Jana Weiss scheidet aus dem Amt als Elternvertreterin
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Brück Es reicht: Landesregierung soll Versprochenes liefern
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Jana Weiss scheidet aus dem Amt als Elternvertreterin

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12:16 09.09.2021
Weiß Bescheid über die Sorgen und Nöte der Eltern: Jana Weiss aus Borkwalde ist seit 2018 Kreiseltersprecherin für die Kita „Sonnenschein“ in Borkheide und Vorstandsmitglied im ersten Kreiselternbeirat für Kita und Hort in Potsdam-Mittelmark.
Weiß Bescheid über die Sorgen und Nöte der Eltern: Jana Weiss aus Borkwalde ist seit 2018 Kreiseltersprecherin für die Kita „Sonnenschein“ in Borkheide und Vorstandsmitglied im ersten Kreiselternbeirat für Kita und Hort in Potsdam-Mittelmark. Quelle: Johanna Uminski
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Borkheide

In allen Kindertagesstätten, Horten und integrierten Tagesbetreuungsangeboten werden bis September die Kreiselternvertreter gewählt. Jana Weiss aus Borkwalde ist seit der Gründung des Kreiselternverbandes 2018 als Vertreterin der Kita Sonnenschein in Borkheide dabei und spricht mit der Maz über die Arbeit als Elternvertreterin, über das Erreichte und was ihren Nachfolger erwartet.

Aktuell wird dazu aufgerufen, sich für die Wahl als Elternvertreter aufzulisten - Wie sieht es mit der Beteiligung in Borkheide und Borkwalde aus?

Im Moment haben sich noch keine Eltern gemeldet, die bereit sind, das Ehrenamt zu übernehmen. Ich weiß, dass es gerade im Moment für viele Familien schwer ist, sich die Zeit zu nehmen. Die Schul- und Kitaschließungen haben einfach ihre Spuren hinterlassen. Ohne Stimme werden Kinder und Familien jedoch auch in der Zukunft wenig von der Politik beachtet werden. Ich hoffe daher sehr, dass sich noch Eltern melden. Bis Mitte September können Elternvertreter an das Kreisjugendamt gemeldet werden.

Für wie viele Jahre „verpflichtet“ man sich?

Die Legislaturperiode dauert zwei Jahre. Voraussetzung ist, dass mindestens ein Kind die Einrichtung besucht, in der der Elternteil gewählt worden ist.

Wie funktionieren die Wahlen?

Je Einrichtung wird ein Vertreter entsandt. Alle Vertreter eines Kreises bilden die Kreiselternvertretung, die vom Jugendamt zur ersten konstituierenden Sitzung im Oktober eingeladen werden. Aus den Kreiselternvertretern wird der Vorstand der Kreiselternvertretung gebildet, ein Mitglied in den Jugendhilfeausschuss entsandt und zwei Mitglieder in die Landeselternvertretung gewählt. Aus allen Landeselternvertretungen wiederum wird der Bundeselternverband durch Entsendung von Mitgliedern gebildet.

Warum haben Sie damals entschieden, für den Posten zu kandidieren? Warum legen Sie die Tätigkeit im Elternbeirat anderen Eltern wärmstens ans Herz?

Die Arbeit der Elternverbände sowohl auf der Kreis-, Landes- als auch Bundesebene ist immens wichtig. Nicht zuletzt hat die Coronapandemie gezeigt, dass Familien und Kinder in der Politik wenig Stimme und Gewicht haben. Erst mit präsenten Elternvertretungen ändert sich das zunehmend. Im Rahmen von Gesprächen mit Politik und Verwaltung werden Schlaglichter auf die Situation von Kindern und Familien geworfen. Die Aufgaben in den Elternvertretungen sind unglaublich vielseitig und reichen von technischen Aufgaben, beispielsweise der Frage, wie erreicht man möglichst effizient viele Eltern über organisatorischen Fragen. Wie kann eine Meinungsbildung effizient erfolgen? Es gibt Einzelfallberatungen beispielsweise zur Bildung von Kitaausschüssen oder zum Umgang mit fehlenden Kitaplätzen und politische Anhörungsverfahren. Für jeden ist da etwas dabei, was wichtig ist und Spaß macht.

Wie lange sind Sie Elternvertreterin?

Seit 2018 besteht die gesetzliche Grundlage zur Bildung der Kreis- und Landeselternverbände. Ich bin seit der Gründung des Kreiselternverbandes als Vertreterin der Kita Sonnenschein in Borkheide dabei. Ich bin ebenfalls seit 2018 im Vorstand der Kreiselternvertretung aktiv und seit 2019 zusätzlich in der Landeselternvertretung. Da meine Kinder in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode nicht mehr die Kita besuchen, scheide ich aus dem Amt aus und bin nur noch beratend tätig.

Worauf sind Sie stolz, wenn Sie auf die letzten vier Jahre als Elternvertreterin zurückblicken?

Stolz bin ich darauf, dass es mittlerweile überhaupt Elternvertreter gibt und wir insbesondere von Eltern, mittlerweile aber auch von Einrichtungen zu verschiedensten Themen um Rat gebeten werden. Gerade die letzten 1,5 Jahre Corona waren der absolute Wahnsinn. Allein die Einzelfallberatungen von in Not geratenen Kindern und Familien würden ein ganzes Buch füllen.

Was wünschen Sie sich von Ihrem Nachfolger?

Ich freue mich, wenn jemand bereit ist, das Ruder zu übernehmen. Es gilt: Familien und Kindern in der Politik eine Stimme geben. Die wichtigsten Aufgaben für die nächsten Jahre sind die Diskussionen um den Kitaplatzausbau, die Qualitätsentwicklung und die Beitragsfreiheit. Die letzten beiden Punkte sind zwar im Koalitionsvertrag von der Brandenburger Landesregierung aus SPD, CDU und Grünen versprochen worden. Das Versprechen wird die Landesregierung möglicherweise brechen. Es ist die Aufgabe der Elternvertreter, die aktuelle Landesregierung an diese Versprechen zu erinnern. Corona darf nicht als Ausrede benutzt werden, um in Brandenburg sowohl in Bezug auf die Beitragsfreiheit als auch in Bezug auf die Personalausstattung hinter dem Bundesdurchschnitt zurückzubleiben. Die Kinder und Familien haben genug Geduld gehabt und sind im Rahmen der Schul- und Kitaschließungen bis weit über die Belastungsgrenzen strapaziert worden. Es reicht. Ich erwarte von einer Landesregierung, Versprochenes zu liefern - vor allem, wenn die Not bei den Familien so groß ist wie jetzt.

Von Johanna Uminski