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Brück Arbeitsmarkt im Hohen Fläming bleibt entspannt
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14:58 03.01.2020
Marko Wilke leitet seit 2015 die Arbeitsagentur-Geschäftsstelle in Bad Belzig. Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Jeder zehnte Arbeitslose im Hohen Fläming ist ein Jugendlicher. Dieser hohe Anteil stört die eigentlich recht positive Bilanz der Arbeitsagentur-Geschäftsstelle Bad Belzig zum Ausklang des Jahres 2019.

Demnach sind im Dezember hierzulande 1204 Erwerbsfähige ohne feste Beschäftigung gewesen – 29 mehr als noch im Vormonat. Die Quote ist damit geringfügig von 5,7 auf 5,8 Prozent gestiegen. Der Vorjahreswert lag indes bei 6,8 Prozent. Das geht aus der am Freitagvormittag veröffentlichten Statistik hervor. Demnach liegt die Entwicklung in Bad Belzig und Umgebung im allgemeinen Trend des Landes Brandenburg, wo ebenfalls eine um 0,1 Punkte gestiegene Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent zu verzeichnen ist.

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Saisonübliche Entwicklung

„Es handelt sich um einen saisonüblichen Anstieg, der aber nicht so dramatisch ausfällt wie noch vor fünf Jahren“, schätzt Marko Wilke ein. Wie der Leiter der Arbeitsagentur-Geschäftsstelle berichtet, bleiben viele sonst übliche Meldungen aus. „Vom Bau kommen bestenfalls noch die Dachdecker“, sagt er. Alle anderen Handwerker verzeichnen offenkundig dank Witterungslage und Konjunktur eine gute Auftragslage. Wegen der Fachkräfte-Nachfrage, überlegen sich die Geschäftsführer und Personalchefs, ob sie jemanden entlassen, der dann zur Konkurrenz wechselt.

Dass der hiesige Arbeitsmarkt ganz robust ist, zeigt sich nach Aussage des Behördenchefs die durchschnittliche Jahresquote von 6,2 Prozent. Von Januar bis Dezember hatten sich nur 3101 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet –149 weniger als 2018. 308 Stellen sind hingegen offen, nochmals 33 mehr als vor zwölf Monaten.

Nachwuchs bricht Lehren ab

Um so sorgenvoller betrachten Marko Wilke und Kollegen die große Zahl von jungen Leuten, die gerade ihre Ausbildungen abbrechen. 27 solche Zugänge wurden im Dezember in seiner Kartei erfasst. Die wenigsten Lehren enden zu dem Zeitpunkt planmäßig. „Die Betroffen kommen aus fast allen Branchen und die Gründe sind facettenreich“, sagt der Experte. Einige Unternehmen nutzen die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte aus, einige Jugendlichen lassen grundlegende Sozialkompetenz vermissen. Nicht selten gibt es erhebliche Kommunikationsprobleme zwischen Azubis und Eltern auf der einen Seite sowie den Betrieben auf der anderen Seite. „Eine Verrohung der Zustände ist zu beobachten“, bestätigt Marko Wilke.

Häufig ist nach einem Vierteljahr die Erkenntnis gereift, dass der falsche Beruf gewählt wurde. Meist g bei jungen Leuten, die vorab weder die Berufsorientierung in Anspruch genommen noch ein Praktikum absolviert haben. „Wir versuchen zu beraten und Alternativen zu empfehlen“, berichtet Marko Wilke. Doch es locken Jobs, wo Jugendliche zunächst einmal ungelernt Geld verdienen können.

Von René Gaffron