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Brück Bäume gefällt: Nun steht die Linther Kirche nackt da
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Bäume gefällt: Nun steht die Linther Kirche nackt da
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18:35 25.02.2019
Der Bauhof der Gemeinde hat am Montag vier gesunde Linden gefällt, die an der Linther Kirche standen.  Quelle: Wenke Baumgarten
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Linthe

Vier Linden sind am Montag auf dem Friedhof an der Linther Kirche gefällt worden. So war es in der Vorwoche in der Gemeindevertretung beschlossen worden. Binnen weniger Stunden waren die Bäume umgelegt und zu Kleinholz verarbeitet.

Wenke Baumgarten ist ziemlich sauer: „Begründung: Sie werfen zu viel Laub. Bewohner sind auf Gemeindevertreter zugegangen, da zu viel Laub von den Gräbern zu entfernen sei. Wie viele Bewohner? Zwei oder vielleicht fünf oder sogar zehn Bewohner? Von über 900 in Linthe.“

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So sah der Linther Kirchhof vor der Fällaktion aus.  Quelle: Wenke Baumgarten

Sie sehe hier keine Vertretung des Interesses der Einwohner, klagt sie auf Facebook. Und: „Durch die Baumfällung fallen Schattenplätze auf dem Friedhof weg, Nistplätze gehen verloren, das Ortsbild wird verändert. Wichtige Gesichtspunkte der Entscheidungsfindung wurden meiner Meinung nach nicht berücksichtigt – jedenfalls wurden sie in der Gemeindevertretersitzung nicht diskutiert.“

Hannelie Fischer aus Brück sieht das nicht anders: „Schade um die schönen Bäume. Eigentlich sollte es bestraft werden, wenn gesunde, alte Bäume gefällt werden, ohne Not“, kommentiert sie im Internet.

Knappe Entscheidung

Mit sechs Stimmen votierten die Abgeordneten für die Fällung. Drei waren dagegen und zwei enthielten sich.

Gemeindevertreterin Melanie Balzer (SPD) hadert mit dem Beschluss des Gremiums: „Die Begründung war mangelhaft. Die Abstimmung denkbar knapp. Schade um die schönen Bäume“, teilt sie bei Facebook mit.

Auf Nachfrage der MAZ erklärt Bürgermeister Ottheiner Kleinerüschkamp (CDU) den Hintergrund für die Fällaktion. „Das Thema ist nicht erst seit gestern aktuell. Es ist immer wieder in den letzten Jahren auch im Ortsbeirat im Beisein von Bürgern diskutiert worden“, sagt der Gemeindechef am Montagabend. Die Arbeiten seien der Auftakt für eine Umgestaltung des Friedhofes.

Bürger machten Druck auf Gemeinde

Immer wieder hätten Bürger, die Gräber pflegen, von der Gemeinde gefordert, den hohen Pflegeaufwand zu reduzieren, „der die ganze Vegetationszeit von den Linde ausgeht“, sagt Kleinerüschkamp.

Auch sei die Gemeinde vom Amt Brück angehalten worden, „die hohen Pflegekosten für den Friedhof zu reduzieren“, so der Ortschef. Vorgesehen ist nun eine Neugestaltung auch der Wiese für anonyme Beisetzungen. Dort sollen Ersatzpflanzungen stattfinden, die mindestens vier Ahorn-Kopfbäume umfassen.

Vorab kein Diskussionsbedarf

Der Bürgermeister plädiert dafür, „das Gesamtkonzept zu sehen, bevor im Internet Stimmung gemacht wird“. Auch hätten die Punkte zur Gemeindevertretung angesprochen werden können. „Doch gab es da keinen Diskussionsbedarf“, erklärt Ottheiner Kleinerüschkamp.

Für Melanie Balzer zeige der Vorgang, „wie wichtig es wäre, dass die Gemeinde eine Baumschutzsatzung bekommt“, sagte sie am Abend der MAZ.

Von Thomas Wachs