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Brück Schwere Umweltkriminalität auf Wiesen und Ackerflächen vermutet
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Schwere Umweltkriminalität auf Wiesen und Ackerflächen vermutet
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10:32 16.08.2019
Die Flächen des alten Offenmelkstalls bei Brück-Stromtal werden als Lagerplatz genutzt. Quelle: Thomas Wachs
Brück

Mehrere Behörden ermitteln im Raum Brück zum Verdacht eines schweren Umweltdeliktes. Auf Wiesen und Ackerflächen in der Nähe der Siedlung Stromtal sowie des Gewerbegebietes könnten systematisch und unerlaubt Bauabfälle in den Boden eingearbeitet worden sein. Betroffen sind diverse private Flurstücke sowie kommunale Flächen der Stadt Brück.

Deren Eigentümer oder Nutzer haben Anzeigen erstattet. Denn in den Abfällen hätten sich offensichtlich auch Asbestreste sowie Bitumen, Teer, Plastik Folien und Dachpappe befunden. Reste davon seien auf Flächen, die unter anderem zum Maisanbau sowie als Pferdeweide genutzt werden, an der Bodenoberfläche noch zu erkennen, berichten Zeugen.

Tatverdächtiger aus Brück

Das Kommissariat Schwere Umweltkriminalität im Landeskriminalamt der Polizei sowie die Staatsanwaltschaft und die Bodenschutzbehörde des Landkreises ermitteln inzwischen gegen einen Tatverdächtigen aus Brück. Das bestätigt Juliane Mutschischk, eine Sprecherin der Polizeidirektion West, am Mittwoch auf Anfrage der MAZ.

Im Geoportal „Brandenburg Viewer“ zeigen helle Punkte bei Brück-Stromtal (oben rechts) abgekippte Lkw-Ladungen von 2018. An der Weggabelung ist der alte Melkstand zu sehen. Quelle: Repro MAZ

Konkretere Ermittlungen der Bodenbehörde gebe es bereits seit Juni. In deren Rahmen fand am Dienstag nach Informationen der MAZ ein Ortstermin mit Vertretern des Amtes Brück sowie der Unteren Bodenschutzbehörde statt im Umfeld des alten Offenmelkstandes bei Stromtal und auf weiteren Ackerflächen. Zeugen wurden befragt.

Neue Fuhren rollen Ermittlern in Arme

Zu diesem Zeitpunkt rollten zufällig gerade weitere Lastwagen an. Die Untere Umweltbehörde des Landkreises zog die Polizei hinzu. Denn die Behördenvertreter waren Zeugen geworden, wie mehrere Lastwagen am Vormittag Material auf Ackerflächen bei Brück ausgefahren hatten, die umgehend mit einem Radlader in den Boden eingearbeitet wurden.

„Die Polizei nahm vor Ort eine Anzeige wegen eines besonders schweren Falls einer Umweltstraftat in Verbindung mit unerlaubtem Umgang mit Abfällen auf“, heißt es von der Polizeisprecherin. „Die Beamten führten eine Fotodokumentation durch und standen im Kontakt mit der Unteren Umweltbehörde“, so Mutschischk. Diese Behörde habe im Vorfeld weitere möglicherweise betroffene Flurstücke festgestellt.

Laut Informationen der MAZ und nach Angaben von Zeugen sollen seit Oktober vorigen Jahres immer wieder Lastwagen angerollt sein. Im April seien Flächen der Stadt Brück betroffen gewesen. „Auch sie sind mit im Fokus der Untersuchungen, ob sie tatsächlich verunreinigt sind, das müssen die Ermittlungen ergeben“, sagt Marko Köhler, der Brücker Amtsdirektor, gegenüber der MAZ. Er war beim Ortstermin dabei.

Aus dem Weltall erkennbar

Unter anderem sind an die 100 abgekippte Ladungen deutlich erkennbar auf Satelliten-Aufnahmen von 2018 im öffentlichen Geoportal „Brandenburg-Viewer“. Vor Ort sind diese jeweils gut 20 Tonnen umfassenden Ladungen inzwischen zumeist verschwunden.

Im Geoportal „Brandenburg Viewer“ sind bei Brück-Stromtal abgekippte Lkw-Ladungen von 2018 erkennbar, die nach Angabe von Zeugen illegale Abfälle enthalten könnten. Behörden und Landeskriminalamt ermitteln. Quelle: Repro MAZ

Auf Betonflächen des alten Weidemelkstandes bei Stromtal lagern indes immer wieder neue Abfälle verschiedener Art. „Das geht immer hin und her angeblich als Zwischenlager“, sagt ein Beobachter, der unerkannt bleiben möchte, gegenüber der MAZ. Aktuell lagern dort riesige Haufen einer alten Holzkonstruktion mit Brettern und Dachbindern sowie Baum-Abfälle.

Kai-Uwe Schwinzert, ein Sprecher der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmarks, bestätigt die Ermittlungen der Unteren Bodenbehörde des Kreises. Mehrere Bodenproben seien entnommen worden. Deren Analyse laufe noch.

Keine Stoffe zur Bodenverbesserung

Doch klar sei bereits eines: „Entgegen der Behauptung der vermutlichen Verursacher handelt es sich bei den Stoffen wohl nicht um mineralische Stoffe zur Bodenverbesserung“, sagt Schwinzert am Mittwoch der MAZ. Das hätten Fotos und Proben gezeigt, die vor Ort gemacht wurden.

Ermittelt werde nun wer, wann und wie die Haufen in der Landschaft abgekippt habe. Zur Abschätzung des Umfanges und für die Analyse der Zusammensetzung ist auch ein Gutachter eingeschaltet worden. Bis zum Monatsende laufe die Anhörung der Betroffenen aus den früheren Untersuchungen der Behörden.

Auf Flächen des alten Offenmelkstalles bei Brück-Stromtal werden aktuell Holzabfälle gelagert. Quelle: Thomas Wachs

Aufgrund eines Hinweises sei der Landkreis im Frühjahr 2019 eingeschaltet worden. Es habe daraufhin in der ersten Jahreshälfte zwei Vorort-Termine der Behörde in Brück gegeben, um dem Verdacht einer Bodenverunreinigung auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen nachzugehen. „Es gab stichpunktartige Untersuchungen“, so Schwinzert.

Untersuchung des Bodens angeordnet

In dem daraufhin eingeleiteten bodenschutzrechtlichen Anhörungsverfahren erhalten die Verantwortlichen die Auflage, die betroffenen Flächen „bodenkundlich weitergehend zu untersuchen“.

Seit Dienstag haben die gesamten Ermittlungen nun eine neue Dimension. Mit Verweis auf das laufende Verfahren will die Polizei zunächst allerdings „keine weiteren Auskünfte erteilen“, sagt die Sprecherin am Mittwochnachmittag gegenüber der MAZ.

Am Donnerstag hat das von den Ermittlungen betroffene Landwirtschaftunternehmen Stellung bezogen. Die Bewirtschafter der Flächen weisen die Vorwürfe der Ermittler zurück. Die Milchhof Brück GmbH & Co. KG verweist darauf, dass auf den Flächen Bodenbaushub verarbeitet worden sei zur Verbesserung der Ackerböden. Dafür lägen Zertifikat vor, die eine Unbedenklichkeit der angefahrenen Böden bescheinige.

Lesen die dazu den ausführlichen Text hier:

Von Thomas Wachs

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