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Brück Windrad-Investor wehrt sich gegen Diffamierung
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Windrad-Investor wehrt sich gegen Diffamierung
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14:57 05.06.2019
Im Gewerbegebiet Brück betreiben Ewald Mattes (re.) und Marcus Mattes Granitfirmen. Mit Lars Roskoden (li.) von der Firma Energiequelle wollen sie ein Windrad errichten. Quelle: Thomas Wachs
Brück

Im Konflikt mit der Bürgerinitiative „Gegenwind Brück“ wehren sich die Investoren für ein geplantes Windrad am Rande des Gewerbegebietes Brück nun gegen Vorwürfe, nicht transparent über ihr Vorhaben informieren zu wollen.

„Im Moment liegt einfach noch nicht mehr vor als das, was wir zweimal gegenüber den Stadtverordneten, der Amtsverwaltung sowie in einem Bürgercafé auch öffentlich dargelegt haben“, sagt Marcus Mattes auf Nachfrage der MAZ.

Eigener Strom für die zwei Firmen

Um die von ihm und seinem Vater, Ewald Mattes, seit 2005 im Gewerbegebiet betriebenen beiden Granit-Firmen mit Strom zu versorgen, möchte er zusätzlich zu bereits installierten Photovoltaik-Anlagen nun noch ein Windrad modernster Bauart errichten.

Es soll bei einer Nabenhöhe von rund 160 Metern eine Gesamthöhe von circa 235 Meter an der Rotorspitze haben. Errichten möchte die Unternehmer-Familie das Windrad auf ihrem privaten Gelände am Rande des Industriegebietes gemeinsam mit der Firma „Energiequelle“ als Dienstleister.

Die Darstellung aus dem Bürgercafé zeigt den geplanten Standort eines Windrades am Rande des Gewerbegebietes Brück. Quelle: Thomas Wachs

Deren Projektentwickler Lars Roskoden verweist auf den noch frühen Stand des Planungsverfahrens. Derzeit laufe eine Voruntersuchung zu Naturschutzaspekten, die nötig sei, bevor ein Antrag für das eigentliche Genehmigungsverfahren gestellt werden kann. Dieser soll im nächsten Jahr erfolgen. „Dann wird sich anhand von Gutachten zeigen, ob das Vorhaben eine Chance hat, überhaupt genehmigt zu werden“, erklärt Roskoden.

Spezielle Gutachten geplant

Nach Erfahrungen seiner mehr als 20 Jahre am Markt tätigen Firma geht der Projektentwickler davon aus, dass „alle Grenzwerte bezüglich des Schattenwurfs, der Umweltbelange sowie der Geräuschentwicklung und des Brandschutzes eingehalten werden können“. Dazu werde es jedoch im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens detaillierte Untersuchungen von Gutachtern geben. Auch mit Hilfe von Simulationen und spezieller Software.

So könne auch für die Schatteneinwirkung die astronomisch maximal mögliche Zeit an Einwirkpunkten relativ genau berechnet werden. „Sollte an einigen dieser Punkte der gesetzlich festgelegte Grenzwert von maximal 30 Minuten pro Tag sowie maximal 30 Stunden pro Jahr überschritten werden, schalten spezielle Module in der Windenergieanlage die Anlage so lange aus, bis der Sonnenstand das Einschalten wieder erlaubt“, erklärt der Projektentwickler.

Zur Veränderung des Landschaftsbildes wurden computergenerierte Fotoanimationen angefertigt.

Berechtigte Befürchtungen

„Die durch solch ein Vorhaben zu erwartende Veränderung des gewohnten Lebensumfeldes ruft bei einigen Menschen durchaus berechtigte Befürchtungen und Sorgen hervor“, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmen Mattes-Granit und Energiequelle. „Die daraus entstehenden Ungewissheiten nehmen wir ernst und hatten daher zum Bürgercafé geladen, um zum bisherigen Projektstand zu informieren.“

Im Bürgercafé informierten Investor und Projektentwickler Lars Roskoden zum Plan für das Windrad im Gewerbegebiet Brück . Quelle: Thomas Wachs

Davor und danach habe es „außer einer Kontaktanfrage und einer Nachfrage zur Höhe des geplanten Windrades von der Bürgerinititiative bei uns kein Anfragen nach näheren Informationen gegeben“, sagt Lars Roskoden.

Kritiker lehnten Gespräche ab

Persönlich seien die Investoren von den Windradgegnern bisher nie direkt zu deren Bürgerforen eingeladen worden. Zudem seien Angebote zu Gesprächsterminen schon im Januar abgelehnt worden, berichtet Marcus Mattes. Zum Bürgercafé sind die Gegner dann samt Rechtsanwalt erschienen und kündigten juristische Schritte an.

„Das fanden wir schon irritierend und es entsprach bisher nicht dem gegenseitigen Umgang der Unternehmer im Gewerbegebiet“, erklärt Ewald Mattes: „Der Ton macht die Musik“. Beide Unternehmer finden es „befremdlich, wenn wir öffentlich diffamiert, als böse Nachbarn dargestellt werden und wenn von einem Monster-Windrad die Rede ist“, sagt Marcus Mattes.

Interessiert an Sachlichkeit

„Wir sind an einem sachlichen Austausch interessiert, lassen uns aber nicht bei Veranstaltungen der Kritiker an den Pranger stellen“, so Ewald Mattes. Auch ihm gehe es darum, den Arbeitsschutz einzuhalten für die Mitarbeiter seiner Firma sowie für alle anderen im Gewerbegebiet.

Lars Roskoden verweist auf bereits in anderen Industriegebieten errichtete Windräder. So gebe es zum Beispiel vier Anlagen am BMW-Werk in Leipzig, fünf Windräder am Sitz des Herstellers Enercon in Madgeburg sowie eine große Anlage an einem Aluminiumwerk in Hamburg.

Stadtverordnete werden eingeladen

Um offene Fragen zu klären, wollen der Investor und sein Dienstleister demnächst alle neuen Brücker Stadtverordneten zu einer Werksbesichtigung beim Windenergieanlagen-Hersteller Enercon in Magdeburg einladen, heißt es in der Mitteilung.

Öffentlich geäußerte Befürchtungen der Kritiker, wonach weitere Windräder an dem Brücker Standort entstehen könnten, weist Lars Roskoden zurück: „Von uns gibt es solche Pläne auf jeden Fall nicht“, sagte er der MAZ.

Drittes Bürgerforum der Kritiker

Gegen das Vorhaben laufen eine Unterschriftensammlung sowie eine Online-Petition. Im Internet haben sie mit Stand vom Mittwoch gut 150 Personen unterzeichnet. 114 davon aus Brück. Die Gegner sprechen sich nicht gegen die Nutzung von Windrädern aus. Doch sollten sie nur im Außenbereich und in ausgewiesenen Eignungsgebieten entstehen dürfen.

Für Freitag vor Pfingsten lädt die Initiative „Gegenwind Brück“ alle Bürger sowie Unternehmer aus Brück und Linthe zu ihrem dritten Bürgerforum binnen weniger Wochen ein. Es findet statt ab 16 Uhr im Gewerbegebiet Brück, auf die Wiese Höhe Gregor-von-Brück-Ring 1.

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Von Thomas Wachs

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