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Brück Die Künstlerin und der Handwerker
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16:11 23.05.2018
Michael und Irmgard Demko aus Brück feiern am Donnerstag ihren 60. Hochzeitstag.
Michael und Irmgard Demko aus Brück feiern am Donnerstag ihren 60. Hochzeitstag. Quelle: Andreas Koska
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Brück

Eigentlich wollte die damals 18-jährige Irmgard Demko nur einen Fahrradausflug mit ihrer Freundin machen. Also fuhren die beiden Mädchen aus Schlalach in Richtung Niemegk. Michael Demko und ein Freund fuhren zeitgleich eher ziellos durch die Gegend. Als sie sich begegneten, wechselten die jungen Leute ein paar Worte und die Männer folgten sodann den fröhlichen Damen.

Irmgard und Michael haben sich an jenem Nachmittag besonders gut verstanden. Sie verabredeten sich zum Tanz, trafen sich regelmäßig am Sonntag und die Gespräche wurden intensiver. „Wir kamen uns näher“, erinnert sich Irmgard. Am Donnerstag feiert das Paar seine Diamantene Hochzeit.

Nach vier Jahren verlobt

Vielleicht fühlten sich beide damals auch so verbunden, weil sie Flüchtlinge waren. Irmgard stammt aus dem heute polnischen Sorau – für die 190 Kilometer zwischen der Schlesischen Stadt und Schlalach brauchte die Familie Ende 1945 vier Wochen. Michael Demko stammt aus der Zips in den slowakischen Karpaten. Ihn verschlug es, wie viele andere, 1946 nach Brück.

Nach vier Jahren als Paar verlobten sich die beiden und zu Pfingsten 1958 läuteten schließlich die Hochzeitsglocken an der Schlalacher Kirche. An dem Tag feierten ihre Eltern auch Silberhochzeit. Es stand also eine Doppelfeier ins Haus. Wobei der Tag selbst für die Brautleute äußerst anstrengend war – hatten sie doch zwei Polterabende hinter sich. Zuerst bei Michael am Donnerstag in Brück und dann bei Irmgard am Freitag in Schlalach.

Kaiserwetter am Hochzeitstag

Der damalige Brücker Schuldirektor übernahm die Aufgabe des Chauffeurs und fuhr das Paar mit seinem P-70 von Schlalach zum Standesamt nach Treuenbrietzen und dann zur Kirche. „Es war Kaiserwetter, strahlender Sonnenschein“, erzählt Irmgard Demko. Die Nachbarn haben die Zutaten für die Kuchen und das Essen gespendet, ein Bauer gar ein ganzes Kalb.

Zur Hochzeitsreise ging es, wie sollte es anders sein, per Rad an die Müritz zum Zelten. Der Möbeltischler hatte da schon eine Zusatzausbildung absolviert und wurde als Quereinsteiger Lehrer für Werken. Seine Liebste war Textilfachverkäuferin: Zuerst in der Sabinchenstadt und nach der Hochzeit bis zu Geburt der Kinder in Brück. Später arbeitete sie bei der Bank.

Ihre alte Heimat haben sie nicht vergessen

Ein Sohn, eine Tochter, zwei Enkel und ein Urenkel vervollständigen inzwischen die Familie. Obwohl Brück beiden ans Herz gewachsen ist, haben sie ihre alte Heimat nicht vergessen. Michael Demko engagiert sich für die Partnerschaft zwischen Brück und Spisska Bela, der Hauptstadt der Zips. Seine Frau ist in der Landsmannschaft „Sorauer Land“ aktiv. Bei den Treffen in Forst spielt die musikalische Dame dann Folkloreweisen. Immerhin beherrscht sie die Flöte, Zither, Ziehharmonika und Akkordeon.

Sie ist die Künstlerin in der Familie, er der Handwerker. Bis heute repariert er alles nach Möglichkeit selbst und das trotz seiner 86 Jahre. Viele Möbel hat er selbst gebaut, ebenso wie die Täfelung einiger Zimmer und Decken errichtet. Der Keller des im Jahr 1973 errichteten Hauses ist sein Reich. Irmgard regiert im Erdgeschoss.

Wichtige Aufgaben gemeinsam angepackt

Nach der Wende ging es auf Reisen durch Europa – diesmal aber nicht per Rad, sondern meist per Bus. „Wir haben immer gut zueinander gehalten und daraus neue Kraft geschöpft“, antwortet die 83-Jährige auf die Frage, wie man es schafft, so lange zusammen zu bleiben. Und Michael ergänzt, dass sie immer eine Arbeitsteilung hatten, aber „wichtige Aufgaben gemeinsam angepackt haben.“

Und so erlebt man die beiden agilen Senioren auch heute in der Stadt, egal ob Frühlings- oder Erntefest – die beiden sitzen nebeneinander und genießen gemeinsam die Veranstaltungen. „Ich hoffe, dass wir noch lange gesund bleiben und gemeinsam durchs Leben gehen können“, äußert Irmgard Demko ihren diamantenen Hochzeitswunsch.

Von Andreas Koska