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Potsdam-Mittelmark Chronisten feiern 20 Jahre akribischer Kleinarbeit
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18:20 26.02.2018
Mitglieder der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark haben jetzt solche Dokumente in der Tasche.
Groß Kreutz

Ausgerechnet bei der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark fehlt diesmal ein Dokument. Anders als bei der Gründung vor 20 Jahren wurde diesmal kein Gruppenfoto angefertigt. Es wurde schlicht vergessen. Doch so wie damals – am 18.Februar 1998 – kam die Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark (CPM) wieder im Strohhaus Groß Kreutz zusammen.

Es war das inzwischen 174. Treffen. „Und die Runde ist größer als damals“, behauptete der Vorsitzende Jaromir Schneider.

Chris Rappaport von der Chronistenvereinigung Potdam-Mittelmark. Quelle: Andreas Koska

Er steht seit zwölf Jahren an der Spitze der Vereinigung, war bei der Gründung aber noch nicht dabei. Kein Wunder, dass die Kulturreferentin der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark widersprach. „Auch damals war der Saal gut gefüllt“, sagte Doris Patzer.

25 Menschen unterzeichneten das Gründungsprotokoll

Fakt ist: Das Gründungsprotokoll wurde seinerzeit von 25 Chronisten unterzeichnet. Diesmal waren 40 Enthusiasten dabei, um das Jubiläum zu begehen.

Dabei gab es schon vor dem offiziellen Zusammenschluss fünf Jahre lang monatlichen Austausch der Heimatforscher. Sie trafen sich im Schloss Borkheide, wie die frühere Bildungsstätte der Demokratischen Bauernpartei (DBD) der DDR genannt wurde. Schon damals fotografierte Günter Kästner aus Bad Belzig die Treffen.

Schon 1995 gab es die Idee einer Vereinsgründung

Von 1995 an bestand die Idee der Vereinsgründung, die jedoch noch reifen musste. „Für einige hat das Datum deshalb vielleicht keine allzu große Bedeutung, es war praktisch ja ein fließender Übergang“, berichtet Chris Rappaport. Als Schatzmeister gehört er von Anfang an dem Vorstand an.

„Nicht jede Kommune ist von der Chronikarbeit begeistert“, weiß Helga Kästner, „zuweilen heutzutage noch nicht!“ Die einstige Lehrerin aus Bad Belzig, die sich seit jeher besonders umfassend und sachkundig der Aufarbeitung und Präsentation der Heimatgeschichte widmet, weiß dass gerade in den 90er-Jahren manch ein Bürgermeister andere Prioritäten gesetzt habe. „Wer will denn sowas lesen?“, soll einer gefragt haben.

In Ehren ergraut: Günter Kästner und Helga Kästner aus Bad Belzig sowie Eva Griebel aus Fichtenwalde (r.). Quelle: Andreas Koska

Trotzdem hat sie als Autorin und Lektorin an rund 90 Werken mitgewirkt. Der damalige Kranepuhler Ortschef, Hartmut Schmeißel, hingegen habe angeboten die Druckkosten selbst zu tragen, da er von der Chronik begeistert war.

Fast naheliegend, dass das Amt Niemegk eine Vorreiterrolle bei der Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit der Heimatforscher einnimmt. Verwaltungsmitarbeiterin Sophia Petzold stellte die Chronistensatzung der Stadt Niemegk vor, die unter anderem eine jährliche Entschädigung in Höhe von 200 Euro und die Erstattung der Fahrtkosten vorsieht.

Chronisten müssen einmal im Jahr ihre Arbeit dokumentieren

„Allerdings gibt es auch Pflichten: So muss der Chronist einmal im Jahr seine Arbeit dokumentieren“, erklärt sie. Sophia Petzold arbeitet an einer Heimatpflegesatzung und hofft, dass neben die amtsangehörigen Gemeinden dem Anliegen folgen.

Zumindest bei Reth Kalsow, dem Groß Kreutzer Bürgermeister und Uta Hustig, seiner Amtsollegin aus Nuthetal, fand der Vortrag großes Interesse. „Ich werde Niemegk als positives Beispiel nehmen“, sagte der Gastgeber. Gleichzeitig will er es in die Bürgermeisterrunde des Landkreises tragen. „Wenn alle Städte und Gemeinden gleich vorgehen, würden wir eine Gleichbehandlung erreichen“. betonte er.

Im Strohdachhaus in Groß Kreutz kamen die Chronisten zur Feier zusammen. Quelle: Mandy Mamedow

Doris Patzer hatte aus ähnlichen Beweggründen ein exklusives Präsent mitgebracht. Alle anwesenden Mitglieder erhielten einen Ausweis. „Damit kann zum Beispiel das Kreisarchiv kostenfrei genutzt werden“, erklärte die zuständige Fachamtsleiterin.

Ernst-Peter Rabenhorst forscht zur Geschichte Treuenbrietzens

Für Günter Franz und Ernst-Peter Rabenhorst eine Arbeitserleichterung. „Ich freue mich“, sagte Franz, der in Ragösen Chronist ist und seit dem Eintritt in den Ruhestand recherchiert und dokumentiert. „Deshalb sind auch die Treffen für mich so wichtig, hier findet ein befruchtender Austausch statt“, hat der 66-jährige festgestellt.

Er ist seit drei Jahren Mitglied im Klub. Rabenhorst hat schon mehrfach zur Geschichte der Sabinchenstadt Treuenbrietzen veröffentlicht.

Der Vorsitzende Jaromir Schneider hielt einen bebilderten Vortrag. Quelle: Andreas Koska

Er ist knapp ein Jahr nach der Gründung der Vereinigung beigetreten und stellvertretender Vorsitzender. „Ich habe hier immer Anregungen für die Chronikarbeit gefunden, wobei ich aber einen eigenen Weg gefunden habe“, blickt der 76-jährige zurück. Es gibt seiner Einschätzung nach keine Schablone für die Heimatforschung.

Der Vorsitzende gehört zu den Jüngsten im Raum

Jaromir Schneider gehört mit 57 Jahren zu den Jüngsten unter den in Ehren ergrauten Ortschronisten. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt über 65 Jahre. „Deshalb würde ich mir die Mitgliedschaft junger Menschen wünschen“, sagte der Vorsitzende. Vielleicht werden die Mitglieder der Vereinigung den Vorschlag des Pfarrers von Groß Kreutz beherzigen.

„Gehen sie in die Schulen, halten Vorträge und begeistern die jungen Leute für ihr Tun und die Geschichte der Heimat“, riet Sebastian Mews. In fünf Jahren, wenn vielleicht an Ort und Stelle sogar wieder ein Erinnerungsfoto entsteht, lässt sich prüfen, ob sein Appell von Erfolg gekrönt war.

Von Andreas Koska

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