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Brück In Brück steigen die Abwassergebühren
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück In Brück steigen die Abwassergebühren
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15:43 09.04.2019
Sebastian Klein ist Abwassermeister auf der Kläranlage Brück-Hackenhausen. Dort steigen die Betriebskosten. Quelle: Thomas Wachs
Brück

Tiefer in die Tasche greifen müssen Kunden des Abwasserzweckverbandes „Planetal“ demnächst für die zentrale Entsorgung. Die Verbandsversammlung billigte jetzt am Sitz in Brück eine vom Vorstand empfohlene Erhöhung der Gebühren für Haushalte, die an einen Kanal angeschlossen sind.

Für sie steigt die Mengengebühr im Bruttopreis von 2,60 Euro je Kubikmeter auf 2,90 Euro. Die Grundgebühr ist von drei auf vier Euro monatlich erhöht worden. Sie beträgt somit künftig 48 Euro im Jahr.

3400 Haushalte betroffen

Die Gebührenerhöhung betrifft alle rund 3400 Haushalte am Kanalnetz im Verbandsgebiet. Dazu zählen die Stadt Brück sowie die Gemeinden Borkheide, Planebruch und Linthe sowie einzelne Ortsteile der Stadt Bad Belzig und das Dorf Locktow in der Gemeinde Planetal.

Die neue Gebühr im Vergleich

Im Vergleich zum Umland bietet der AZV in Brück trotz der Erhöhung noch günstige Gebühren.

Ein Haushalt mit vier Personen und einem Anfall von 100 Kubikmeter Wasser zahlt künftig beim AZV 338 Euro im Jahr für die zentrale Entsorgung.

Im Raum Treuenbrietzen sind es bei 216 Euro Grundgebühr und 2,60 Mengengebühr 476 Euro. In Bad Belzig werden bei 150 Euro Grundgebühr und 3,31 Mengengebühr 481 Euro fällig.

In Niemegk kassiert der AEV bei 114 Euro Grundgebühr und 3,90 Mengengebühr 504 Euro. In Wiesenburg würden für die Beispielrechnung bei 144 Euro Grundgebühr und 4,08 Mengengebühr 552 Euro fällig.

Für ein Haushalt mit einer Person und 20 Kubikmetern Verbrauch wären in Brück 106 Euro, in Treuenbrietzen 268 Euro, in Bad Belzig rund 216 Euro, in Niemegk 192 Euro und in Wiesenburg fast 226 Euro fällig.

AZV-Geschäftsführerin Kerstin Baier hatte auf die drastisch gestiegenen Betriebskosten zum Transport und der Reinigung des Abwassers verwiesen. Nach einigen Jahren ohne eine Anhebung sei der Schritt nun unumgänglich.

„Die Kostensteigerungen können nicht mehr durch Sparbemühungen kompensiert werden“, so Baier. Lagen die Betriebskosten insgesamt im Jahr 2008 noch bei gut 796.000 Euro, werden für dieses Jahr 1,3 Millionen kalkuliert und für 2020 weiter 80.000 Euro mehr.

Kosten steigen drastisch

Zwar konnten beim Energiebedarf die Kostensteigerungen abgefangen werden durch die Installation von Photovoltaikanlagen. Doch steigen die Kosten ansonsten drastisch. Angesichts neuer Vorschriften vor allem auch für die Entsorgung von Klärschlamm. Gab der AZV dafür 2008 noch 54.400 Euro aus, werden für 2020 jetzt 89.000 Euro erwartet.

Gesteigert haben sich auch die Personalkosten durch Tarifanpassungen von rund 295.000 Euro im Jahr 2008 auf aktuell gut 450.000 Euro. Auch stehen einige Reparaturen an. Sie sind für dieses und nächstes Jahr jeweils mit einem Aufwand von 180.000 Euro kalkuliert.

Vor zehn Jahren waren es noch rund 45.000 Euro. „Allein für die Umverlegung von Hausanschlüssen im Zuge von Straßenbauarbeiten rechnen wir 2020 mit 80.000 Euro Kosten“, erklärte Kerstin Baier in der Verbandsversammlung.

Weniger Abwasser fällt an

Hinzu komme ein Rückgang des Abwasseraufkommens. Profitiert habe der Verband voriges Jahr im heißen Sommer vom erhöhten Wasserverbrauch. Einbußen erwartet werden zudem durch den weiteren Rückgang der Zahl von Flüchtlingen, die in Brücker Heimen nur noch bis Oktober betreut werden.

Die AZV-Geschäftsführerin hielt angesichts der drastischen Steigerung der Betriebskosten eine Anhebung der Grundgebühr gar auf sechs Euro für nötig. Immerhin seien mit den jetzt beschlossenen vier Euro lediglich 13 Prozent der fixen Kosten gedeckt. Kaufmännisch empfohlen seien allgemein 20 Prozent, erklärte die Geschäftsführerin.

Streit um die Grundgebühr

Dieser Schritt war jedoch politisch stark umstritten. Auch Verbandsvorsteher Marko Köhler wollte ihn nicht gehen. „Die moderate Anhebung von Mengen und Grundgebühr ist der beste Kompromiss, um sowohl Haushalte mit allein lebenden Senioren, als auch Familien angemessen zu beteiligen“, sagte der Brücker Amtsdirektor.

Dem folgten die Verbandsmitglieder aus Linthe, Locktow und Bad Belzig. Lediglich Karl-Ingo Stübing aus Brück und Ulf Dingelstaedt als Vertreter der Gemeinde Planebruch plädierten für eine geringere Steigerung der Grundgebühr auf 3,50 Euro und für ein stärkere Anhebung der Mengengebühr.

Mobile Entsorgung bleibt teuer

„Wir sollten uns auch der Verantwortung für den Klimaschutz stellen und die Kunden zum Sparen von Wasser animieren“, sagte Dingelstaedt. „Dies führt jedoch zu einer stärkeren Belastung größerer Haushalte und Familien, die wohl kaum wirklich Wasser sparen können“, sagte Michael Schlecht aus Linthe.

Für die mobile Entsorgung aus Sammelgruben steigen die Gebühren aktuell nicht. Sie waren voriges Jahr angehoben worden auf acht Euro pro Kubikmeter bei einer Grundgebühr von 24 Euro im Jahr. Doch wachse auch dort das Kostenproblem.

„Wir haben keine Fuhrunternehmer gefunden bei der Ausschreibung, die zu den bisherigen Konditionen weiter abfahren würden. Dezentral entsorgt werden derzeit noch circa 450 Haushalte – vor allem in Borkheide. Ansonsten ist das Verbandsgebiet inzwischen zu 94 Prozent mit Abwasserkanälen erschlossen.

Borkheider wollen an den Kanal

Angesichts der höheren Kosten für die mobile Entsorgung wachse nun auch in Borkheide bei den Kunden die Nachfrage für den Anschluss an das Kanalnetz. Das hat Vertreterin Stefanie Ebel deutlich gemacht.

Problem sei dort jedoch noch die unsichere Lage im Baurecht. „So lange der seit langem diskutierte Flächennutzungsplan dort nicht rechtskräftig ist, bleibt eine Entwicklungsplanung auch für uns als Verband schwierig“, argumentierte Marko Köhler.

Abgewartet werden soll die Innenbereichssatzung. Investiert werde nun zunächst dort, wo die Gemeinde Straßen ausbauen lässt. Aktuell rund um den Mittelweg.

„Darüber hinaus müssen wir sehen, welche Grundstücke noch zu einem vertretbaren Aufwand zentral erschlossen werden könnten“, sagte Geschäftsführerin Kerstin Baier.

Von Thomas Wachs

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