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Brück Wende-Erinnerungen: „Was wir tragen konnten, haben wir mitgenommen“
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Wende-Erinnerungen: „Was wir tragen konnten, haben wir mitgenommen“
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08:03 06.11.2019
Waren bei der Grenzöffnung dabei: Veronika und Dieter Dunker aus Fichtenwalde. Im Hintergrund hängt ein Bild von Werner Karsch, Maler aus Dresden. Quelle: Johanna Uminski
Fichtenwalde/Brück

Den 9. November 1989, den Tag des Mauerfalls in Berlin, werden Veronika und Dieter Dunker niemals vergessen. „Wir waren nachmittags bei der Schwägerin, da der Schwager an dem Tag von Ostberlin über Tschechien nach Tegel geflogen kam. Wir waren dort, um seine Ankunft zu feiern“, erzählt die heutige Fichtenwalderin. Der Fernseher lief im Hintergrund und Günter Schabowski verkündete, dass es jedem DDR-Bürger ab sofort möglich sei, über Grenzübergangspunkte der DDR diese zu verlassen“, sagt Dunker weiter.

„Ich dachte, dass Dieter sich verhört hätte und wir haben nicht weiter darüber gesprochen.“ Am späten Abend ging es nach Hause nach Reinickendorf. „Wir hatten einen Fernseher im Schlafzimmer. Die Tagesthemen liefen und wir sahen die Menschenmassen. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich die Bilder sehe“, sagt die 71-Jährige.

Weltdokumentenerbe der UNESCO

Als Sekretär für Informationswesen las Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz von einem Zettel eine neue Regelung für Reisen ins westliche Ausland für DDR-Bürger ab.

Auf eine Reporterfrage antwortete er, dass diese Regelung seines Wissens „sofort, unverzüglich“ in Kraft trete.

Noch am selben Abend löste diese Meldung einen Massenansturm der DDR-Bürger auf die Grenze nach West-Berlin aus.

Dieser führte wenige Stunden später zur ungeplanten, historischen Öffnung der Mauer durch die überforderten DDR-Grenzer.

Die Tonaufnahmen der Pressekonferenz gehören inzwischen zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Das Ehepaar fuhr in die Bornholmer Straße, nur fünf Autominuten von ihrem Zuhaus entfernt. Ohne dass sie es wussten, war dieser der erste Grenzübergang, der in Berlin geöffnet wurde. „Überall hingen große Bettlaken mit Sprüchen wie „Liebe Brüder und Schwestern aus dem Osten, herzlich willkommen“, berichtet das Ehepaar. „Wenn jetzt die Grenzen offen sind, zeige ich dir, wo sie mich in Ostberlin verhaftet haben“, sagte Dieter Dunker damals dann zu seiner Frau. Im damaligen Café Nord auf der Schönhauser Allee wurde er festgenommen, nachdem er am Tisch einen politischen Witz erzählte, berichtet er.

Dieter Dunker wuchs in West-Berlin auf. Der Liebe wegen zog es den jungen Mann kurz nach der Mauerschließung nach Ost-Berlin. Seine erste Frau verstarb plötzlich und unerwartet. Dieter Dunker wollte zurück nach West-Berlin, zu seiner Familie. Einen offiziellen Weg gab es nicht, also blieb nur eine geplante Flucht. Nach einem ersten Versuch, der kurzerhand abgebrochen werden musste, folgte ein zweiter. Dieser misslang. Die Festnahme war im Dreiländereck zwischen DDR, BRD und Tschechoslowakei. Dieter Dunker und sein Freund wanderten ins Gefängnis. „Von Günther habe ich seitdem nie wieder mehr was gehört“, sagt der 78-Jährige.

Kraft durch den Glauben

Traumatische Erlebnisse aus der Zeit verfolgen das Ehepaar bis heute. Kraft finden sie im christlichen Glauben. „Wir besuchen regelmäßig Glaubenskurse in Brück.“ Am 1. Mai dieses Jahres kamen sie zur Ausstellungseröffnung „Komm doch mal rüber“ in die Brücker Lambertuskirche, um dort auch mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und von ihren Erlebnissen zu erzählen.

Dieter Dunker zeigte seiner Frau am Tag der Maueröffnung den Ort, an dem er von Polizisten festgenommen wurde. „Wir sind zu Fuß hingegangen. Ich hatte Muffensausen und wollte schnell zurück und dachte, hoffentlich lassen sie uns wieder zurück nach West-Berlin“, erzählt Veronika Dunker von ihren Gefühlen am 9. November 1989. Die Eindrücke an diesem Abend vergleicht sie mit der Geburt ihres ersten Kindes. „Da waren plötzlich so viele Endorphine auf einem Haufen. Fragen kamen auf, warum bist du ausgereist? Hättest du nicht warten können?“

Ausreise innerhalb von 24 Stunden

Das Ehepaar reichte einen Ausreiseantrag ein. 1984 war es endlich soweit. „Plötzlich stand ein Mann vor der Tür, klingelte und sagte, dass er etwas für uns hat, worauf wir schon lange warten“, erzählt das Ehepaar. Innerhalb von 48 Stunden mussten Veronika und Dieter Dunker Nachweise und Dokumente einreichen. „Ich dachte, dass es in zwei, drei Tagen losgeht. Wir mussten dann aber noch sechs Wochen warten. Ich dachte schon, dass sie es sich wieder anders überlegt haben. Dann bekamen wir die Aberkennung der Staatsbürgerschaft.“ Nun musste es schnell gehen, denn sie mussten innerhalb der nächsten 24 Stunden die DDR verlassen.

„Was wir tragen konnte, haben wir mitgenommen. An der Hand hatte ich die Kinder, unseren Hund und jeder hatte zwei bis drei Koffer. Da war nicht viel möglich“, berichtet die Fichtenwalderin. Das Ehepaar blickt auf die letzten 30 Jahre zurück. „Damals konnte ich es nicht verstehen, warum die Ossis nach dem Mauerfall unzufrieden waren. Aber heute verstehe ich es. Das ganze Leben war praktisch auf einmal nichts mehr wert.“

Von Johanna Uminski

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