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Brück Kritiker starten Onlinepetition gegen Windradprojekt
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Kritiker starten Onlinepetition gegen Windradprojekt
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18:36 21.05.2019
Voller Saal in Rottstock zur zweiten Diskussionsrunde. Michael Klenke (mit Mikro) gehört zu den Kritikern. Quelle: Thomas Wachs
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Brück

Die Kritiker des Projektes zum Bau eines Windrades im Gewerbegebiet Brück verschärfen ihren Protest. Ergänzend zu ihrer bei der ersten Zusammenkunft am 9. Mai gestarteten Unterschriftensammlung haben sie nun ein Online-Petition freigeschaltet. So können Kritiker auch im Internet ihren Protest gegen das Vorhaben kund tun.

Petition an den Amtsdirektor

Die vom Brücker Stadtverordneten Michael Klenke (SPD) aufgesetzte Petition ist über den Brücker Amtsdirektor Marko Köhler an die Stadtverordneten adressiert. Sie trägt den Titel „Gegen ein Windkaftmonstrum in der Nähe Brücker Wohnungen, Unternehmer und Angestellter“.

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Zu der zweiten Diskussionsrunde binnen weniger Tage waren gut 100 Bürger am Montagabend der Einladung der Windradgegner gefolgt in den Rottstocker Landgasthof. Dort waren auch Befürchtungen geäußert worden, dass über das bisher angekündigte Windrad hinaus, weitere Anlagen auf Flächen eines anderen Privatbesitzers gebaut werden könnten. „Wir haben gehört, dass Agrarflächen gekündigt werden, angeblich um dort zwei Windräder zu bauen“, sagte Landwirtschafts-Unternehmer Thomas Haseloff.

Nachbarn wehren sich gegen Projekt

Er gehört mit Detlef Seeliger, dem Inhaber der Firma Mapco im Gewerbegebiet sowie dem Stadtverordneten Michael Klenke (SPD) zu den Initiatoren des Protestes gegen das am Rande des Brücker Gewerbegebietes geplante Windrad.

Detlef Seeliger interviewt Biologin Bianca Böttcher zum Vogelschutz. Quelle: Thomas Wachs

Die Anlage modernster Bauart soll bei einer Nabenhöhe von rund 160 Metern eine Gesamthöhe von circa 235 Meter an der Rotorspitze haben. Errichten möchte sie der Unternehmer Marcus-Oliver Mattes auf seinem Gelände am Rande des Industriegebietes gemeinsam mit der Firma Energiequelle als Dienstleister. Die Anlage soll zur Stromversorgung der beiden benachbarten Standorte des Familienbetriebes von Rex-Granit und der Mattes-Granit GmbH am Gregor-von-Brück-Ring beitragen.

Scharfe Kritik an Investor

Die Kritiker werfen dem Investor vor, „Geschäfte zu machen auf Kosten des Allgemeinwohls“, sagte Michael Klenke. Er kritisierte die „bislang noch dünne Informationslage zum konkreten Umfang des Projektes“. Nach Ansicht Klenkes „werden auch die Stadtverordneten noch hinters Licht geführt. Sie sollen geködert werden mit finanziellen Zusagen für die Stadtkasse, die jedoch inzwischen schon gesetzlich gefordert sind“.

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Auch im Saal wurden Forderungen laut, das Thema gemeinsam mit allen Stadtverordneten zu diskutieren. Am Abend in Brück-Rottstock waren nur drei Abgeordnete dabei. „Auch sind Amtsdirektor Marko Köhler und andere Unternehmer aus den Gewerbegebieten der Einladung heute nicht gefolgt“, sagte Detlef Seeliger. „Doch betroffen sein werden auch sie alle und haben eine Fürsorgepflicht für die insgesamt gut 1000 Mitarbeiter“ im Einflussgebiet des geplanten Windrades.

„Entsetzliches Monstrum“ vor der Nase

Mit scharfen Worten sprach der Unternehmer von einem „bösen Nachbarn, der uns ein entsetzliches Monstrum vor die Nase setzen will“. Unterstellt wird den Projektentwicklern, dass sie Abstandsflächen und Lärmrichtlinien ignorieren würden mit dem Projekt im Gewerbegebiet, so Seeliger.

Allgemein sieht der Unternehmer „keinerlei volkswirtschaftlichen Sinn in Erneuerbaren Energien“. Es gehe nur darum, „sich persönlich die Taschen zu füllen“. In der Windkraftbranche allgemein sieht er „mafiöse Strukturen“.

Um das Brücker Vorhaben zu verhindern, setzen die Kritiker auch auf den Vogelschutz. So müssten der Horst eines streng geschützten Rotmilans sowie das Fluggebiet der Trappen aus den nahen Belziger Landschaftswiesen dringend beachtet werden.

Größerer Abstand gefordert

Allgemein werden von den Brücker Windradgegnern neue Regelungen durch die Bundes- und Landespolitik gefordert, um Abstände zu Wohnbebauungen an die neuen Dimensionen der heute üblichen Anlagen anzupassen. Sie müssten nun das Zehnfache der Höhe, also mindestens 2350 Meter, betragen.

Die Planer weisen die Vorwürfe zurück, nicht transparent zu dem Vorhaben informieren zu wollen. Wie Lars Roskoden, der Projektentwickler der Firma Energiequelle, am Dienstag auf Anfrage der MAZ sagte, „nehmen wir die Befürchtungen aus dem Umfeld sehr ernst und haben uns daher schon vor dem eigentlichen Antragsverfahren auch für einen Informationstag entschieden“.

Nähere Informationen angekündigt

Bei diesem hatten der Investor und die Windenergiefirma im April dargelegt, dass für das Projekt bereits eine vorbereitende Prüfung zu Naturschutzbelangen läuft. Sie soll zum Jahresende abgeschlossen sein. Danach folge der Antrag für das konkrete Genehmigungsverfahren.

Dafür ist das Landesamt für Umwelt zuständig. „Dann werden alle Belange behördlich geprüft auch unter Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange – wie der Kommune – sowie von Bürgern“, so Lars Roskoden. Er kündigte am Dienstag an, gemeinsam mit dem Investor umgehend durch nähere Informationen „zur Versachlichung der Debatte beitragen“ zu wollen.

Von Thomas Wachs