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Brück Sternfahrt: Im Zug der gelben Rundumleuchten
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Sternfahrt: Im Zug der gelben Rundumleuchten
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17:10 26.11.2019
Die schon stark angewachsene Golzower Kolonne kommt noch einmal kurz vor Lehnin zum Stehen. Dann rollte es über Göhlsdorf, Plötzin und Werder nach Potsdam. Quelle: Frank Bürstenbinder
Golzow/Berlin

Für Pendler zwischen Fläming und Havelland begann ein Glückstag. Wer zu spät zur Arbeit kam, konnte alles auf die Landwirtschaft schieben. Die Bauern standen am Dienstag vor Berlin. Sie wollten es mit über 5000 Traktoren bis zum Brandenburger Tor zu schaffen. Und sie hatten Wut im Bauch. Auf die Agrarpolitik des Bundes mit immer mehr Einschränkungen, Bürokratie, Auflagen – und das bei Schleuderpreisen.

Über drei Stunden brauchte eine in Golzow aufgebrochene Kolonne aus mehreren hundert Traktoren bis nach Berlin. Bis an die Siegessäule heran, schafften es diese Teilnehmer jedoch nicht.

„So kann das nicht weitergehen. Ich fahre nach Berlin, weil ich auf friedliche Weise die Sorgen unseres Berufsstandes deutlich machen will“, meinte Yannik Oppenborn von der Agrargenossenschaft Krahne, bevor er die 300 PS seines Fendt-Traktors in Bewegung setzte. Oppenborn gehörte zu einer Gruppe von acht Landwirten aus Golzow und Krahne, die sich bereits vor 4 Uhr an ihrem Sammelplatz südlich von Brandenburg einfanden. Es dauerte keine Stunde, dann bestand ihre Kolonne aus mehreren hundert Landmaschinen.

Landwirte aus Krahne und Golzow vor der Abfahrt nach Berlin. Aus den acht Traktoren ihrer kleinen Gruppe wurde durch den Anschluss weiterer Teilnehmer eine Kolonne von mehreren hundert Landmaschinen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Den Golzowern schlossen sich unter anderem hunderte Bauern aus Westdeutschland an, die schon die Nacht über auf dem Gelände der Biogasanlage im Gewerbegebiet sowie auf dem Betriebsareal von Ansgar Stockhoff in Fredersdorf bei Bad Belzig auf das Signal zum Abmarsch warteten. In Heerlager verwandelten sich auch die Agrarbetriebe von Timo Wessels in Damsdorf und der Lehniner Spargelhof von Heinrich Thiermann. Traktoren rollten bei der Anreise ebenso durch Brandenburg.

Dieselgeruch in der Luft

Gegen 5 Uhr am Dienstag war es soweit. Motoren liefen auf Hochtouren, Dieselgeruch lag in der Luft. Die Bundesstraße 102 erlebte einen endlosen Zug gelber Rundumleuchten. So viele Schlepper hatte Golzow noch nie erlebt, auch Michelsdorf und Lehnin nicht. Auf ihrem Weg nach Berlin durchquerte die Kolonne ohne große Probleme Göhlsdorf, Plötzin und Werder. Natürlich, wer aus Seitenstraßen und Grundstückseinfahrten kam, hatte Pech. Man wartete besser die zehn Minuten bis der Spuk vorbei war.

Im Morgengrauen überqueren die Bauern die Glienicker Brücke. Quelle: Frank Bürstenbinder

Mittendrin Tim Stabrodt, ein junger Landwirt, der im Golzower Familienbetrieb Basigkow arbeitet. Er war mit einem 400 PS starken John Deere unterwegs. Fabian Willmann und Benjamin Rügen steuerten souverän ihre Claas-Maschinen bis nach Berlin. Mark Linke und Robert Haase brachten zwei Massey Ferguson unbeschadet wieder nach Hause. Alles Nachwuchskräfte, die typisch für die neue Generation von Bauern sind, weil sie sich ohne Berufsverbände, Org.-Büro und Eventveranstalter zur bisher größten Agrar-Demo trauten. Initiativen wie „Land schafft Verbindung“ setzen auf Facebook und WhatsApp. Eine Art Bundschuh-Bewegung des 21. Jahrhunderts.

Nicht aufzuhalten

In Potsdam gab es für die Golzower Kolonne haklige Momente. Der Berufsverkehr rollte an, Schulkinder und Erwachsene querten die Seiten. Straßenbahnen kamen nicht weiter, weil Traktoren sich ihnen in den Weg stellten. Eine Tram-Fahrerin verlor die Nerven. Wie lange das noch so weiter gehen solle, herrschte sie Absperrkräfte an. Doch der Lindwurm mit den PS-starken Ungetümen war nicht aufzuhalten.

Unter den Teilnehmern der Sternfahrt war auch Yannik Oppenborn, Leiter Pflanzenproduktion in der Agrargenossenschaft Krahne. Quelle: Frank Bürstenbinder

Es gab auch Leute, die den Treckerfahrern zuwinkten. Als der Grunewald geschafft war, waren es die Berliner, die den bis zum Horizont reichenden Konvoi zum beliebtesten Fotomotiv erklärten. Da machte es am Ende nichts, dass für die Jungbauern aus Golzow und Krahne in der Bismarckstraße, etwa fünf Kilometer vor der Siegessäule, die Sternfahrt vorbei war. Weiter vorn in Richtung Tiergartentunnel ging nichts mehr. Den Rest zur Kundgebung schafften es die Mittelmärker und viele Teilnehmer nach ihnen zu Fuß.

 

Von Frank Bürstenbinder

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