vorneweg das vielseitige Handwerk im Dorf – mit Holzwirt, Dorfschmied, Hausschlachter, Müller, Bäcker, Stellmacher und Zimmerer.

Städtebahn, Kriegsheimkehrer und ABV

Mit der Brandenburgischen Städtebahn rollt die Gegenwart ins Dorf. Halt, nicht ganz. Die Geschichte der 1904 eröffneten und jahrzehntelang prägenden Bahnstrecke endet fast genau 100 Jahre später mit der Schließung.

Dazwischen liegen zwei Weltkriege und die NS-Zeit. Abgerissene Koffer schleppende Kriegsheimkehrer erinnern an das Kriegsende 1945 und auch an die 72 Golzower, die im 2. Weltkrieg gefallen sind.

Für den frühen DDR-Alltag stehen zwei Frauen auf dem Moped und ein paar Männer in Uniform: Schwester Agnes, eine Volkspolizistin und eine Hand voll Abschnittsbevollmächtigter (ABV). Klar, dass dann auch die Jungen Pioniere und Jugendlichen im FDJ-Hemd nicht mehr weit sein können.

Aufschwung der Schule

Bert Cierpinski erinnert an den Niedergang der Golzower Schule in den Jahren 2006/07 und daran, dass eben diese Schule sich mit neun Lehrern und 130 Schülern inzwischen gut erholt hat.

Wer sich nicht mehr an den Waschtag in der DDR erinnert, bekommt einen Eindruck mit dem entsprechenden Motivwagen, für den die Frauen eine alte Zinkwanne aufgetrieben haben.

Die Gegenwart und die Zukunft sind in Sichtweite. Wer steht mehr dafür als die 60 Kinder und elf Erzieherinnen im Kita-Wagen?

Tolles Vereinsleben

Das Vereinsleben wird großgeschrieben in Golzow. Gemischter Chor, Heimatverein, Landfrauen, Angler, Kleintierzüchter, Jäger, Karnevalsverein. Nun gerät Bewegung in die Geschichte. Die Prinzengarde und die Line Dancer geben auf dem Anger Kostproben ihres Könnens.

Den jüngsten Verein im Ort stellen die Judoka, die es in nur zweieinhalb Jahren auf stolze 155 Mitglieder gebracht haben. Sportlich sind wohl auch die Männer des Vereins Turbine Golzow.

Moderator Cierpinski riskiert entweder eine dicke Lippe oder eine Lokalrunde später auf dem Sportplatz. Die an ihm vorbeischreitenden Turbine-Kicker stellt er vor mit den Worten: „Fußball können sie natürlich nicht und laufen nur in dem Tempo wie jetzt.“

Es geht also nicht bierernst zu während des Festumzugs, zu dem die Gäste aus dem Oderbruch und die Nachbarn aus Grüneiche, Dippmannsdorf, Cammer, Michelsdorf, Ragösen, Lehnin und Brandenburg/Havel beitragen.

Oldtimer und künftige Oldtimer

Alt und Neu kommen am Ende des Zuges noch einmal geballt. Als Oldtimer rollen ein Aktivist von 1950, ein Multicar von 1963, ein Skoda S 100 und der Trabant von Egbert Müller an den Zaungästen vorbei. Welch ein Unterschied zu den modernen Landmaschinen, die den 800-Jahr-Zug vollenden.

Vielleicht wird der riesige John-Deere-Mähdrescher beim nächsten Festumzug zum 850. in der Golzower Oldtimer-Parade immer noch eine Glanzrolle spielen.

Von Jürgen Lauterbach

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