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Brück Verdächtigter Unternehmer weist Vorwürfe zu Umweltdelikt zurück
Lokales Potsdam-Mittelmark Brück Verdächtigter Unternehmer weist Vorwürfe zu Umweltdelikt zurück
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06:37 16.08.2019
Der am Dienstag bei Brück-Stromtal auf Ackerflächen ausgebrachte Boden hat nach Angaben der Bewirtschafter ein Zertifikat und werde noch von Steinen befreit. Quelle: Thomas Wachs
Brück

Die Ermittlungen zu einem Verdacht auf eine schwere Umweltstraftat auf Ackerflächen bei Brück haben im Ort für heftige Reaktionen gesorgt. Das von den Ermittlungen betroffene Unternehmen sieht sich zu unrecht beschuldigt von der Unteren Bodenschutzbehörde des Landkreises sowie der Kriminalpolizei.

Behörden ermitteln bereits seit Frühjahr und nach einem aktuellen Fall vom Dienstag zu dem Verdacht, dass auf Wiesen und Ackerflächen in der Nähe der Siedlung Stromtal unerlaubte Stoffe in den Boden eingearbeitet worden sein könnten.

Die Milchhof Brück GmbH & Co. KG als ortsansässiger Landwirtschaftsbetrieb ist Bewirtschafter der betreffenden Flächen. Die Verantwortlichen der Firma weisen die Vorwürfe zurück.

Thomas Haseloff weist Vorwürfe von Ermittlern zurück. Quelle: Ulrich Hansbuer

Wie Thomas Haseloff, Gesellschafter der GmbH, am Donnerstag der MAZ sagte, werde der alte Offenmelkstall bei Stromtal nicht als Zwischenlager für Abfälle genutzt. Das dort aktuell gelagerte Holz stamme von Abbrucharbeiten nach dem Brand eines Stallgebäudes der Firma im vorigen Jahr. „Die Entsorgung der Brandruine erfolgte durch Fachfirmen mit Entsorgungsnachweisen. Das Holz des Dachstuhles lagert noch separat auf dem Gelände, nachdem die Dacheindeckung aus Asbest vom Holz getrennt und entsorgt wurde“, sagt Thomas Haseloff.

Das Altholz werde im Herbst entsorgt, indem es vor Ort geschreddert, zu Holzhackschnitzeln verarbeitet und verbrannt werde.

Das am alten Melkstall gelagerte, sortierte Holz soll im Herbst entsorgt werden. Quelle: Thomas Wachs

Die in MAZ-Berichten gezeigten Bilder aus dem Geoportal „Brandenburg Viewer“, die auf Landwirtschaftsflächen abgekippte Lkw-Ladungen erkennen lassen, zeigen nach Angaben der Unternehmens keine Abfallhaufen, „sondern lediglich Erdaushub mit Mutterboden, der bei Bauvorhaben anfällt“. Er werde auf den Flächen zur Bodenverbesserung verwendet. Der Aushub sei beprobt und entsprechend von Baugrundgutachten zur Bodenverwertung verwendet worden.

Anwohner und Landnutzer indes hatten die Bodenbehörde des Landkreises eingeschaltet und Anzeigen erstattet, weil sie den Verdacht hatten, dass verunreinigter Boden angefahren worden sein könnte.

Ermittlungen bereits seit Monaten

Inzwischen ermitteln das Kommissariat Schwere Umweltkriminalität im Landeskriminalamt der Polizei sowie die Staatsanwaltschaft und die Bodenschutzbehörde des Landkreises. Das bestätigt Juliane Mutschischk, eine Sprecherin der Polizeidirektion West, am Mittwoch auf Anfrage der MAZ.

Konkretere Ermittlungen der Bodenbehörde gebe es bereits seit Juni. In deren Rahmen fand am Dienstag ein Ortstermin mit Vertretern des Amtes Brück sowie der Unteren Bodenschutzbehörde statt. Zeugen wurden befragt.

Zu diesem Zeitpunkt rollten zufällig weitere Lkw mit Bodenaushub an, der per Radlader auf einem Feld verteilt wurde. „Die Polizei nahm vor Ort eine Anzeige wegen eines besonders schweren Falls einer Umweltstraftat in Verbindung mit unerlaubtem Umgang mit Abfällen auf“, hieß es am Mittwoch von der Polizeisprecherin.

Steine werden noch aussortiert

Laut Thomas Haseloff konnten den Ermittlern aber noch vor Ort die Zertifikate zur Unbedenklichkeit des angefahrenen Bodens vorgelegt werden. Er enthält einige Steine. Auch eine alte Gehwegplatte und etwas Folie sind erkennbar auf der Fläche vom Dienstag.

Wie Kai-Uwe Schwinzert, ein Sprecher der Kreisverwaltung, gegenüber der MAZ sagte, hätten Untersuchungen der Bodenschutzbehörde an früheren Abkippstellen jedoch auch Reste von Plastik, Teer, Asbest sowie Bitumen, Folien und Dachpappe hervor gebracht. Mehrere Bodenproben seien entnommen worden. Deren Analyse laufe noch. Ein Ergebnis stehe aus.

Der Landwirtschaftsbetrieb behauptet indes, ausschließlich Böden eingebaut zu haben, die laut ihrem Zertifikat mit dem Siegel Z0 beziehungsweise Z1.1 als unbedenklich gelten. Somit sei auch am Dienstag der angefahrene Boden auf dem Stoppelacker verteilt worden, um den Boden nachhaltig zu verbessern. „Es wurden keine Abfälle auf Ackerflächen bei Brück aufgefahren, sondern ausschließlich Bodenaushub“, heißt es von der Milchhof Brück GmbH & Co. KG. Im Anschluss an die Einarbeitung in den Boden werde dort eine Zwischenfrucht als Bienenweide ausgesät.

Bodenbehörde hat Proben genommen

Anders als von der Kreisverwaltung angegeben, habe der Landwirtschaftsbetrieb von der Bodenschutzbehörde bislang noch keine Auflage erhalten, um betroffene Flächen bodenkundlich weitergehend zu untersuchen. Zutreffend sei, dass die Bodenschutzbehörde bei einer Ortsbegehung am 14. Juni 2019 einzelne Proben gezogen hat und den Bewirtschafter der Ackerflächen vor Erlass eines Bescheides im Rahmen des Verwaltungsverfahrens anhört.

Im Einzelfall Bauschutt aussortiert

Dem Landwirtschaftsbetrieb seien Ergebnisse der Beprobung mitgeteilt worden. „Die Prüfwerte bestätigen, dass es sich nicht um gefährliche Abfälle im Boden handelt“, erklärt Thomas Haseloff am Donnerstagabend gegenüber der MAZ. „Soweit im Einzelfall Bauschutt oder Abbruchmaterial im Boden festgestellt wurde, konnte dieses zwischenzeitlich beseitigt werden“, heißt es weiter von den Bewirtschaftern der Flächen.

Das erfolge nicht zuletzt im Interesse der Landwirte selbst. Denn derartiges Material könne landwirtschaftliche Maschinen, insbesondere Reifen, beschädigen und werde noch aussortiert.

Von Thomas Wachs

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