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Potsdam-Mittelmark Bühnenkarriere mit 60 Plus
Lokales Potsdam-Mittelmark Bühnenkarriere mit 60 Plus
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17:53 28.08.2017
Schlüpfen nach der Rente in ungewohnte Rollen: die Schauspieler der „Augustiner Spätlese“. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Kleinmachnow

„Du musst mehr zum Publikum spielen“, fordert Heike Schmidt eine ihrer Schauspielerinnen auf. Soeben hat ihr Laien-Ensemble die Komödie „Haltet den Dieb“ durchgespielt. Nun gibt es von der Dramaturgin, Regisseurin und Souffleuse die letzten Tipps für die „Augustiner Spätlese“ – eine Theatergruppe, die ausschließlich aus über 60-Jährigen besteht, die in der Seniorenresidenz Augustinum in Kleinmachnow wohnen. Eine Mitarbeiterin und der ehemalige Direktor der Einrichtung, Bernhard Benne, unterstützen die Schauspielgruppe.

„Und wenn ihr den Text einmal nicht mehr wisst – am besten ist guter Augenkontakt“, sagt Schmidt. „Mit wem?“, fragt Idmar Breitkreuz (76), der früher Physiker war. Er habe die berührungslose Augendruckmessung entwickelt, erzählt er. „Na mit mir“, erwidert Schmidt, „oder wen willst du anrufen?“ Breitkreuz hat über seine Ehefrau Hildegard (73) in die Theatergruppe gefunden. Die beiden sind die jüngsten Schauspieler, die bei der“Augustiner Spätlese“ mitmachen. In „Haltet den Dieb“ spielen sie ein Ehepaar, das sich nicht mehr besonders liebevoll gegenübersteht. „Ich bin schon gespannt auf die Reaktionen“, sagt seine Frau, „weil wir uns auf der Bühne ziemlich streiten – wer weiß, was die Leute dann denken, wie es bei uns zu Hause zugeht.“

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Rollen werden den Darstellern „auf den Leib“ geschrieben

Ingeborg Bartsch ist mit 94 Jahren die Älteste. Sie war Lehrerin, und hat den Kontakt zu Schmidt hergestellt, mit der sie früher einmal in Lüneburg zusammen Kabarett gemacht hatte. Edith Böhme dagegen war Chemotechnikerin, die in ihrer Freizeit als Volontärin auf Forschungsstationen etwa in Wüsten, auf Schiffen oder am Great Barrier Reef gearbeitet hat. Theater gespielt hat sie schon als Kind und besonders nervös ist sie nicht: „Das ist ja nicht die erste Aufführung.“ Tatsächlich ist es die dritte Produktion der Gruppe. Nach „Pension Schöller“ (2016) und einem Gruselprogramm zu Halloween folgt am Dienstag die Aufführung von „Haltet den Dieb“. Allerdings ist zur Hälfte des Stückes Schluss. Am 24. September gibt es dann eine Filmaufführung des ersten Teils, an den eine szenische Lesung des zweiten Teils – und damit auch der Auflösung – anschließt.

Welches Stück gewählt wird, entscheidet Schmidt. Sie müsse meist gut suchen, bis sie etwas Passendes finde, erzählt sie. Die Rollen würde sie dann den Darstellern „auf den Leib schreiben“. Natürlich gebe es auch Herausforderungen, erzählt sie. Nicht immer sei es für die Darsteller einfach, sich die Texte oder Abläufe zu merken. Unter Spannung zu produzieren, was „zu Hause im Sessel geklappt hat“, sei nicht immer leicht. Aber die Theatergruppe präge die Lebensqualität der Teilnehmer, „das sollte man wertschätzen.“

Die Aufführung beginnt am Dienstag, dem 29. August 2017, um 16 Uhr im Theatersaal des Augustinums in Kleinmachnow.

Von Konstanze Kobel-Höller