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Brück Jahrelang kippen Unbekannte ihren Müll in den Wald – jetzt räumen die Brücker selbst auf
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Jahrelang kippen Unbekannte ihren Müll in den Wald – jetzt räumen die Brücker selbst auf
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07:30 27.09.2019
Die Forstwirte Elke Trzewik, Lothar Patzwald und der Praktikant Fabian Haefner haben die Gartenabfälle im Brücker Waldstück weggeräumt. Quelle: Hannah Rüdiger
Brück

Auf fast 50 Meter Länge war der Müllhaufen im Wald über die Jahre angewachsen. Bei einer großen Aufräumaktion haben Forstleute und Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Potsdam-Mittelmark (APM) dem illegalen Komposthaufen im Brücker Wald am Mittwoch ein Ende gesetzt.

Bereits nach zwei Stunden Arbeit war der erste Container mit einem Fassungsvermögen von 50 Kubikmetern bis oben hin gefüllt mit Gartenabfällen. Es folgten zwei weitere, noch größere Container.

„Dieser Müllhaufen ist bestimmt über vier oder fünf Jahre entstanden“, sagt Forstoberinspektor Holk Michaelis. „Das hat eine Dimension angenommen, die wir nicht mehr dulden können.“ Der Förster wacht über eine Waldfläche von 7800 Hektar. Dazu zählt auch das Waldstück zwischen Brück und Linthe.

Forstarbeiter befreien den Waldrand von Gartenabfällen. Innerhalb von wenigen Stunden waren zwei Container gefüllt. Quelle: Hannah Rüdiger

Gartenabfälle wurden über Jahre abgelagert

Offenbar hatten Gartenbesitzer den Wald als geeigneten Ablageort für ihren Rasenschnitt, ihre Pflanzenabfälle und alte Blumenerde erachtet. Im Laufe der Zeit türmte sich der provisorische Komposthaufen immer höher.

Neben dem Revierförster rückten drei Forstwirte von der Oberförsterei Dippmansdorf und ein Praktikant an, um den Müll zu beseitigen. Die APM stellte unter anderem Container und Fahrer zur Verfügung, um die Abfälle abzutransportieren.

„Das ist wirklich eine Schweinerei“, sagt die Forstwirtin Elke Trzewik. „Man kann doch nicht einfach seinen ganzen Müll in den Wald bringen.“ Mehrmals im Jahr räumen sie und ihre Kollegen solche Müllhalden auf. Manchmal seien es Waschmaschinen, Fernseher und Computer. Diesmal kehren sie Zweige, Pflanzenreste und Blumenerde zusammen.

Kompost schadet dem Wald

Was vielen vielleicht immer noch nicht bewusst ist: Gartenabfälle können dem Wald massiven Schaden zufügen. Das hat mehrere Gründe. Ein Problem ist die sogenannte Biotopverfälschung. Wenn sich ausländische Pflanzen ausbreiten, die in diesem Ökosystem eigentlich nichts zu suchen haben, können heimische Arten verdrängt werden.

Auf diese Weise hat sich zum Beispiel der Riesen-Bärenklau in siedlungsnahen Gebieten breit gemacht. Die zwei bis fünf Meter hohe krautige Pflanze nimmt niedrigeren Gewächsen das Licht, sodass diese verkümmern. Beim Menschen kann sie schmerzhafte Hautentzündungen verursachen. Nicht von ungefähr wurde der Riesen-Bärenklau 2008 zur Giftpflanze des Jahres erklärt.

Durch illegale Komposthaufen im Wald machen sich Pflanzen breit, die dort nicht hingehören – wie zum Beispiel dieser wilde Wein . Quelle: Hannah Rüdiger

Von Pilzbefall bis Waldbrandgefahr

Manche Zweige von Gartensträuchern oder Obstbäumen schleppen außerdem Krankheiten ein: „Da können zum Beispiel Pilze drin sein, die den Wald befallen“, erklärt Michaelis. Schädlich ist auch das Nitrat aus Blumenerde und Dünger, das in den Boden gelangt und schließlich das Grundwasser belastet. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern letztendlich auch den Menschen.

Sogar die Waldbrandgefahr steigt, wenn Grünabfälle achtlos in der Natur entsorgt werden. Durch die Gärungsprozesse erhitzen sich die Müllberge und können sich im schlimmsten Fall selbst entzünden. Je trockener die Umgebung, desto schneller steht der Wald in Flammen.

Forstoberinspektor Holk Michaelis wacht über ein Waldrevier von 7800 Hektar. Quelle: Hannah Rüdiger

Förster stellen Verbotsschild auf

Um den illegalen Müllentsorgern Einhalt zu gebieten, soll demnächst ein Verbotsschild an der Stelle platziert werden. Das Schild wird darauf hinweisen, dass Grünabfälle nicht im Wald abgelagert werden dürfen – und allen, die sich nicht daran halten, Geldbußen von bis zu 20.000 Euro drohen. Daneben werden vielleicht noch Info-Flyer in einer wasserdichten Plastikbox platziert.

„Wir wollen keinen Schilderwald“, erklärt Revierförster Holk Michaelis. Anders sei es jedoch kaum möglich, die Bevölkerung zu sensibilisieren. „Jeder Bürger, der einen Garten hat, kann einen Komposthaufen errichten“, fügt er hinzu. Außerdem gebe es schließlich Biotonnen und die Möglichkeit, Reisigabfälle bei sich Zuhause abholen zu lassen.

Aufräumkosten fallen auf alle zurück

Manche hielten den offiziellen Entsorgungsweg offenbar für zu aufwendig oder zu kostspielig. „Aber so eine Aufräumaktion hier kostet auch Geld“, so Michaelis. Die Kosten dafür würden letzten Endes wieder auf die Bürger umgelegt.

Die große Mehrheit halte sich zum Glück an die Regeln und entsorgt ihren Müll nach Vorschrift, sagt der Förster. Die Lage bleibt trotzdem problematisch. „Es sind wenige, die ihre Abfälle im Wald entsorgen – aber die tun es leider intensiv.“

Von Hannah Rüdiger

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